
Freie Deutsche Jugend
Mitglied im Weltbund der demokratischen Jugend (WBDJ) seit 1948
Fanfare
- Auszüge| Titel: | O Deutschland, bleiche Mutter! | ||
| 10 Jahre Annexion der DDR: | Wir waren das Volk | Buchtips und Seminar: ,,Mit der DDR ins Jahr 2000", ,,Die Liquidatoren", ,,Deutsche Arithmetik: 2 + 4 = 5" | |
| Großdeutschland im 10. Jahr: | Die Güte der deutschen Industrie | Grossdeutsche Innenpolitik | |
| Gegen den Krieg: | Der deutsche Krieg auf dem Balkan geht weiter! | Wohin soll die Reise gehen, Gregor Gysi? | |
| Internationales: | Studenten-Kampf in Mexiko-Stadt | ||
| FDJ aktiv: | 9. November in Mainz | ||
| Geschichte: | Meine Erlebnisse mit der FDJ | ||
| In eigener Sache: | Impressum, Abo, Leserbriefe |
Wir waren das Volk

2. Dezember 1990: Tag der ersten groß-deutschen Bundestagswahlen.
Auf dem Weg zum Reichstag, nach Durchschreitung des Brandenburger Tors in
westlicher Richtung.
Foto vom "Anachronistischen Zug" 1990.
Weitere Bilder von dieser Aktion sind in dieser Ausgabe.
Bildnachweis und nähere Erläuterungen siehe Seite 14.
Mit dem 9. November 1999 wurde ein Gedenkjahr sondergleichen eingeläutet, das
Gedenkjahr der Annexion der DDR. Kaum eine Zeitung, die nicht überquillt von
Artikeln über die Zeit der sogenannten Wende oder über die Gräuel des
"sozialistischen Unrechtsregimes". Die Bourgeoisie der BRD scheint es offenbar
nötig zu haben, einen dermaßen massiven ideologischen Großangriff zu führen. Sie
scheint selbst noch nicht ganz zu glauben, was sie uns immer und immer wieder
weismachen will, nämlich, dass ihr System, der Kapitalismus, sich nun als
alternativlos erwiesen hat. Wenn jetzt allerorten versucht wird, diese
"Weisheit" mit Blick auf das Jahr 1989/90 in die Köpfe der Bevölkerung
einzuprügeln, kommt man nicht umhin, sich zu erinnern, wie vor 10 Jahren den
Bürgern der DDR, eines damals noch souveränen Staates beigebracht wurde, was
"freie" Wahlen sind. Als bekannt wurde, dass die Volkskammerwahlen der DDR auf
den 18.3.1990 vorverlegt werden, war die bundesdeutsche Parteienlandschaft nicht
mehr zu halten. Ob CDU, CSU, FDP oder SPD, alle machten sich mit Mann und Maus,
und vor allem mit viel Geld auf in die DDR, um der Bevölkerung dort zu erklären,
wie freie Wahlen nach den Spielregeln der BRD aussehen. Allein die CSU sandte 25
Tonnen Propagandamaterial und für vier Wochen alle 12 hauptamtlichen
Wahlkreisgeschäftsführer in die DDR, um für das von Bundeskanzler Helmut Kohl
aus der Taufe gehobene Wahlbündnis "Allianz für Deutschland" Werbung zu machen.
Dieses Wahlbündnis bestand aus CDU, DSU, und dem Demokratischen Aufbruch, das
mit dem Programm angetreten war: Anschluss der DDR an die BRD nach Artikel 23
des Grundgesetzes der BRD.
Aber nicht nur West-Parteien nahmen auf diese Weise Einfluss auf die inneren
Angelegenheiten der DDR: Das Bundesarbeitsministerium schenkte dem
Demokratischen Aufbruch eine Druckmaschine mit Zubehör und das
Bundesinnenministerium steckte 7,5 Millionen DM über parteinahe Stiftungen in
den DDR-Wahlkampf. Der westdeutsche Chemiekonzern Henkel stellte 2,5 Tonnen
Spezialkleister zur dauerhaften Befestigung der Plakate, die natürlich auch aus
dem Westen kamen, zur Verfügung. Gleichzeitig waren alle namhaften Westpolitiker
auf Wahlkampftour, um den Leuten die "blühenden Landschaften" zu versprechen und
brachten mit, was so dazugehört: Winkelemente, Parteifahnen, Anstecker,
Aufkleber und, und, und.
