
Freie Deutsche Jugend
Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) seit 1948
Fanfare
- Auszüge| Titel: | Weltfriedenstag - Anti-Kriegs-Tag? Statt in die Lehre in den Krieg! | ||
| Gegen den Krieg: | Der deutsche Frieden macht den Balkan zu einem gefährlichen Pulverfass | Veranstaltungsreihe der FDJ | Kriegsursachen |
| Internationales: | WBDJ-Generalvollversammlung | ||
| FDJ aktiv: | Antifa-Workcamp in Buchenwald | ||
| Geschichte: | Meine Erlebnisse mit der FDJ | ||
| Buchtip: | Haydée Tamara Bunke - Tania la guerrillera | ||
| Kultur: | ,,Der Brotladen" | Rote Trillerpfeifen | |
| In eigener Sache: | Impressum, Abo, Leserbrief |
1. September 1999 - vor 60 Jahren überfiel Hitlerdeutschland Polen
Weltfriedenstag - Anti-Kriegs-Tag? Statt in die Lehre in den Krieg!
Am 1.September werden wieder Rekruten gezogen, um das
Kriegshandwerk zu erlernen, denn diese Armee wird nach und nach kriegstauglich
gemacht. Das hat sich als notwendig erwiesen im Kampf um die Neuaufteilung der
Welt - spätestens die militärische Schwäche gegenüber dem Hauptkonkurrenten USA
im Kosovo-Krieg hat dies gezeigt.
Ein verlockendes Angebot kam im Sommer von der neuen sozialdemokratischen
Regierung: Auch junge Frauen sollen Wehrpflicht leisten. Das ist das
Sofortprogramm gegen Lehrstellenmangel, da im letzten Jahr nicht einmal jede
zweite Bewerberin mit einer Lehrstelle versorgt werden konnte. .
Am 1. September wird etwa eine halbe Million Jugendlicher eine berufliche
Ausbildung beginnen. 532.000 Ausbildungsplätze wurden dieses Jahr 729.000
Bewerbern angeboten. Vier Wochen vor Lehrbeginn gab es noch 216.200 nicht
vermittelte Bewerber. .
Besonders dramatisch ist die Lage auf dem Gebiet der annektierten DDR. Es
werden 5000 betriebliche Ausbildungsplätze weniger angeboten als im Vorjahr.
Damit wird erstmals die Anzahl an angebotenen Plätzen von 1991 (als das duale
Ausbildungssystem der BRD hier eingeführt wurde) unterschritten. 2,4 Bewerber
konkurrieren durchschnittlich um einen Platz. Allein in Brandenburg ging das
Angebot an betrieblichen Ausbildungsplätzen um 16,2% zurück.
Das interessante daran ist, dass die Lehrstellenangebote in den Unternehmen umso
stärker zurückgehen desto mehr die betriebliche Berufausbildung subventioniert
wird. Über 500 Millionen DM wird von Bund, Ländern und Arbeitsämtern allein im
Anschlussgebiet jährlich ausgegeben. Die Bundesanstalt für Arbeit ist inzwischen
der mit Abstand größte Anbieter von beruflicher Bildung in Deutschland. Im
Gegenzug bewirkt das großproklamierte Sofortprogramm der Regierung einzig und
allein, dass sich Bewerber melden, die schon resigniert hatten, und damit längst
aus der Statistik gefallen waren - wenigstens ein Erfolg. .
Die Gewerkschaft setzt sich ein für jugendliche Arbeitslose: Nachdem von der
Kohl-Regierung die originäre Arbeitslosenhilfe für Jugendliche, die noch nicht
einmal einen Ausbildungsplatz erhielten, gestrichen worden war, legte sich
Anfang 1999 IG-Metall-Vorsitzender Zwickel ins Zeug für die Jugendlichen, damit
sie ihren Eltern (im allgemeinen auch Arbeitnehmer, deren Interessen von der
Gewerkschaft vertreten werden sollten) auch weiter auf der Tasche liegen:
Ausbildungsunwilligen Jugendlichen müsse die Sozialhilfe gestrichen werden. Die
Sozialhilfe müsse "streng unterscheiden zwischen Leuten, die unverschuldet in
Not geraten sind, und Leuten, die faul sind". Natürlich könne man niemanden zur
Ausbildung zwingen, aber wenn es der Regierung gelinge, jedem Jugendlichen zwei
oder drei Lehrstellen nachzuweisen und einer schlage diese Angebote unbegründet
aus, "dann muss der Druck spüren, auch finanziellen Druck. Schließlich lebt so
einer von unseren Steuergeldern." (Zwickel im Februar gegenüber dem "Kölner
Express")
Der deutsche Frieden macht den Balkan zu einem gefährlichen Pulverfass
Aus der Rede des Bundesvorstands auf der FDJ-Veranstaltungsreihe mit einem Vertreter der Kommunistischen Jugend Griechenlands
(...) Zum dritten Mal in diesem Jahrhundert stehen deutsche Truppen auf dem
Balkan. Die Bundesrepublik Jugoslawien ist ein weiteres Mal und um ein weiteres
Stück zerschlagen in einem sogenannten "Frieden", den Schröder, Scharping und
Fischer mit seinem gleichnamigen Plan durchgefochten haben gegen ihre
Konkurrenten, vor allem die USA. Gegen die USA, denen keine Bombe zuviel und
kein Marschflugkörper zu teuer war in ihrem Versuch, den deutschen Rivalen in
seine Grenzen zu weisen.
Die Besetzung eines Teils von Jugoslawien ist kein Frieden. Mit dem Einmarsch
von 8000 Bundeswehrsoldaten in den Süden des Kosovo ist kein Frieden zu machen.
Diese Politik ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln. Die
Fortsetzung eines Krieges, den die Bundesrepublik Deutschland nicht erst seit
dem 24. März 1999 führt.
Ein Krieg um die Neuaufteilung der Einflusssphären in der Welt, seit sie mit
der Annexion der souveränen DDR den Frieden in Europa gebrochen hat. Ein Krieg,
den die BRD, und niemand anders, durch die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens,
die Zerschlagung Jugoslawiens begonnen hat.
Die BRD hat die Zerschlagung Jugoslawiens gewollt und sie hat sie von Anfang
an als Krieg gewollt, wenn es den nicht anders geht.
Dieser Krieg hat das jugoslawische Volk, die Arbeiter- und Jugendbewegung um
Jahrzehnte in ihrem Kampf zurückgeworfen und zerstört.
Das gemeinsame Ziel aller an den Luftangriffen beteiligten imperialistischen
Staaten war, den Völkern zu demonstrieren, dass Widerstand gegen den
Imperialismus und die Verteidigung der kleinsten Errungenschaften im Kampf um
den Aufbau des Sozialismus und auch sein Sieg über den Hitlerfaschismus
aussichtslos sind. Jugoslawien wurde vor die Entscheidung getrieben, entweder zu
einem willenlosen Protektorat unterdrückt oder gnadenlos bombardiert zu werden.
Der Balkan ist nun zu einer Aufmarschbasis der imperialistischen Großmächte
und seiner bewaffneten Truppen geworden.
Wessen Macht wird nach dem Krieg stärker sein? Wer sichert sich welche
Gefolgsleute und für wen kann die wirtschaftliche und politische Abhängigkeit
der Nachbarstaaten noch mehr gesteigert werden?
Um ein Beispiel zu nennen: Österreich hat im Schatten der Auseinandersetzung
in den letzten Wochen um die Frage seiner Neutralität seine Truppen schon dem
deutschen Kommando unterstellt. Dies ist ein immenser Sieg in der Expansion des
deutschen Imperialismus und eine große Niederlage für das Volk Österreichs.
Und im eigenen Land: Die Arbeiter und das Volk in der BRD sind nicht gegen
den Krieg aufgestanden. Diese Niederlage ist verheerend, insbesondere für die
Jugend. Neue Angriffe bedrohen die Völker Europas. Zum Beispiel Griechenland.
Griechenland ist seit der Besetzung durch den Hitlerfaschismus noch nie so
aggressiv vom deutschen Imperialismus angegriffen worden wie jetzt, wo deutsche
Panzer im Kosovo nahe an der griechischen Grenze stehen. Aber der Feind des
griechischen Volkes, der deutsche Imperialismus steht nicht mehr nur vor der
Haustür. In Thessaloniki, die Stadt, in der unter der Besetzung durch die
deutschen Hitlerfaschisten das erste KZ auf griechischem Boden errichtet worden
ist, im Hafen von Thessaloniki wurden jetzt die deutschen Bundeswehrpanzer
eingeschifft. Deutsche Panzer rollten jetzt wieder durch die Straßen, gegen den
Widerstand des griechischen Volkes, und damit es auch der letzte hier in der BRD
dann auch endlich merkt, haben griechische Kommunisten diese Bundeswehrpanzer
völlig richtig mit der Losung "Killers go home" bemalt. Das allein zeigt, dass
wir den Kampf gegen den deutschen Imperialismus in beiden Ländern gemeinsam zu
führen haben und die Zusammenarbeit mit griechischen Genossen und Freunden immer
lebensnotwendiger geworden ist.
Was aber denkt die Mehrheit auf dem Gebiet der angeschlossenen DDR?
Meinungsumfragen bestätigen eine erhebliche Spaltung zwischen Ost und West:
63% waren für den Abbruch der Luftangriffe - bei uns im Westen waren es 43%.
48% waren gegen eine Beteiligung der Bundeswehr - im Westen waren es 25%.
57% halten es für einen fatalen Fehler, dass sich das westliche Bündnis im
Kosovo engagiert hat - im Westen sind es 24%. (...)
Dieser Widerspruch muss zum Widerstand werden und dann auch tatkräftig auf
die Straße getragen werden:
Nicht mit uns! Lieber raus aus der BRD als rein in den Krieg!
Dafür kämpft die FDJ auf dem Boden der annektierten DDR.
Wir sind von Anfang an gegen die Einverleibung der DDR aufgetreten.
Wir sind von Anfang an gegen die Enteignung und finanzielle Erdrosselung
durch die BRD-Regierung auf die Straße gegangen.
Und heute 9 Jahre danach sind es wir, die wenigstens für die Einhaltung der
minimalsten Bestimmungen des 2+4-Vertrages eintreten. Beide deutsche Regierungen
hatten 1990 im 2+4-Vertrag unterschrieben, dass von deutschem Boden nur noch
Frieden ausgehen wird.
Mag die imperialistische Konkurrenz dem deutschen Wolf glauben, er hätte
Kreide gefressen, das interessiert uns hier nicht.
Aber es ist eine Katastrophe, dass das Volk aus beiden deutschen Staaten bis
heute nicht zur Kenntnis nehmen will, was Kanzler Kohl wenige Monate später,
genaugenommen am 57. Jahrestag der Machtergreifung Hitlers am 31. Januar 1991 in
einer Regierungserklärung zu Protokoll gibt: "Deutschland hat mit seiner
Geschichte abgeschlossen, es kann sich künftig offen zu seiner Weltmachtrolle
bekennen und soll diese ausweiten."
Gäbe es also den deutschen Angriff auf Jugoslawien, wenn es die DDR noch
gäbe?
Diese Frage lohnt sich zu stellen und wenn die Menschen in der ehemaligen DDR
ihre Ablehnung am jetzigen Krieg in die Tat umsetzen, wäre uns hier in der BRD
doppelt geholfen: Auf jeden Fall würde die BRD in den Grenzen von 1989 wieder
auf den ihr angemessenen Status einer zweitrangigen Macht zurückfallen,
zumindest in den Augen ihrer westlichen Rivalen. Und damit würde auch nicht mehr
jenes Bedürfnis bestehen, den vordrängenden deutschen Imperialismus in die 2.
Reihe zurück zu bomben.
Macht aus dem großen, aggressiven Deutschland wieder zwei kleinere und der
Frieden kann gerettet werden!
Aus diesem Grund schrieben wir auf die Berliner Grenzmauer und das, was von
ihr noch übrig ist: Diese Grenze verhinderte, dass wir zusammen gegen andere
Völker in den Krieg ziehen. Am Tag der Bundespräsidentenwahl am 23. Mai standen
auch wir Mitglieder und Freunde der FDJ aus Ost und West neben tausend anderen
Menschen an der ehemaligen Staatsgrenze in Berlin, wo zwei Wochen später mit
einem Großtransparent hoch oben über dem Brandenburger Tor die Frage aufgeworfen
wurde: "Wurde diese Grenze aufgehoben, damit wir zusammen gegen andere Völker in
den Krieg ziehen?"


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Das Transparent ist wieder abgebaut, die Frage liegt aber weiterhin in der
Luft und wir als FDJ werden weiter möglichst viele Menschen in der BRD und in
der annektierten DDR mit dieser Frage konfrontieren.
Wir können uns unsere Lage, in die wir hineingeraten sind, nicht aussuchen. Es sind in der Tat andere Bedingungen wie in Griechenland. Aber das ist in Wahrheit nicht wichtig. Jeder Kampf in unserem Land, wenn auch mit schwach erscheinenden Mitteln ist eine Unterstützung des Kampfes anderer Völker. (...)

"Das Kosovo spaltet in Deutschland Ost und West"
meint die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 16.6.99. Sie bezieht sich auf Umfrageergebnisse des bekannten Instituts für Demoskopie Allensbach. Sie gibt die Umfrageergebnisse wie folgt wieder:
"24% der westdeutschen, aber 57% der ostdeutschen Bevölkerung halten es für einen fatalen Fehler, daß sich das westliche Bündnis im Kosovo engagiert hat; nur 25% der Bevölkerung in den neuen Ländern billigen die Vorgehensweise der Nato. (...) Genauso will die ostdeutsche Bevölkerung die Rolle der Bundeswehr auf die Verteidigungsaufgabe beschränkt wissen; 61% der ostdeutschen, 41% der westdeutschen Bevölkerung wünschen sich die Bundeswehr als reine Verteidigungsarmee; nur 26% der ostdeutschen Bevökerung sind bereit, den Aktionsradius der Bundeswehr weiter zu ziehen."
Ist doch beruhigend zu wissen, daß die Friedenserziehung in der DDR doch ein paar Früchte getragen hat. Allerdings nutzt uns das alles nichts, wenn wir die Politik der BRD-Regierung zwar murrend, aber eben doch mittragen. Von diesem Land sollte nie wieder Krieg ausgehen. Die demokratische Umwälzung in der DDR war die Antwort auf den 2. Weltkrieg. Dem deutschen Imperialismus, der sich in der BRD in Ruhe wieder von seiner Schlappe des 2. Weltkrieges erholen konnte, waren durch die DDR Grenzen gesetzt.Mit uns nicht in den Krieg! Diese politische Selbstbestimmung sollte dem Volk der DDR doch überlassen werden. Auch die DDR hatte im 2+4-Vertrag unterschrieben, daß von deutschem Boden nur noch Frieden ausgehen wird. Wir brauchen die politische Möglichkeit, dieses unser Versprechen auch einhalten zu können!
Die Kommunistische Jugend Griechenlands kämpft weiter
"Ein Volk, das gegen den Krieg kämpft, kann verlieren. Völker die nicht gegen den Krieg kämpfen, haben schon verloren." lautete der Titel einer Veranstaltungsreihe der FDJ mit einem Vertreter der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE)
Wer ab dem 23. März 1999, dem Beginn der Luftangriffe gegen Jugoslawien, im
Kampf gegen den Krieg stand, auch schon Monate davor, wird sicher festgestellt
haben, dass wir als Kriegsgegner sehr isoliert waren. Gesellschaftlich genauso
wie unter den sogenannten fortschrittlichen Organisationen.
Ganz anders war und ist die Situation des Kampfes gegen diesen militärischen
Überfall auf einen souveränen Staat in anderen Ländern, manche gar nicht weit
von hier. Allen voran der ein bis zwei Flugstunden entfernte Staat Griechenland
und sein Volk.

Wenn wir's nicht tun, müssen andere
Völker der Bundeswehr den Weg weisen.
Wie breit und anders dort aktiv gekämpft wurde und wird, wollten wir uns aus
erster Hand berichten lassen. Deshalb lud der Bundesvorstand der FDJ für eine
7-tägige Rundreise durch BRD und annektierte DDR mit Diskussionsveranstaltungen
den Genossen Vasilis Tasoulas, Mitglied des Zentralrates der Kommunistischen
Jugend Griechenlands (KNE) ein.
Die Auftaktveranstaltung war in München, besucht von über 100 Jugendlichen
und Erwachsenen. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgten die Anwesenden erst der
Rede des Bundesvorstandes (s.S.2) und dann natürlich den Ausführungen des
Genossen Vasilis. Selbst frisch gefüllte Biergläser blieben stehen, bis der
Schaum längst zusammengefallen war, während der Genosse von den Kämpfen der
griechischen Jugend und des griechischen Volkes berichtete. Dort war es vor
allem die Jugend, die an der Seite der Arbeiter zuerst gegen den kriegerischen
Überfall auf die Straße ging. Die KNE und die KKE, die Kommunistische Partei
Griechenlands, führten in allen Kämpfen die Bewegung an und konnten viele
Jugendliche im praktischen Kampf auf der Straße in ihren Reihen organisieren.
Laut bürgerlichen Umfragen sind 98 Prozent der dortigen Bevölkerung gegen die
Luftangriffe gewesen. Auch wenn sich dieser breite Widerstand nicht komplett auf
den Demonstrationen der KNE und KKE zeigte, so sprechen wir hier doch von Demos
und Aktionen mit Zehntausenden Teilnehmern.
So spektakulär, dass selbst die deutsche Berichterstattung nicht um kurze
Erwähnungen herumkam, waren beispielsweise Gleisblockaden junger Griechen, die
vor allem Bundeswehr-Truppentransporte maßgeblich behinderten und verzögerten.
Panzerkolonnen wurden durch Austausch der Straßenschilder statt an die Grenze
zu Jugoslawien auf einen örtlichen Gemüsemarkt umgeleitet und dort mit Tomaten
und Eiern empfangen.
Eine kleine Anregung an deutsche Kollegen, was mit Fachwissen so alles gegen
den Krieg getan werden kann, lieferten Mitglieder der griechischen
Baugewerkschaft, die kurzerhand den Hafen von Thessaloniki über Nacht
zumauerten, um die Landung der deutschen Truppen auf dem Weg nach Jugoslawien zu
verzögern. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass ein griechisches Gesetz
fremden Truppen jeglichen Zutritt verbietet. Neben allen Brüchen von Verfassung
und Grundgesetz der BRD sowie der Charta der Vereinten Nationen brach der
deutsche Imperialismus also hier auch griechisches Recht.
Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit der KNE war insbesondere die
Aufklärungsarbeit in der griechischen Armee. Wie in der letzten Ausgabe der
Fanfare berichtet, verweigerte beispielsweise ein Großteil der Besatzung des
Zerstörers Themistokles den Befehl, am Krieg teilzunehmen. Hier war es anfangs
ein in der KNE organisierter Marinesoldat, dem es innerhalb kürzester Zeit
gelang, seine Kameraden von der Notwendigkeit des Widerstands zu überzeugen. Die
effektiven und zum Teil sehr phantasievollen Aktionen verzögerten, wie Genosse
Vasilis berichtete, die Truppentransporte um das Doppelte der ursprünglich dafür
vorgesehenen Zeit. Die sozialdemokratisch geführte griechische Regierung war in
Teilen sogar gezwungen, dem Druck von der Straße nachzugeben, was die aktive
Kriegsbeteiligung Griechenlands angeht.
Den Völkern Europas, vor allem dem jugoslawischen Volk, wäre sehr geholfen
gewesen, wenn die Bundeswehr aufgrund breiten Widerstandes im eigenen Land die
deutschen Grenzen gar nicht erst hätte überschreiten können.
Am nächsten Tag sprach unser Gast vor vielen gespannten Besuchern, unter
diesen wie in München auch Mitglieder der KKE in Deutschland, im DGB-Haus
Frankfurt/Main. Ein Videodokument der Aktionen unterstrich die Worte des
Genossen und machte die Kämpfe und die dazugehörige Atmosphäre nacherlebbar und
anschaulich. Wie in München war auch hier erst weit nach Mitternacht das Ende
der Diskussionen und Gespräche in Sicht, und das setzte sich auch im weiteren
Verlauf Abend für Abend so fort.
Weiter ging's nach Bremen, wo sich das Publikum vor allem aus Schülerinnen
und Schülern zusammensetzte, die noch lange mit unserem griechischen Gast
diskutierten. Vor allem die konkrete Situation der Jugend und Schüler war hier
Hauptgegenstand des Austauschs zwischen Podium und Besuchern.
Den Abend des nächsten Tages verbrachten wir mit Vasilis als Gäste auf dem
Gelände der kubanischen Botschaft in Berlin, wo der Jahrestag des Sturmes auf
die Moncada-Kaserne gefeiert wurde. Tags darauf besuchten wir mit unserem Gast
das sowjetische Ehrenmal in Treptow. Außerdem konnte er sich überzeugen von den
Veränderungen, die in der Berliner Innenstadt in den letzten 10 Jahren
stattgefunden hatten. Ein stillgelegter Palast der Republik erschreckte ihn
ebenso wie eine umgewidmete Neue Wache. Das deutsche Volk sei aber geduldig mit
seiner Regierung, meinte Vasilis, in Griechenland könnte sich die Regierung so
etwas nicht erlauben.
Auch ein bilaterales Gespräch fand zwischen dem Bundesvorstand und dem
Vertreter der KNE statt.
Unsere Veranstaltung am Abend war trotz hochsommerlicher Hitze gutbesucht wie
lange nicht. Sie war von ernsthaften Nachfragen und Diskussionen über die
Kampfsituation in Griechenland und im Gegensatz dazu hierzulande geprägt. Die
Verzweiflung darüber, dass deutsche Truppen zum dritten Mal in diesem
Jahrhundert auf dem Balkan wüten, brach sich laut Bahn. Die meisten der Besucher
waren Bürger der annektierten DDR, aber auch viele Griechen waren gekommen.
Viele der Besucher blieben nach der gut zwei Stunden währenden Veranstaltung
weitere zwei Stunden da, gebannt von den Videoaufzeichnungen aus Griechenland.
Als letzte Station der Rundreise besuchten wir mit unserem Gast das
Antifa-Workcamp in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald, wo sich bereits einige
Mitglieder der FDJ befanden und mitarbeiteten (Bericht s.S.10). Die
Veranstaltung am Nachmittag sowie die Vorführung des Films über die Aktionen auf
griechischen Straßen und Plätzen stießen auf Interesse und viele Nachfragen
seitens der Camp-Teilnehmer.
Wer eine der Veranstaltungen miterlebt hat, kann sicher bestätigen, dass wir
einiges von den griechischen Jugendlichen zu lernen haben. Und dass wir hier
gefragt sind, den aggressiven deutschen Imperialismus zu bekämpfen. Die eine
oder andere Anregung lässt sich sicher übernehmen, wie dem Hauptfeind im eigenen
Land noch besser eingeheizt werden kann!
Auch unser Gast bekam einiges von diesem größer gewordenen Deutschland zu
sehen und zu hören. Was er davon hält und wie er zu uns steht, lässt sich am
besten in seinen eigenen Worten ausdrücken: "Ich möchte das deutsche Volk und
die deutsche Jugend einladen, mit uns zu kämpfen, bis alle Völker vom Joch des
Imperialismus befreit sind!"
Nehmen wir diese Einladung an!
Die Fotos von den Aktionen in Griechenland wurden uns freundlicherweise
von der Kommunistischen Jugend Griechenlands zur Verfügung gestellt.
Beilage zum Streitbaren Materialismus,
Nummer 23
Stefan Eggerdinger
Die bundesdeutsche Zerschlagung Jugoslawiens
Referat auf der Veranstaltung der ASten der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, Köln und der Universität zu Bonn, 6.5.99, Köln.
"Der Krieg", schreibt Brecht: "Wenige wollen ihn, viele doch
fürchten ihn, aber sie alle kommen hinein." Wie also sind wir hineingekommen in
diesen Krieg, der so plakativ wie falsch als NATO-Krieg bezeichnet wird?
Es ist ein Krieg, den die bundesdeutsche Außenpolitik gewollt und vorbereitet
hat. Man muß das wissen, auch um die Frage zu beantworten, wie wir aus diesem
Krieg wieder ausscheiden können. Man muß das ganz genau wissen, denn die
Fähigkeit des Volks, sich Illusionen zu machen, scheint grenzenlos. Man traut
den Regierenden oder der Opposition doch immerhin noch Angst zu und registriert
mit einiger wenn auch mißtrauischer Befriedigung eine deutsche Opposition gegen
diesen Krieg, wie sie von den Herren Rühe, Dregger oder Augstein vorgetragen
wird. Man vergißt, daß schon einmal einem sich emporarbeitendem Deutschen Reich
der ganze Balkan nicht die Knochen eines pommerschen Grenadiers wert war. Ein
paar Jahre später war freilich eben diesem Reich der Versuch der Weltherrschaft
die Knochen von ein paar Dutzend Millionen wert.
Freilich sind historische Parallelen keine Beweise, und ich bin nicht hier um
zu behaupten, alles werde wieder so vor sich gehen, wie es zweimal in diesem
Jahrhundert vor sich gegangen ist. Aber doch: Historisch geschärfte Wachsamkeit
und daraus gespeiste Unversöhnlichkeit sind ein Kompaß, den man hat, will man
hinter das Geheimnis kommen, in dem der Krieg geboren wird. Ohne eine gewisse
Unversöhnlichkeit sind die Fakten nichts wert. Nichts von all dem, was ich Ihnen
heute abend erzähle und noch erzählen könnte, ist Geheimwissen. Alles, was ich
berichte, stand in unseren Zeitungen und anderen, jedem zugänglichen
Publikationen. Vor unseren Augen hat der Bonner Staat diesen Krieg vorbereitet
und geführt, und die Behauptung, die Presse lüge, ist zwar richtig, aber
allzuoft auch eine Schutzbehauptung, nicht sehen zu müssen, was einen allzu hart
ankäme, würde man es wirklich registrieren.
Noch einmal Brecht, 1952: "Die deutschen Kapitalisten haben zwei
Möglichkeiten in einem Krieg.
1. Sie verraten Deutschland und liefern es an die USA aus.
2. Sie betrügen die USA und setzen sich an die Spitze."
Deutsche Außenpolitik seit der Annexion der DDR ist der sich vollziehende und
nahezu vollzogene Übergang von der ersten zur zweiten Möglichkeit. Das ist das
zentrale Geheimnis hinter dem derzeitigen Krieg in Jugoslawien. Denn dieser
Krieg wird nicht nur geführt unter Bruch der bundesdeutschen Verfassung wie des
Völkerrechts. Er- wird von der BRD auch geführt unter Bruch des 2+4-Vertrages
über die äußeren Aspekte der deutschen Einheit, also jenes Vertrags, mit dem die
Sieger von 1945 dem Entstehen eines neuen großen Deutschland überhaupt nur
zugestimmt haben.
1991, die Tinte unter dem 2+4-Vertrag war- noch nicht trocken, da redete
Rupert Scholz, Kriegsminister a.D., auf einer Strategietagung von
Rüstungsmanagern und hohen Offizieren Klartext: "Wir glauben, daß wir die
wichtigsten Folgen des zweiten Weltkriegs überwunden und bewältigt hätten. Aber
in anderen Bereichen sind wir heute damit befaßt, noch die Folgen des Ersten
Weltkriegs zu bewältigen." Den Hebel dazu benennt er auch: "Jugoslawien ist als
eine Folge des Ersten Weltkriegs eine sehr künstliche, mit dem
Selbstbestimmungsrecht nie vereinbar gewesene Konstruktion." Ebenfalls 1991, es
gab erhebliche Spannungen innerhalb Jugoslawiens, aber an eine Aufhebung seiner
staatlichen Einheit dachte niemand, gibt ein Papier des Auswärtigen Amts in Bonn
eine erste Kriegszieldefinition - wahrscheinlich eine der ehrlicheren Art: "Es
geht vor allem um einen Kampf der Marktwirtschaft gegen zentralistische
Kommandowirtschaft, von demokratischem Pluralismus gegen Einparteienherrschaft,
von Rechtsstaatlichkeit gegen militärische Repression." Das war eine
Kriegserklärung, denn ohne Zerschlagung der jugoslawischen Souveränität sollte
das nicht zu haben sein.
Als der jugoslawische Generalstab 1990 eine Auflistung der möglichen
Bedrohungen für eben diese jugoslawische Souveränität gab, führte er neben dem
Zerfall des sozialistischen Lager kurz und knapp aus: "Deutschland beherrscht
Europa."
Wie recht die Generale doch hatten! Im August 1991, mitten in eine Beratung
der Belgrader Regierung mit den Führern der Republiken über die künftige
staatliche Form Jugoslawiens, plazierte Genschers Auswärtiges Amt eine
Erklärung: Würde es weiter zu Blutvergießen kommen, werde man Sezessionen aus
dem jugoslawischen Staatsverband ohne Umschweife anerkennen. Herr Tudjman las
das richtig: Als eine Aufforderung nicht nur zur Sezession, sondern zum
Sezessionskrieg.
Der deutsche Alleingang bei der Anerkennung Sloweniens und Kroatiens ist
bekannt genug. Gegen diesen Schritt waren damals alle, EU, UNO, KSZE. Ein
deutscher Diplomat: "Es war hart. Es war das erste mal, dass Deutschland andere
dazu brachte, zu tun, was sie nicht tun wollten. Wir hatten ein paar Verbündete,
nicht sehr viele, ölus den Papst." Der niederländische Ministerpräsident
Lubbers, der Jugoslawien-Beauftragte Lord Carrington, der Generalsekretär der
Vereinten Nationen beschworen Bonn, diesen Schritt zu unterlassen. Der
Vorsitzende des Republikpräsidiums von Bosnien-Herzegowina fuhr durch ganz
Europa: Die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens - das sei der Krieg in Bosnien.
Aber Genscher drohte mit "schwerwiegenden Folgen für die Europäische
Gemeinschaft", und am 17.12.91 konnte Kohl einen "großen Erfolg für uns und die
deutsche Politik" feststellen.
Und es war in der Tat der Krieg in Bosnien. Den Funken schlug auch hier Bonn.
Noch einmal wurde mit schwerwiegenden Folgen für die EU munitioniert, und die
von Genscher durchgesetzte Volksabstimmung in Bosnien mündete in einen
Bürgerkrieg. Am 6. April 1992 anerkannte die BRD auch die Sezession
Bosnien-Herzegowinas. Selbst die Wahl des Datums hatte Symbolkraft: Der 6. April
ist der Jahrestag der hitlerdeutschen Bombardierung Belgrads.
In Bosnien wird die NATO endgültig Kriegspartei, gegen die Serben. Und das
deswegen, weil die USA sich auf ihr altes Konzept besinnen: "If you can't beat
them join them".* In Clintons Nationalem Sicherheitsrat wird im Sommer 1993 eine
Position erarbeitet, wonach die USA auf dem Balkan militärisch intervenieren
müßten, wollten sie nicht der BRD den alleinbestimmenden Einfluss in Ost- und
Südosteuropa zugestehen. In einer Reihe von in Europa veröffentlichten Artikel
hatte Gerald Livingston, Historiker der John-Hopkins-Universität, darüber
geschrieben. "Unheimliches kündigte sich an", hieß es da. "Es geht um die
Stellung Deutschlands in Europa, um die Schaffung einer neuen deutschen
Einflusssphäre in Mittel- und Osteuropa." In der Tat, Unheimliches kündigte sich
an, die BRD hatte sich, wie Brecht gesagt hätte, bis zur Kenntlichkeit
verändert, und die Geschichte der betrogenen Betrüger geht weiter. Mit dem
Abkommen von Dayton schien sich eine Aufteilung des Balkan zu konsolidieren: Ein
deutsch dominierter Norden, ein US-dominierter Süden und dazwischen eine
Bundesrepublik Jugoslawien, mit deren Anerkennung sich diesmal übrigens Bonn
überhaupt nicht beeilte. Sie tat es gerade mal als elftes EU-Land.
Jedoch hatte man den nächsten Krieg schon im Auge. "Jetzt müssen wir", sagte
Kinkel, "unsere Scheinwerfer auf das Kosovo richten". Und Herr Fischer arbeitete
an seiner Karriere: Die eigentliche Kriegsursache, prognostizierte er, liege im
Kosovo. Das wußte zwar außer den beiden damals, 1995, kaum jemand, aber was
nicht war, sollte bald werden. IM Februar 1996 tritt die UCK auf, bewaffnet und
eingekleidet aus ehemaligen NVA-Beständen, mit einem Programm, das
gefälligkeitshalber von der Deutschen Welle verbreitet wurde, und in
Konfrontation wie in Zusammenarbeit mit einer kosovo-albanischen Exilregierung,
deren Häupter in Stuttgart und Bonn sitzen. Die USA ihrerseits sah bis Mitte
1998 diese UCK als das, was sie ist, nämlich als eine terroristische
Vereinigung, und wegen ihrer Bewaffnung wie Ausbildung kam es - so die britische
Zeitung "The European" - zu einem ernsten Zerwürfnis zwischen BND und CIA.
Aber die deutsche Hoffnung, ausgedrückt von Springers "Welt", nämlich daß
dies endlich ein Balkan-Krieg werde, in dem die USA nichts zu sagen hätten -
diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Und damit auch - vorerst - nicht die
Voraussage Schröders, der Krieg im Kosovo werde zur Einigung Europas beitragen.
(Vergessen wir nicht, so einen europäischen Einigungskrieg hatten wir schon mal
- jedenfalls bezeichnet der einschlägig vorbelastete Historiker Nolte so den
Zweiten Weltkrieg.)
Die BRD hat die Zerschlagung Jugoslawiens gewollt. Sie hat sie von Anfang an
als Krieg gewollt. 1991 schon hatte Schäuble den Einsatz von Waffen gefordert.
Die BRD hat diese Waffen auch stets geliefert. Auf dem Höhepunkt seines
Sezessionskriegs verfügte Kroatien über 14 Leopard-Panzer. In den Kisten
humanitärer Hilfsorganisationen wurden ihm Waffen und Uniformen geliefert -
unter Umgehung eines internationalen Waffenembargos. Die Zeitschrift
"Europäische Sicherheit" stellte 1993 ein von der Bundeswehr ausgearbeitetes
Szenario vor, wie es heute umgesetzt wird: Zuerst Luftschläge, dann
Kampfhubschrauber, schließlich Bodentruppen.
Ich erwähne diese Schlaglichter, um zu demonstrieren: Es ist eine Lüge, der
Einsatz militärischer Mittel sei nun, 1999, die ultima ratio, die man eigentlich
nie gewollt habe.
So also sind wir hineingekommen in diesen Krieg. Sein Inhalt ist der Krieg
selbst. Sein vorläufiger Inhalt ist, ein Kriegsbündnis - noch! -
zusammenzuhalten, dessen Zerfall den Krieg eines jeden gegen jeden auf die
Tagesordnung setzen würde. Welche Ironie, wenn die FAZ am 26.4.99 schreibt:
"Immer mehr setzt sich im Westen die Erkenntnis durch, daß die Zukunft der Nato
mit der Zukunft des Kosovo verknüpft ist!" - also mit einem Krieg um eines der
ärmsten Fleckchen Europas. Welche Ironie: Gerade ist man vollgültig akzeptiertes
Mitglied im Club der weltgrößten Kriegstreiber geworden, da droht der Laden
auseinanderzufliegen. Natürlich ist es umgekehrt: Weil die BRD wieder oben ist,
deswegen fliegt der Laden auseinander. Gegründet um, wie sein erster
Generalsekretär es formulierte, die Amerikaner drinnen, die Russen draußen und
die Deutschen drinnen zu halten, Ist die Nato dabei, zu zerbrechen. Denn es geht
nur noch darum, wie sich die vier oder fünf Großmächte, die ausgangs des 20.
Jahrhunderts über Krieg und Frieden entscheiden, gegenseitig in Schach halten
können.
Wie können wir aus diesem Krieg ausscheiden, der mit einem etwaigen Ende der
Bombardements nicht zu Ende sein wird, wie er 1991 nicht zu Ende war und nicht
1995 in Dayton?
Glauben Sie mir, ich kenne alle Einwände, die gegen das, was ich hier
vorgetragen habe über die bundesdeutsche Schuld an diesem Krieg vorgebracht
werden können. Sie laufen alle auf das selbe hinaus: Die anderen sind auch
Schweine. So sehr das stimmen mag, für so nutzlos halte ich diese Einwände.
Folgte man ihnen, wäre man ihnen in Athen und Venedig gefolgt, es hätte keinen
Generalstreik in Griechenland und keine Flugplatzbesetzungen in Italien gegen
diesen Krieg gegeben. Ich halte solche Einwände für nutzlos, Weil und insofern
sie uns abhalten, die praktischen Konsequenzen aus den wahren Worten zu ziehen,
die eine einsame Stimme gegen den Krieg 1914 ausgesprochen hat. Es war die
Stimme Liebknechts, und sie sagte: "Der Hauptfeind steht im eigenen Land."
Aus diesem Krieg kommen wir mit Sicherheit nicht heraus, indem wir auf
irgendein "natürliches Ende" dieser sogenannten humanitären Intervention warten.
Mit Sicherheit genauso wenig, indem wir uns einem deutschen Sonderweg
anschließen, mag er nun aus einem Fischer-Plan oder der Opposition à la Augstein
bestehen, der sich die deutschen Optionen für- den tatsächlichen Ernstfall
aufbewahren will.
Was ich Ihnen heute vorstellen wollte war meine Überzeugung, daß wir in
Kriege zwischen Großmächten eingetreten sind mit der BRD in der Offensive.
Kriege, in denen wir uns zunächst Klarheit über die Lage zu verschaffen haben.
In denen wir mit allen - also auch mit zunächst schwach scheinenden Mitteln -
die Stärke der eigenen Herren zu unterminieren haben, an den Universitäten, in
den Betrieben. Und natürlich in den Gewerkschaften, damit die aufhören, sich als
ökonomischer Arm der Lohnarbeit, aber als politischer Arm dieser Kriegsregierung
zu begreifen.
Mit dauerhafter Aussicht auf Erfolg aber werden wir ausscheiden aus diesem
Krieg und denen, die noch kommen werden, wenn wir - so meine These, der
vielleicht heute nur wenige hier werden folgen mögen -, einmal geschlagen,
wieder von vorne anfangen und uns um eine anders organisierte Gesellschaft
bemühen. Reste solch anderer Gesellschaft werden gerade in Jugoslawien zerbombt
mit einem Staat, der Keimzelle einer sozialistischen Föderation der
Balkanstaaten hätte sein können. Reste solcher Gesellschaft wirken nach, wenn
wir lesen, daß in der DDR die Mehrheit der Bevölkerung gegen, in der BRD für
diesen Krieg ist. Letzten Endes läuft es also wohl auf Rosa Luxemburgs
Feststellung hinaus: Sozialismus oder Untergang in der Barbarei.
Wie gesagt, dieser Haltung werden sich heute sind in diesem Land nicht allzuviele anschließen. Es ist aber eine, auf die man zurückkommen wird.
Die FDJ auf der 15.Generalvollversammlung des WBDJ
Vom 28. - 31.Januar 1999 fand in Larnaca/Zypern die 15.Generalvollversammlung
des Weltbunds der Demokratischen Jugend (WBDJ) statt. Auf dieser Versammlung der
Mitgliedsverbände kamen ca. 140 Delegierte. Sie findet alle 4 Jahre statt und
legt die Schwerpunkte der Arbeit des WBDJ fest.
Aber zuerst möchten wir uns bei den Gastgebern bedanken, der Vereinigten
Demokratischen Jugend Zyperns, EDON, die sich viel Mühe gaben, diese Tagung so
perfekt als möglich vorzubereiten. Wir hatten hier auf Zypern viel mehr als nur
eine der besten organisatorischen Voraussetzungen zur Arbeit. Wir hatten im
Rahmen des Abendprogramms die Gelegenheit zu einem Freundschaftsabend und wir
haben zusammen mit einer Basisgruppe in Limassol einen wunderbaren
revolutionären Abend erlebt. Außerdem gab es eine sehr spannende Veranstaltung
mit dem Außenminister Zyperns von der Konservativen Partei, der die
Konföderation (2 Länder, ein Parlament) mit dem türkisch besetzten Teil gutheißt
und dem Sprecher der AKEL, die Mutterpartei des EDON, der eine Föderation (1
Land, 2 Parlamente) als strategisches Ziel nicht ausschließen mag. Also eine
Auseinandersetzung um die nationale Frage Zyperns, die sehr spannend und
lehrreich war.
Die WBDJ-Vollversammlung wurde mit Ansprachen von eingeladenen Ehrengästen,
darunter z.B. Jacques Denis aus Frankreich, Generalsekretär von 1949 bis 1956,
und dem Politischen Bericht des Präsidenten eröffnet. Zur Auswertung der
Tätigkeit des WBDJ seit 1995 lag ein ausführlicher Rechenschaftsbericht vor. Ein
Leitantrag, die "Politische Deklaration", wurde schon seit Monaten in den
verschiedenen regionalen Kommissionen beraten und am 3.Tag der Konferenz mit
wenig Änderungen in großer Einmütigkeit verabschiedet. In den regionalen
Kommissionen wurden die Resolutionen der Kontinente beraten und dem Plenum zur
Abstimmung vorgelegt. Auf ihr wurden auch Vorschläge für die Besetzung des
Generalrats aufgestellt, die am letzten Sitzungstag gewählt wurden. Die
Präsidentschaft für die nächsten 4 Jahre stellt die Kommunistische Jugend
Griechenlands (KNE).
Die FDJ wird ihren Beitrag für den Weltbund der Demokratischen Jugend
weiterhin aktiv leisten, denn wir sehen unsere Mitgliedschaft im WBDJ als eine
Verpflichtung dafür, die Jugend der Welt vor dem deutschen Imperialismus zu
warnen.
Wir haben nicht vergessen: Der WBDJ ist entstanden nach dem 2. imperialistischen Weltkrieg aus dem Kampf der Völker gegen Faschismus und Krieg, für den Deutschland verantwortlich war. Und gerade heute treibt dieses Deutschland mit dem Aggressionskrieg gegen Jugoslawien die Völker der Welt in ein drittes noch bestialischeres Völkerschlachten. Deshalb halten wir die Fahne des WBDJ in unserem Land hoch und leisten unseren Beitrag für die Jugend der Welt, indem wir im eigenen Land den Kampf gegen den deutschen Imperialismus führen.
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