
Flugblatt zur Veranstaltung ,,Nie wieder Krieg und Faschismus", Antimilitarismus in der Bundeswehr
Aktuelle Veranstaltungshinweise bekommt Ihr über E-Mail an den
Bundesvorstand.
Jede Armee hat ihren Klassenauftrag. Die Bundeswehr hat einen und die NVA hatte einen. In einer Zeit wie dieser, in der sich die Veröffentlichung von "Einzelfällen faschistischer Straftaten in der Bundeswehr mehren und andererseits vielerorts der Klassenbegriff bestritten wird ist es wichtig ins Gedächtnis zu rufen, was wir einst als allgemeingültig verstanden haben. Unser Klassenauftrag war dafür zu sorgen, das von Deutschland nie wieder Krieg und Faschismus ausgehen kann.
Die Gründung der NVA erfolgte gemäß dem "Gesetz über die Schaffung der NVA und des Ministeriums für Nationale Verteidigung. Staatsrechtliche Grundlage dafür bildete die von der Volkskammer am 26.09.1955 beschlossene Ergänzung der Art. 5 und 112 der Verfassung der DDR vom 7.10.1949. Leicht gefallen sind diese Beschlüsse damals bestimmt keinen, allein die Remilitarisierung der BRD, ihre Eingliederung in die NATO und die Aufstellung der Bundeswehr erforderten diese Schritte.
Wir setzten die Beschlüsse des Potsdamer Abkommen in die Tat um. Mit den Traditionen von Krieg, Faschismus und Militarismus wurde kurzer Prozeß gemacht. Gleichfalls mit Nazi- und Kriegsverbrechern. Die Prozesse waren so kurz, das der deutsche Imperialismus unsere Richter und Staatsanwälte von damals, heute der "Rechtsbeugung anklagt, vor seine Gerichte schleppt und verurteilt!
Mit 18 ½ wurde ich zur Fahne gezogen. In Eggesin leistete ich meinen Eid auf die Fahne der DDR. Ich schwor, alles in meiner Kraft stehende zu tun, um jeden Angriff auf mein Vaterland abzuwehren und den Klassenauftrag zu erfüllen. Ansonsten möge mich die harte Strafe der werktätigen Bevölkerung treffen. Ich weiß nicht mehr, ob es mir damals bewußt war, was dieser Eid bedeutet - so richtig bewußt geworden ist es mir auf alle Fälle in den Tagen der Annexion.
Im Stab der 8. Mot. Schützendivision erlebte ich 1985 die Diskussionen um die neue Militärdoktrin des Warschauer Vertages mit. Wir wollten damals den Aggressor im Falle eines Angriffs nur noch auf sein Territorium zurück schlagen, nicht mehr vernichten. Der Imperialismus hätte ein Recht weiter zu leben. Eine Politik, die damals von vielen gerade älteren Offizieren nicht ganz verstanden wurde.
Als wir 1987 dem deutschen Imperialismus Friedensfähigkeit bescheinigten, war ich schon nicht mehr in der Armee. Militärpolitik ist Klassenpolitik und keine Parteipolitik! Von diesem wichtigen Grundsatz haben wir uns verabschiedet gehabt.
Schaut Euch die Tradition der Armee an und Ihr seht welch Geistes Kind sie ist. Tradition kann man zum Beispiel und sehr deutlich an den Namen der Kasernen erkennen. Die Kasernen, in denen ich untergebracht war, waren durchweg nach deutschen Widerstandskämpfern und Opfern des Faschismus benannt. Fiete Schulz, Geschwister Scholl, Carl von Ossietzky. Aber auch an den Lebensläufen der Führungskader. Der damalige Minister für Nationale Verteidigung, Armeegeneral Heinz Hoffmann, hat von 1933 bis 1945 gegen den Faschismus gekämpft. In den Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg und in der Roten Armee während des Großen Vaterländischen Krieges.
Heute nun sehen wir, wie antifaschistisch unser Schutzwall war, heute trifft der Eidbruch nicht nur jene, die ihn geleistet haben, sondern die ehemals arbeitende Bevölkerung selber. Keine Klassen und keine Klassenpolitik? Sagt es den erwerbslosen Arbeitern der vernichteten Kombinate, den ehemaligen LPG-Bauern. Die Klasse der SIEMENS, Krupp, der Deutschen Bank freut sich. Denn einen großen Teil ihrer Stärke bezieht sie aus unserer Schwäche!
Unblutig und gewaltlos war die erste Grenzverschiebung im Nachkriegs- Europa, so will man uns glauben machen. Nicht genug der Gewalt, welche den Arbeitern und Bauern durch die Vernichtung Ihrer Arbeitsplätze angetan hat. Nicht genug der Gewalt und des Todes, welche die an die Türkei verschacherten Waffen über das kurdische Volk bringen. Waffen unserer NVA, welche wir aus der Hand gegeben haben. Welche wir dem deutschen Imperialismus, wieder besseren Wissens in die Hand gegeben haben. Nein, das alles ist noch nicht genug. Er, welchen wir geschworen haben aufzuhalten, marschiert schon wieder auf dem Balkan.
Der Krieg kehrt immer nach Deutschland zurück. Auch dieser,
der bereits begonnen hat. Sicher, ausgebrochen ist er noch nicht.
Aber ohne Zweifel wird er ausbrechen, wenn wir es in unserem eigenen
Land nicht verhindern und den deutschen Imperialismus samt seiner
Armee in seine Schranken und Grenzen weisen. Sollten wir dies
erneut unterlassen, wird schwer werden, glaubhaft zu versichern,
wir hätten nichts gewußt von all dem. In diesem Fall,
sollte uns die Strafe der werktätigen Bevölkerung aller
Herren Länder in voller Härte treffen!
Hammelburg, ein schöner Ort an der fränkischen Saale
mit einem barocken Schloß und deutscher Tradition. Hammelburg,
der größte Übungsplatz der Bundeswehr zur Ausbildung
deutscher Soldaten für den Einsatz im Ausland. Bei Hammelburg
liegt ein Dorf namens "Bonnland. Schon 1938 wurden
seine Bewohner vertrieben, damit die faschistische deutsche Wehrmacht
im Häuserkampf Mord und Vernichtung üben konnte ("Soldat
und Technik 6/97).
Auch heute trainiert das deutsche Militär
in Hammelburg die Bekämpfung des "Feindes , der
"aus der Mitte der Bevölkerung heraus agiert.
Mehrere Videos dokumentieren, wie in Hammelburg deutsche Soldaten
auf ihren Eisatz im Ausland vorbereitet werden: hinrichten, foltern,
vergewaltigen. Hinzu kommt der Hitlergruß. Eben genau das
Handwerk, welches keiner besser beherrscht als deutsche Soldaten,
wie sie es in zwei Weltkriegen in Praxis bewiesen haben. Das Drehbuch
der Videos schrieben deutsche Offiziere und Unteroffiziere der
Bundeswehr. Die Wehrbeauftragte der Bundeswehr Marienfeld (CSU)
stellt in einem Untersuchungsbericht zu Hammelburg fest, daß
ein Vorgesetzter die Soldaten zu den Mordszenen "animiert
hat. Dieser Vorgesetzte Feldwebel erhielt vom stellvertretenden
Kompaniechef eine förmliche Anerkennung und zwei Tage Sonderurlaub!
Für den "Ideenreichtum beim Darstellen solcher
Szenen während der Ausbildung (Süddeutsche Zeitung,
10.10.97). Die Offiziere amüsierten sich über diese
Videos köstlich, sie waren der Hit in den Fernsehräumen
der Kaserne.
Das ist deutsche Tradition, zu der man sich bekennt.
Während vielen Menschen angesichts solcher Umtriebe der Atem
stockt, empfing die Bundeswehr am 17.10.97 in der Kaserne von
Hammelburg über 100 faschistische Ritterkreuzträger
der Wehrmacht und der Waffen-SS, welche von Hitler höchst
persönlich zu dieser Ehre berufen worden sind. Für Bewirtung
und Unterbringung in der Kaserne sorgte die Bundeswehr (Frankfurter
Rundschau; 18.10.1997).
Soll nicht ein drittes mal die Welt an deutschen Wesen genesen,
dürfen wir diesem Treiben nicht tatenlos begegnen. Doch hat
es Sinn als Antimilitarist zum Militär zu gehen? Welche Möglichkeiten
bieten sich? Gab es nur Niederlagen oder auch Erfolge? Wenn Euch
das interessiert, kommt zu unserer Veranstaltung!
Aktuelle Veranstaltungshinweise bekommt Ihr über E-Mail an den
Bundesvorstand.