
Freie Deutsche Jugend
Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) seit 1948
Fanfare
- Auszüge
Nr.20, 04. Januar 1999
| Großdeutsche Außenpolitik: | Jugoslawien | -> Irak | |
| Großdeutsche Innenpolitik: | Bleiberecht für Deutsche | Brecht statt Walser | Willkommen in Neubraunland |
| Internationales: | -> Vorwärts für den Sozialismus | Grußadressen | |
| FDJ aktiv: | Frankfurt/Main, Aachen, Görlitz, Löbau | ||
| Geschichte: | Meine Erlebnisse mit der FDJ | ||
| Buch- und Filmtip: | -> Im Griff der rechten Szene | -> Karl Liebknecht | |
| Notizen aus dem Anschlußgebiet | -> Ein neuer Jugendverband? | ||
| -> Impressum + Bestellung | |||
...und wenn die Welt in Scherben fällt!
Die USA bombt im Irak und was sagt die Weltöffentlichkeit dazu? Weder die UNO noch irgendein anderes Land war von den USA vorher über ihre Schritte informiert worden. 1991 hatte die UNO den Angriff auf den Irak noch abgesegnet. Diesmal ignoriert die USA schlicht die Völkergemeinschaft und beginnt einen Angriffskrieg.
Normalerweise müßten die USA dafür aus der UNO fliegen und mit Sanktionen belegt werden. Statt dessen handelt sie sich lediglich Protestnoten ein. Rußland zieht wenigstens seinen Botschafter ab, mehr aber auch nicht. Auch von Frankreich kommt Protest.
Und die BRD? Die endlich herbei gewählte sozialdemokratische Regierung klatscht Beifall!
So ändern sich die Zeiten: Kohls Diplomatie war darauf ausgerichtet, mit Hilfe der UNO das Sagen in der Welt zu haben. Deshalb die gute Zahlungsmoral und die Geilheit auf einen Sitz im Sicherheitsrat der UNO. Das hat die heutige Regierung nicht mehr nötig. Ist doch viel besser, wenn man auf Bindungen aus einer Völkergemeinschaft pfeifen kann. Die UNO auf den Müllhaufen der Geschichte! Darin besteht die Kontinuität der Außenpolitik der neuen Regierung. Man betrachte nur mal gewisse Parallelen zum Schicksal des Völkerbundes.
Es ist viel besser für die BRD, mal mit der einen, mal mit der anderen Macht zu kungeln. Stand 1945 ein großer Block mit Großbritannien, Frankreich, USA und der Sowjetunion gegen den deutschen Imperialismus, gibt es diesen Block heute nicht mehr. Es wechseln ständig die Koalitionen: Diesmal bombt Großbritannien mit den USA (warum auch immer dies die sozialdemokratische Labour-Regierung macht), und Frankreich und Rußland sind dagegen. So ändern sich ständig die Bündnisse und die BRD sieht zu, was sich dabei für ihre Interessen herausschlagen läßt, und intrigiert kräftig in altbekannter Weise. Heute Deutschland - und morgen die ganze Welt!
Martina, Berlin
UNO
Die UNO ist ein Kind des Krieges gegen das nazistische Großdeutschland, die Vereinten Nationen vom 1. Januar 1942 waren die gegen Nazideutschland vereinten Nationen, und noch am Gründungskongreß der UNO konnte nur teilnehmen, wer Hitlerdeutschland den Krieg erklärt hatte. Die Charta der Vereinten Nationen kennt nur eine Ausnahme von der Pflicht, vor militärischen Maßnahmen den Sicherheitsrat zu konsultieren: den Kampf gegen ein Wiedererstarken deutschen und japanischen Weltmachtstrebens. Als aber dieser ihr gemeinsamer Feind 1990 wieder zur offenen Expansion überging, als die BRD einen souveränen Staat, selbst Mitglied der Vereinten Nationen, von der Landkarte strich, da schwieg die Organisation, in deren Charta das Wort "Frieden" dreißigmal vorkommt. Das war ihre Bankrotterklärung.
(aus: Stephan Eggerdinger, "Die UNO ist tot", 1993)
Völkerbund
Gegründet 1919, Deutschland trat 1926 bei und 1933 wieder
aus. "... Der V. erwies sich in der Regel außerstande, wirkungsvolle Maßnahmen
zu ergreifen, wenn es um die Aufrechterhaltung des Friedens und der Sicherheit
ging. ... Die "Nichteinmischungspolitik" des V. begünstigte die dt.-italienische
Intervention in Spanien. Die Annexion Österreichs durch Deutschland wurde nicht
einmal im V. beraten. Trotz der sog. Sudetenkrise und der Konzentrierung dt.
Truppen an der tschechoslowakischen Grenze wurde die tschechoslowakische Frage
nicht in die Tagesordnung der Vollversammlung des V. im Sept. 1938 aufgenommen.
Auch beim Abschluß des Münchener Abkommens blieb der V. passiv. (...) Mit dem
Ausbruch des zweiten Weltkrieges 1939 hörte der V., der durch seine sog.
Nichteinmischungspolitik den Faschismus begünstigt hatte, faktisch auf zu
bestehen. (...)
Vorwärts, für den Sozialismus
4 Tage in Griechenland als Gäste der Kommunistischen Jugend Griechenlands
Vom 17.9. bis 20.9. waren Jörg und ich als Vertreter der Freien Deutschen Jugend Gäste der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE).
Tagsüber, von 9 Uhr bis 18 Uhr, fand jeweils die Generalratstagung des Weltbundes der demokratischen Jugend (WBDJ) statt. Danach fuhren wir zum 24. Festival der KNE, so eine Art Pressefest, das bis nach Mitternacht ging.
Anwesend bei der Generalratstagung waren 29 Mitgliedsorganisationen des Weltbundes, davon 6 aus dem Mittleren Osten, 7 aus Asien, 4 aus Afrika, 2 aus Mittel- und Südamerika, 10 aus Europa und den USA. Am Festival der KNE nahmen noch 7 weitere Jugendorganisationen teil, z.B. aus Albanien, China, Rußland, Dänemark.
Es ist ein tolles Gefühl mit Vertretern von Jugendorganisationen aus so unterschiedlichen Staaten, mit völlig unterschiedlichen Bedingungen, am Tisch zu sitzen und zu wissen, daß man sich in einem Punkt einig ist: dem Willen, den Imperialismus zu besiegen. Über den Weg dorthin, aber auch über die Analyse der heutigen Situation, der Einschätzung des imperialistischen Kräfteverhältnisses etc. gibt es natürlich auch im Weltbund der Demokratischen Jugend ganz unterschiedliche Meinungen. Das wurde deutlich bei der Diskussion eines Entwurfs einer Art Grundsatzerklärung, der der im Sommer 1999 stattfindenden Generalvollversammlung des WBDJ vorgelegt werden soll.
Es gab spannende Diskussionen um die Frage, was alles in so eine Grundsatzerklärung gehört, ob sich alle Imperialisten einig sind oder ob es Widersprüche zwischen den Imperialisten gibt, die sich schon bemerkbar machen, z.B. auf dem Balkan, über Neo-Liberalismus und Globalisierung, also, ob sich was Neues im Imperialismus entwickelt hat oder ob der Kapitalismus nur neu verpackt wurde.
Außerdem wurde in der Debatte immer wieder deutlich wie unterschiedlich die Bedingungen sind. In der Diskussion um den Ort der nächsten Weltfestspiele - zur Wahl stehen: Rußland, Nepal, Namibia - stellte sich der Genosse aus Namibia als ein Berater des Präsidenten Namibias vor. Bei der Debatte zu der etwas undisziplinierten Zahlungsmoral der Mitgliedsorganisationen meldete sich der Genosse aus dem Libanon zu Wort mit der Frage, ob es eine Minderung des Mitgliedsbeitrages geben könnte, wenn wie in ihrem Fall, das Land im Bürgerkrieg stecke.
Mit diesen und anderen Genossen der kämpfenden Weltjugend sitzt du dann also mal kurz beim Mittagessen und unterhältst dich über die Situation in Namibia oder im Libanon, in Kuba oder der Volksrepublik Korea, in Portugal oder in Zypern, über die Situation in der BRD und der annektierten DDR und über die allgemeine Weltlage.
Das Gelände, auf dem die KNE ihr Festival durchführte, war riesig (für unsere Verhältnisse). Es gab mehrere Bühnen, auf denen Reden und Konzerte stattfanden. Es gab einen großen Büchermarkt, viele Stände von verschiedenen Massenorganisationen der Studenten, Schüler, Auszubildenden, jungen Arbeitern und Arbeiterinnen u.a., in denen die KNE arbeitet. Die kommunistische Jugend Griechenlands ist also in der Jugend verankert.
Lenin, der für die sozialistische Oktoberrevolution steht, bestimmte das Festival.
Auf dem Gelände gab es ein internationales Dorf. Dort hatten die internationalen Gäste der KNE jeweils einen Stand. Auch wir waren dort vertreten, hängten unsere FDJ-Fahne auf, legten Info-Material über die Situation in der BRD und der annektierten DDR und die Weltmachtgelüste des deutschen Imperialismus aus. Unser Stand war sehr begehrt. Erstens kennen viele die FDJ von vor 1990 - damals nahm sie mit einer größeren Delegation am Festival der KNE teil. Einige erzählten uns, sie hätten ein FDJ-Hemd zu Hause, die die FDJler am Ende des Festivals immer verteilten. Weiterhin besteht sehr großes Interesse an der Situation in Großdeutschland, vor allem auch der annektierten DDR, und daran, wie wir den deutschen Imperialismus einschätzen. Die griechische kommunistische Partei sieht die Rolle des deutschen Imperialismus in Europa ähnlich wie wir.
An zwei Abenden nacheinander sprach auf der Hauptbühne zunächst der Vorsitzende der KNE, dann die Generalsekretärin der KKE. Der Hauptplatz war jeweils gefüllt mit Tausenden Leuten, Hunderte Jugendliche standen in der Mitte zwischen den Stuhlreihen, mit vielen roten Fahnen und riefen Parolen für den Sozialismus. Am Ende der Rede des Vorsitzenden der KNE stürmten die Jugendlichen vor die Bühne - wie wir es sonst nur von Konzerten kennen.
Insgesamt waren diese 4 Tage für uns sehr interessant und wertvoll. Die Eindrücke, die wir in Griechenland bekommen konnten, haben uns wieder Mut und Kraft gegeben für unseren Kampf hier.
Hoch lebe der Weltbund der
Demokratischen Jugend!
Marion,
im Auftrag des Bundesvorstandes
BUCHTIP
"Im Griff der rechten Szene" - Ostdeutsche Städte in Angst -
von Burkhard Schröder
Der Autor beschreibt den inzwischen schon alltäglichen Terror der rechten Totschläger in ostdeutschen Städten und Gemeinden. Nach jahrelanger Recherche legt uns Burkhard Schröder in seinem Buch das wahre Ausmaß vor Augen.
Jugendclubs, in denen Nazi-Bands, deren Auftritte verboten sind, ihre faschistischen Lieder proben und dabei mit öffentlichen Geldern gefördert werden. Von Staats wegen "unpolitische" Sozialarbeiter, die der rechten Szene Tür und Tor öffnen.
Polizisten, die erst zwei Stunden nach einem Nazi-Überfall am Tatort auftauchen und so tun, als sei nichts Schlimmes passiert.
Politik, die seit der "Wende" nichts mehr an den Schulen verloren hat und Lehrer, die niemandem ein "Weltbild aufzwingen" wollen, ergeben noch nicht einmal im Ansatz eine antirassistische, antifaschistische Erziehung. Soll es auch nicht.
Wer sich als Schüler trotzdem entscheidet, nicht unpolitisch, sondern links zu sein, der habe "für sich die soziale Isolation gewählt". Das bestätigen Lehrer an Haupt-, Real- und Gesamtschulen.
Es herrscht Angst, Hilflosigkeit, klammheimliche Sympathie ...
"In einigen Städten kommt es deshalb nicht mehr zu öffentlich sichtbaren Gewalttaten, weil den Neonazis die Gegner ausgegangen sind." (Burkhard Schröder)
Erschienen ist das Taschenbuch 1997 im Rowohlt-Verlag, 250 Seiten, zum Preis von 14,90 DM.
Micha, Frankfurt/Main
Filmempfehlung
"Solange Leben in mir ist"
(DEFA 1965, Regie: Günter Reisch, Dauer 105 min.)
Der Spielfilm beginnt 1914 mit der Bewilligung des ersten Kriegskredites mit Hilfe der SPD-Reichstagsfraktion. Karl Liebknecht beugt sich zunächst dem Fraktionszwang seiner Partei, begreift seinen Fehler und nimmt konsequent den Kampf gegen die Kriegstreiber auf. Als "Vaterlandsloser Geselle" arbeitet er unermüdlich weiter und führt seine Kampfgefährten im Spartakus-Bund zusammen.
Besonders unter der Jugend beginnt seine Arbeit Früchte zu tragen. "Der Hauptfeind steht im eigenen Land" wird zur Hauptlosung im Kampf gegen den Krieg.
"Trotz alledem"
(DEFA 1972, Regie: Günter Reisch, Dauer 120 min.)
1918 - die Kieler Matrosen erheben sich. Nieder mit dem Krieg, nieder mit der Regierung! Beflügelt von der Oktoberrevolution in Rußland ein Jahr zuvor, marschieren die Roten Matrosen und die Arbeiter gegen die Kriegsbrandstifter in Berlin, verjagen den Kaiser und beenden so den Krieg. Zur Jahreswende 1918/19 wird die KPD gegründet. Aber bevor sie richtig begann, verraten die Sozialdemokraten die Revolution, rufen die Reichswehr zu Hilfe und billigen die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg ...
Micha, Frankfurt/Main
Die Filme sind leihweise oder käuflich zu erwerben beim
Bundesvorstand der FDJ (Anschrift s. S. 16)Kaufpreis: 30,- DM + Versandkosten; Leihgebühr: 20,- DM + Versandkosten
Neuer Jugendverband?
Liebe Freunde
der organisierten, revolutionären Jugend,
es ist nun fast zehn Jahre her, daß der einheitliche Jugendverband FDJ fast zerschlagen worden wäre. Es entstanden viele neue Organisationen/Gruppen, die so zersplittert keine Schlagkraft haben, und oft auch gar nicht mehr existieren. Wir haben aber trotz geringer Mitgliederzahl den Verband gehalten, weil die Jugend eine fortschrittliche Organisation braucht.
Wir bieten allen die Zusammenarbeit an, die heute nicht bereit sind, Mitglied in der FDJ zu werden. Macht nach wie vor in und mit der PDS Jugendarbeit, aber gründet keinen PDS-nahen Jugendverband! Das würde die Zersplitterung noch weiter vorantreiben. Wir bitten Euch - linke, fortschrittliche, sozialistische Jugend - setzt nicht etwas Neues gegen die vorhandenen Jugendorganisationen und -gruppen, sondern arbeitet mit diesen zusammen!
Der Bundesvorstand der Freien Deutschen Jugend schickte im November 1998 der Initiative zur Gründung eines sozialistischen Jugendverbandes nebenstehenden Offenen Brief.
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Offener Brief
Liebe Jugendfreunde!
Wie ihr sind wir der Meinung, daß man sich organisieren muß. Denn nur durch organisierte Entschlossenheit können Ziele durchgesetzt werden. Nur finden wir es sehr schade, daß Ihr einen neuen Verband gründen wollt. So leistet Ihr der Zersplitterung der linken Jugend neuen Vorschub. Dabei ist es doch wichtiger, und notwendig, uns gemeinsam zu vereinen. Wie Ihr sicherlich bemerkt, sind uns sogar die Faschisten in diesem Punkt leider ein ganzes Stück voraus. Was das bedeutet, hat uns die Geschichte auf grausamste Weise vorgezeigt.
Wir fragen Euch, warum ist es nicht möglich alles Trennende beiseite zu legen und in dem was uns eint - der Kampf gegen den Faschismus - zusammenfinden. Unser Jugendverband, die Freie Deutsche Jugend, steht allen offen. Wenn Ihr mit unseren Meinungen nicht einverstanden seit, dann tretet ein und bringt Eure Ideen und Vorstellungen ein. Warum soll ein Jugendverband, der eine über 60jährige antifaschistische Tradition hat, verloren gehen? Sicherlich ist in der DDR nicht alles so gelaufen, wie es hätte sein sollen. Aber auch die PDS als Nachfolger der SED trägt dieselbe Verantwortung. Warum gründet Ihr dann nicht auch gleich eine neue Partei?
Laßt es nicht zu, daß durch unsere Uneinigkeit noch einmal Gewalt, Terror und Faschismus die Macht in diesem Land bekommt. Wir bitten Euch auch, setzt Euch mit uns zusammen und laßt uns miteinander reden und streiten.
Freundschaft!
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IMPRESSUM
Unsere Zeitung erscheint sobald genügend Artikel dafür vorhanden sind. Also: Schreibt uns, was bei Euch los ist oder was Euch eben sonst noch aus der Feder fließt. Sie soll den Informationsfluß zwischen den einzelnen Gruppen verbessern und unsere Arbeit auch in der Öffentlichkeit darstellen.
Sämtliche Artikel geben lediglich die Meinung des Verfassers wieder.
Herausgeber ist der Bundesvorstand.
Ein Abonnement kostet 10 DM für vier Ausgaben, ein Förderabonnement 30 DM.
Die Bestellung ist bar gegen Einsendung des Betrages in Briefmarken oder Banknoten bei der Bundesvorstandsadresse möglich.
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