Einig war man sich entsprechend, wer der Hauptfeind war: Das war die einzige
größere Partei, die nicht aus dem Westen gelenkt und gezahlt war, die PDS. Deren
Appelle, den Politischen Gegner während der heißen Phase des Wahlkampfes nicht
zu verleugnen, und den Bürgern ein sachliches Abwägen der Argumente zu
ermöglichen, blieben genauso erfolglos, wie zuvor das Abkommen des runden
Tisches, keine Politiker der Bundesrepublik am Wahlkampf in der DDR teilnehmen
zu lassen, um das Recht auf Selbstbestimmung der Bevölkerung der DDR zu wahren.
Dieses Grundprinzip aber nicht einzuhalten, ist nicht nur ein schlechter
politischer Stil, sondern schlicht und ergreifend ein Bruch des Völkerrechts: In
der KSZE-Schlussakte von Helsinki verpflichten sich die Teilnehmerstaaten, sich
"jeder direkten oder indirekten, individuellen oder kollektiven Einmischung in
die inneren oder äußeren Angelegenheiten zu enthalten".
Somit hat die BRD nicht nur, wie es das PDS-Präsidium mit Empörung zur
Kenntnis nahm, "nach der Besetzung der DDR durch westdeutsche Politiker während
des Wahlkampfes nun auch die völkerrechtswidrige Einverleibung der DDR
begonnen", sondern auch schon 1990 die Schlussakte von Helsinki zu einem Fetzen
Papier gemacht. Aber nur so ist diese für bundesdeutsche Außenpolitik zu
gebrauchen: Die Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten ist
zu einem Grundprinzip der modernen deutschen Außenpolitik geworden.
Stefan
Gebt die DDR dem Volk zurück!
Eine Buchempfehlung: Ralph Hartmann - ,,Die Liquidatoren"
Ein Polit- und Wirtschaftskrimi der besonderen Art, so schreibt der Verlag
Neues Leben auf dem Buchumschlag. Ralph Hartmann liefert in diesem Buch
spannendes Ermittlungsmaterial aus den Tausenden von Akten und Berichten des
Treuhand-Untersuchungsausschusses des Bundestags, über die Täter und ihre Tat,
die Annexion der DDR:
Da sind als erstes die Forscher zu nennen: Es gab einen Forschungsbeirat für
Fragen der Wiedervereinigung Deutschlands beim Bundesministerium für
gesamtdeutsche Fragen. Sein Leiter war ein gewisser Dr. Ernst, der unter Hitler
Verwalter des feindlichen Vermögens der von Hitlerdeutschland überfallenen
Staaten war, und von Adenauer berufen wurde, konkret auf die Wiedervereinigung
hinzuarbeiten, den Weg gangbar zu machen und zum Ziel zu führen. Auf die
Empfehlungen dieses Beirats im Kalten Krieg gingen u.a. die Zielstellung der
Treuhandanstalt, die "Währungsunion" und Regelungen für Alteigentümer aus dem
Westen zurück.
Im 2. Kapitel schreibt Hartmann über die sogenannten Wahlhelfer aus der BRD,
die im Winter/Frühjahr 1989/90 wie die Heuschreckenschwärme über die DDR
herfallen. Die CSU sandte z.B. 25 Tonnen Propagandamaterial, 2 Millionen
Flugblätter und 1 Million DSU-Grundsatzprogramme. Sie sandte laut "Spiegel" für
4 Wochen alle ihre 12 hauptamtliche Wahlkreisgeschäftsführer in die DDR. Eine
Ungeheuerlichkeit, wenn man bedenkt, dass dieses Abkommandieren ins Ausland ja
gegen den Willen und gegen die Souveränität der DDR erfolgte. Das
Arbeitsministerium lieferte dem Demokratischen Aufbruch eine komplette
Druckmaschine nebst Zubehör. Von den Parteienstiftungen gingen 7,5 Millionen DM
in den Wahlkampf. Der Chemiekonzern Henkel lieferte 2,5 Tonnen Kleister für die
Wahlplakate. Egon Bahr, Ostexperte der SPD nach der verlorenen Wahlschlacht
lässt tief blicken: "Was ich in dieser Zeit in der DDR gesehen habe, hat mich
zutiefst empört", so in einem Interview mit der TASS, "man gab Kindern Westgeld,
dass sie durch die Höfe laufen und Propaganda für die DSU machten. (...) Das war
reinster psychischer Terror nach Goebbels Manier." Soweit das, was wir zum Thema
"freie Wahlen" wissen sollten, wenn in der nächsten Zeit der 10. Jahrestag der
Volkskammerwahl am 18. März 1990 ansteht!
Am 7. Februar 1990 beschloss die Kohl-Regierung die Währungsunion. Am 21.
Juni wurde der Vertrag vom Bundestag und Volkskammer angenommen. "Eine Rosskur,
die," so der Bundesbankpräsident Pöhl, "keine Wirtschaft aushält". Ein auf
politisch-wirtschaftlichem Gebiet durchgeführter Gewaltakt zur Beseitigung der
Ökonomie eines souveränen Staates. Richard Schröder (SPD-Fraktion in der
Volkskammer) auf das Argument der PDS, diese Währungsunion heißt
Dauerarbeitslosigkeit: "Wir rechnen nicht mit Dauerarbeitslosigkeit, sondern mit
einer Arbeitslosigkeit der verlängerten Arbeitsplatzsuche."

Mit dem ganzen Treck aus dem Westen, der Händler und Spekulanten, der
Firmenberater und Anlagebetrüger, die das System der DDR beseitigen und der
BRD-Ordnung die Bahn ebnen, wird noch einmal klar, warum hier von nichts anderem
die Rede sein kann als von der feindlichen Übernahme des souveränen Staates, der
Annexion der DDR. Zum Beispiel wurden 800 Beamte des Finanzministeriums und 400
aus dem Innenministerium bis März 1991 gezählt und ebenso viele aus den
Landesministerien. Zum Beispiel der Oberlandesgerichtspräsident aus Schleswig,
ein gewisser Herr Kuthning hatte die Aufgabe, Richter und Staatsanwälte aus
Mecklenburg/Vorpommern auf ihre BRD-Tauglichkeit zu überprüfen. Hartmann
beschreibt im nächsten Kapitel mit vielen anschaulichen Zahlen und Fakten das
Wüten der Treuhandanstalt und anhand von einzelnen Beispielen macht er deutlich,
wie sich westdeutsche Kapitalisten zusätzlich zu symbolischen Kaufpreisen von 1
DM für ganze Industrieanlagen auch noch riesige Sanierungszuschüsse vom
Staatshaushalt der BRD abzockten. Zitat von Seite 63: "Die Privatisierer
erledigten das eigentliche Geschäft der THA, die Umwandlung der volkseigenen
Betriebe in privatkapitalistische Unternehmen. Innerhalb von 4 Jahren verkauften
sie 6546 Unternehmen sowie 22.340 Gaststätten und Hotels, 1734 Apotheken, 475
Buchhandlungen und 481 Kinos. Der Erlös betrug 73 Mrd. DM, von denen bis zur
Auflösung der THA 37 Mrd. tatsächlich eingegangen waren."
Die THA bediente sich natürlich auch einer Vielzahl von externen Beratern,
Wirtschaftsprüfern, Rechtsanwälten, Notaren etc. Rechtsanwälte verdienten
450,-/Stunde; 460 Mio. DM wurden allein im Jahr 1992 dafür verpulvert. Insgesamt
waren es 1,3 Mrd. DM. Zum Vergleich: Die Gehälter für Festangestellte betrugen
360 Mio., also 100 Mio. DM weniger. Einsame Spitze war aber eine Anwaltskanzlei;
diese erhielt vom 1. Juli 92 bis 1. Januar 93, also für 6 Monate, ein
bescheidenes Sümmchen von 161 Mio. DM - bezahlt aus den Steuergeldern der BRD.
Das Wirtschaftsvermögen der DDR wurde vom 1. Chef der THA, Rohwedder, auf 600
Mrd. DM "für den ganzen Salat" (Originalton Rohwedder) geschätzt. Hartmann
liefert sehr viele Fakten über die Wirtschaftsleistung der DDR (S. 85 ff) und in
den ersten Jahren nach der Annexion. Was kaum gewusst wird: Der verschleuderte
Reichtum der DDR durch die THA war nur etwa 40%; die restlichen 60%, das sind
laut Schätzungen weitere 800 Mrd. DM wie z.B. volkseigene Wohnungen, Gebäude und
Grundstücke staatlicher oder lokaler Einrichtungen, NVA, Reichsbahn, Post,
Botschaften und Auslandsvermögen.
Wir wissen nicht, ob es mehr so gute, spannend geschriebene Bücher über die
Annexion der DDR gibt. Wir wissen nur eins: Dieses gehört unbedingt dazu und in
jedes Bücherregal!
Klaus
Deutsche Arithmetik: 2 + 4 = 5
Ein Tagesseminar, das man sich gönnen sollte
"Am späten 5. Juni 1945 versammelten sich im zerstörten Berlin einige der
Generäle, denen die deutsche Niederlage zu verdanken war. (...) Die Vier Mächte
hatten die Regierungsgewalt über Deutschland übernommen, und Deutschland hatte
sich allen Forderungen, die ihm jetzt oder später auferlegt werden, zu
unterwerfen." (Philip Zelikow, US-Berater und Teilnehmer der sogenannten
2+4-Verhandlungen 1990)
19. Mai 1989, Kennenbunkport, USA
Der französische Präsident Mitterrand offenbart US-Präsident George Bush seine
größte Sorge:
"Es gibt in Europa überhaupt nur zwei denkbare Kriegsgründe: Wenn die
Bundesrepublik sich mit Atomwaffen bewaffnet und wenn eine Volksbewegung zur
Wiedervereinigung der beiden Deutschland den Anstoß gibt." (J. Attali,
persönlicher Berater von Präsident Mitterand)
4. Mai 1990, Bonn, BRD
James Baker, Außenminister der USA, sagt am Vorabend der ersten
2+4-Außenministergespräche zu seinem Moskauer Amtskollegen Eduard Schewardnadse:
"Wir haben die Lektionen von 1871, 1914 und 1939 gelernt. Wir mussten zwei
Kriege auf diesem Kontinent in diesem Land führen. Den verheerendsten von beiden
kämpften wir Seite an Seite mit Ihnen als Verbündete. Wir wollen das nicht noch
einmal tun müssen." (James Baker, Außenminister der USA)
Die englische Premierministerin Margaret Thatcher schreibt in ihren
Erinnerungen: "Und noch ein weiteres Schreckgespenst aus der Vergangenheit ist
wiederauferstanden: Die Deutsche Frage."
Wie konnte es dazu kommen, dass die Siegermächte des II. Weltkrieges die
Einverleibung der DDR trotz so vieler Bauchschmerzen schließlich doch hinnahmen
und ihre Siegerrechte abtraten?
Befand Europa sich damals am Rande eines großen Krieges, zum dritten Mal vom
deutschen Brandstifter entflammt?
Wie kam es zu dem sogenannten 2+4-Vertrag vom 12. September 1990, den das
größere Deutschland keine zehn Jahre später in Fetzen bombte mit seinem Krieg
gegen die Bundesrepublik Jugoslawien?
Regierungschefs, Minister und Referenten der damals Beteiligten haben in
Dutzenden von Büchern ihre Erinnerungen veröffentlicht. Ungeahntes und
Vermutetes wird von ihnen aus den unterschiedlichsten Gründen zu Tage gefördert.
Der Referent, Heinz Klee, hat ihre Memoiren, offizielle Regierungsdokumente,
Zeitungen der Jahre 1989/90 durchgearbeitet und zeichnet den verwickelten und
äußerst widersprüchlichen Weg der internationalen Verhandlungen nach, der zur
Einverleibung der DDR führte. