Freie Deutsche Jugend
Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) seit 1948


Fanfare - Auszüge
Nr.19, 25. August 1998

Kinder und Jugend: Ein Sechser im Lotto... Ein Leben überbrücken
Rassismus: Der Fall ,,Mehmet"
Aktion: 7 Tage Radeln Hakenkreuz geduldet? -> Wieder ein Wochenende...
8 Jahre Annexion: -> Die Welle Inoff. Staatsratsvorsitzender
FDJ aktiv: -> Regionalverband Ostsachsen
Geschichte: Meine Erlebnisse mit der FDJ
Internationales: Lidice Das Fanal der Revolution
Buchtip: -> Tania la Guerrillera
Verschiedenes: Das ist der Krieg der Zukunft... Neues vom alten Kriegstreiber
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Wieder ein Wochenende besonders wichtiger Art -

wann sehen wir uns?

Die FDJ-Basisgruppe München hat im Juni wieder einmal Verbündete, Freunde und Interessierte in die Otto-Huber-Hütte an den Ammersee eingeladen. Dieser Platz, mitten in Bayern, ist seit den 20er Jahren Treffpunkt für Antifaschisten, Sozialisten und Kommunisten.

Wir haben uns dort mit wichtigen Themen auseinandergesetzt: Gewerkschaftsarbeit, betrieblicher Kampf und Jugendarbeit und Übernahme der DDR bei den 2+4=5*-Verhandlungen. Am Abend hatten wir eine tolle Stimmung mit grillen, Liederabend, Fackeln am See und einiges mehr. Es kam zu Kontakten untereinander und man konnte einige wichtige und spannende Diskussionen führen.

Am Samstag haben wir unser erstes Thema angegangen und lebhaft diskutiert. Zum betrieblichen und gewerkschaftlichen Kampf war ein Kollege und Genosse von der Front gekommen: André (24) aus Bremen, Mitglied in der FDJ, bis vor kurzem Jugendvertreter und jetzt Betriebsrat in einem mittelständischem Betrieb (120 Lohnabhängige). In seinem Diskussionsreferat klärte er erst mal die Aufgabe eines Betriebsrats (wofür?), welche Rechte er hat (oder nicht, aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse) und was für Möglichkeiten bzw. Einschränkungen der Betriebsrat unterliegt. Dabei entwickelten sich schon spannende Diskussionen, besonders bei Schüler/innen. Dann klärte André noch das Verhältnis zur Gewerkschaft, warum Gewerkschaft bei der betrieblichen Auseinandersetzung wichtig ist, weshalb Lohnverzicht geübt wird und Tarifverträge schlechter werden.

Tagsüber spielten wir Tischtennis, Fußball, Volleyball oder was einen sonst interessierte (Schach oder anderes).

Am Sonntag ging es bis mittag und da wurde ein weiteres wichtiges Thema bearbeitet.

Hierzu kam Norbert (50, Mitglied im Arbeiterbund für den Wiederaufbau der KPD, Kollege eines FDJ-Mitgliedes), der sich mit der Geschichte der 2+4-Verhandlungen beschäftigte. Seine Informationen sammelte er aus Biographien von Sekretären und Repräsentanten der beteiligten Staaten (siehe Kasten), sowie internationale Presseveröffentlichungen. Er stellte das Referat mit Nachfragen als geschichtlichen Abriß dar. Es wurden z.B. folgende Fragen diskutiert: Warum sind 2 Staaten + 4 Staaten = 5 Staaten? oder begann die Annexion der DDR erst im Herbst 1989?

Zwischendurch spielten wir Volleyball, was eine tolle Abwechslung war.

Nach diesem spannenden Vortrag verließen wir nach gemeinsamem Aufräumen die Hütte und weil alle es ziemlich toll fanden, wurde ein neues Treffen vereinbart.

Thorsten, München

* 2 Staaten: DDR, BRD; 4 Staaten: Sowjetunion, USA, Frankreich, Großbritannien; =5: alle, außer DDR

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Die Welle - oder: Gut inszeniert ist halb gewonnen!

Mitschrift vom Referat von Norbert Schmidt beim FDJ-Wochenende am Ammersee

Der Referent berichtete, was in den Jahren 1989/90 hinter den Kulissen wirklich ablief. Die Kulissenschieber im Fernsehen überschütteten damals das Volk mit sentimentalen Bildern über Fluchtwellen von DDR-Bürgern aus Ungarn und der Tschechoslowakei. Sie zeigten herzzerreißende Bilder von Ausreisewilligen und Bonner Regierungsvertretern, die ganz gerührt waren vom Drang der Brüder und Schwestern in den goldenen Westen. Kohl & Co. taten so, als hätten sie am Rad der "Fluchtwilligen" selbst nicht kräftig mitgedreht.

Wir erfuhren, wie weit Dichtung und Wahrheit auseinander lagen und wie sehr die weltkriegserfahrenen Deutschen der Geschichte doch nachhalfen.

Friedrich Kurz, seit 1988 Journalist beim Bayrischen Fernsehen, weiß einiges zu berichten:

"16.August 1989: Der ungarische Malteser-Caritas-Dienst baute im Budapester Stadtteil Zugliget das erste Flüchtlingslager auf, neben der katholische Kirche "Zur Heiligen Familie". Pfarrer Imre Cosma, Präsident des neu gegründeten ungarischen Malteser-Caritas-Dienstes, hatte spontan den Pfarrgarten zur Verfügung gestellt. Bundesdeutsche Diplomaten begannen, den DDR-Flüchtlingen heimlich in der Sakristei westdeutsche Pässe auszustellen - eine persönliche Anordnung Genschers (damals Außenminister der BRD).

Diese Beamten gehörten nicht zum Budapester Botschaftspersonal, sondern sie waren eigens aus Wien gekommen und mit Malteseruniform getarnt - eine diplomatische Rücksichtnahme auf Ungarn. Vor der Paßübergabe warnten sie formal jeden DDR-Bürger, daß er sich nach DDR-Recht strafbar mache und darauf mindestens 2 Jahre Haft stünden...... Und sie (die DDR-Bürger) bekamen von den westdeutschen Diplomaten für eventuelle Fluchtversuche sogar Routinetips und obendrein 100 DM Reisegeld."(F.Kurz: Die 7 Mythen der Wiedervereinigung. S.147/148)

Die Souveränität des ungarischen Staates wird von den beamteten Schleuserbanden Westdeutschlands mit Füßen getreten. Sie benehmen sich, als wären sie in Ungarn zu Hause. Zugleich verletzen sie die Rechte des Staates DDR, der von der UNO und somit international anerkannt ist. Trotzdem machte die BRD auf eigene Faust Zehntausende DDR-Bürger über Nacht zu Staatsangehörigen der BRD. Und das auch noch heimlich, still und leise aus dem Untergrund auf dem Staatsgebiet Ungarns. Wie kann man das anders bezeichnen als Einbruch in fremde Länder und Raub von Menschen anderer Staaten im großen Stil?

Jeder Kenner der Mafia weiß: Wo Einbruch und Raub sich die Hände reiben, da ist die Bestechung nicht weit.

Am 25.August 1989 ließ Bundeskanzler Kohl den ungarischen Ministerpräsidenten Nemeth nach Bonn einfliegen. Noch hatte Ungarn den DDR-Bürgern den Grenzübertritt nach Österreich nicht gestattet. Es gab ja immerhin einen gültigen Vertrag zwischen Ungarn und der DDR, der solche Grenzübertritte nicht erlaubte.

Trotzdem sah sich der ungarische Ministerpräsident genötigt, sich dem deutschen Kanzler in die Arme zu werfen. Kohl selbst beschreibt die herzzerreißende Szene in seinem Buch "Ich wollte Deutschlands Einheit" auf Seite 74:

"Dann wartete Nemeth endlich mit der erlösenden Nachricht auf: "Eine Abschiebung der Flüchtlinge zurück in die DDR kommt nicht in Frage. Wir öffnen die Grenze"..... Mir stiegen die Tränen in die Augen, als Nemeth dies ausgesprochen hatte."

Der damalige Außenminister Genscher enthüllte in seinen Memoiren allen Lesern, wie selbstlos doch alles abgelaufen war und wie wenig Bestechungsgelder auf dem Pokertischchen lagen: "Finanzielle Forderungen erhoben unsere ungarischen Gäste nicht."

Ganz so selbstlos will Kohl die Sache dann doch nicht dastehen lassen und beziffert in seinem Buch, was sich die BRD die spontane Fluchtwelle kosten ließ: "Gleichwohl gewährt die Bundesregierung dem Land (Ungarn) einen Kredit von fünfhundertmillionen D-Mark." (Kohl: Ich wollte Deutschlands Einheit, S.74)

Anhand solch konkreter Details erfuhren wir noch viele Einzelheiten, Widersprüchliches und die wahren Hintergründe über die sogenannte Wiedervereinigung, die in Wahrheit eine Einverleibung, eine Annexion der DDR war.

Wie wenig wohl es den anderen Staatsmännern damals war und wie viel Sprengstoff in der Einverleibung der DDR steckte, mögen ein paar Originalaussagen belegen. Und diese Aussagen sollten auch zum Nachdenken anregen, ob dieser Sprengstoff heute tatsächlich entschärft ist. Und wie er wieder zu entschärfen wäre.

Parteien zur Deutschen Einheit

Kanzler Kohl , Vorsitzender der CDU: Wir schaffen die deutsche Einheit in Frieden und Freiheit.

Margaret Thatcher , Premierministerin von England, über das Jahr 1990: "Und noch ein weiteres Schreckgespenst aus der Vergangenheit ist wieder auferstanden: Die Deutsche Frage" (M.Thatcher: Downing Street No.10, S.1125)

Francois Mitterrand , Präsident Frankreichs, 1989: "Besteht die Absicht, einen Atomschlag gegen Deutschland zu führen? Nein, natürlich nicht, wir tun alles, um das zu vermeiden. Soll man das so hinschreiben? Nein, wir können uns für den Kriegsfall nicht die Hände binden." (aus: J.Attali: "Verbatim" S.222)

James Baker , Außenminister der USA, 1990 in Bonn: "Wir haben die Lektionen von 1871, 1914 und 1939 gelernt. Wir mußten zwei Kriege auf diesem Kontinent in diesem Land (in Deutschland) führen. Wir wollen dies nicht noch einmal tun müssen." (J.Baker: Drei Jahre, die die Welt veränderten. S.217)

Willy Brandt , Ehrenvorsitzender der SPD 1989: "Jetzt wächst zusammen, was zusammengehört.

FDJ in der annektierten DDR im Jahr 1995: "Lieber raus aus der BRD, als rein in den Krieg!"

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Gemeinsam für ein Erwachen im ,,Tal der Ahnungslosen"

unser junger Regionalverband der Freien Deutschen Jugend in Ostsachsen

Unser kleiner wiedergegründeter Landesverband Sachsen ist sich der prekären Entwicklung in der aDDR durchaus bewußt. Gerade hier im ostsächsischen Raum konnten sich in den letzten Jahren neofaschistische Funktionäre aus dem Westen einnisten und faschistische Jugendgruppierungen formieren. Unsere Aufgabe sehen wir darin, eine breite einheitliche antifaschistische Front unter Berücksichtigung verschiedenster Weltanschauungen zu bilden. Als Grundlage betrachten wir die Organisation in der Freien Deutschen Jugend. 1936 wurde die FDJ von fortschrittlichen Jugendlichen im Exil gegründet, um die Menschheit vor der faschistischen Gefahr zu warnen und die Ausbreitung des Faschismus zu verhindern.. Leider gelang es damals nicht, im eigenen Land eine breite Bewegung zu organisieren. Wir arbeiten verstärkt daran junge AntifaschistInnen zu gewinnen, um vereint für eine sozialistische Gesellschaft zu kämpfen..

Hier nur ein Beispiel, warum wir auf Eure Unterstützung angewesen sind:
Der Kreisjugendring Sächsische Oberlausitz e.V., konnte schon zweimal seinen ,,jugendpolitischen Stammtisch" durchführen, an welchem neofaschistische Führungskräfte hofiert werden und Ihnen die Möglichkeit gegeben wird ihre menschenverachtenden Losungen loszuwerden. Die Mittel dieses ,,Rechtsstaates" lassen es nicht zu, solche Veranstaltungen zu verbieten. Erst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, könne man gegen solche von Steuergeldern finanzierte Podien vorgehen. Wir können und wollen dies nicht hinnehmen. Welchem gebildeten Menschen kann man es verdenken, wenn er gegen die rassistische Politik der Bundesregierung, sei es nun unter Kohl oder Schröder opponiert? Unsere Presseerklärung, in welcher wir uns von dieser Veranstaltung distanzierten und die Gefahren welche davon ausgehen darlegten, wurde durchweg von den bürgerlichen Medien diffamiert. Bei der Interpretation des Begriffes Toleranz, so wie sie heute in den Medien verbr eitet wird, würde sich G. E. Lessing im Grabe umdrehen. Die Deutschen werden systematisch verdummt, die damit verfolgten Ziele waren schon einmal da und sind nach 60 Jahren wieder in greifbare Nähe gerückt. Gegen die Lüge aber setzt sich nur soviel Wahrheit durch wie wir durchsetzen.

Nun zu etwas erfreulicherem:
Nach den XIV. Weltfestspielen der Jugend und Studenten auf Kuba, welche unter dem Motto ,,Für antiimperialistische Solidarität, Frieden und Freundschaft" stattfanden, zeigten wir zahlreiche Diavorträge und informierten über unsere Delegation aus der aDDR. Über die Resonanz, welche unsere Vorträge auslösten, waren wir überwältigt. Sie zeigte uns, daß die FDJ in den Augen der Mehrzahl der jüngeren und der lebenserfahreneren AntifaschistInnen die Grundlage für eine Aktionsfront gegen die faschistischen Umtriebe bietet und unterstützt werden muß. Zusammenfassend kann man die Erkenntnis, das daß Handicap der ,,Linken" in ihrer Zersplitterung besteht, wodurch sie handlungsunfähig wird, als Grundtenor der anschließenden Diskussion anführen. Das ein Verbund aller fortschrittlichen antifaschistischen Kräfte mehr denn je notwendig ist, beweist die bisherige Entwicklung seit der Annexion der DDR, b zw. der Gründung der BRD. Diavorträge zeigten wir bisher in Basisorganisationen der PDS und in einem antifaschistischen Café. Als grundsätzlichen Erfolg unserer Berichte über die XIV. WFS kann man die Gründung der Basisgruppe Zittau nennen.

Zum 8. März, dem Internationalen Frauentag, unterstützten wir eine Protestaktion der PDS Lisa-Gruppe Löbau-Zittau gegen vollzogene und geplante Bahnstreckenschließungen in unserer Region.. Wir beglückwünschten unsere GenossInnen, Mütter und Großmütter zu diesem fröhlichen, jedoch in der heutigen Zeit, verstärkt kämpferischen Feiertag. Diese rote Nelke, welche wir als Dank und Aufforderung mit unserem Flugblatt überreichten, verfehlte seine Wirkung nicht. Wie war doch u.a. das Motto dieses Kampftages ,,Wir wollen keine Rosen...".

 

Wer neugierig geworden ist, mehr über unsere Aktionen erfahren oder unseren Treffpunkt erfahren möchte wende sich an den Bundesvorstand.

Gunnar (Basisgruppe Zittau)

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Buchtip

"1937 wurde in Buenos Aires ein Mädchen geboren, dessen Namen Jahre später zu einem Begriff für die revolutionäre Jugend der ganzen Welt wurde- Tamara Bunke, Zur Kommunistin erzogen, ging sie unbeirrt den Weg einer Revolutionärin, deren höchstes Streben die Befreiung der unterdrückten Volker Lateinamerikas war, Alle, die sie kannten, liebten ihr fröhliches Lachen und bewunderten Loren unermüdlichen Eifer, mit dem sie sich jeder Arbeit und jeder Aufgabe zuwandte. Am 31 August 1967 fiel Tania, die Partisanin, im revolutionären Kampf in Bolivien, Das Buch der kubanischen Autorinnen vermittelt in Briefen, Berichten, Bildern und Dokumenten von Tamara selbst, aber auch von ihren Eltern, ihren Freunden und Genossen ein umfassendes und eindrucksvolles Bild des Lebens und Wirkens dieser ungewöhnlichen Frau "

Diese Zeilen sind auf dem Einbund des von 1973 bis 1989 in der DDR in sieben Auflagen erschienenen Buch zu lesen. 30 Jahre nach dem Tod von Tamara Bunke, Tania la Guerillera, erschienen derartige Hetzbücher über sie , daß eine erweiterte Neuauflage, die alle diese Verleumdungen widerlegen, herausgebracht werden mußte. Nadja Bunke, Mutter von Tania, hat weder Kosten noch Mühen gescheut, um das einzig wahre und authentische Buch über die revolutionäre Heldin neu aufzulegen. Alle die jetzt sagen , daß sie das Buch schon ke0nnen, aufgepaßt: Im Buch sind nun auch u.a. "Das Poem von der Pflichterfüllung ... Die Übersetzung der Hymne des 26 Juli von Tamara zu finden, wie auch Dokumente die bestätigen, daß Tamara nicht für den KGB gearbeitet hat. Ich kann allen nur empfehlen, dieses Buch zu lesen und auch weiter zu empfehlen.

Es ist für 29,90 DM erhältlich und erschienen im Dietz Verlag, Berlin 1998

Andrea, Berlin

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IMPRESSUM

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Sämtliche Artikel geben lediglich die Meinung des Verfassers wieder.

Herausgeber ist der Bundesvorstand.


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Weydingerstr. 14-16, 10178 Berlin,
Tel./Fax 030/24 00 92 11

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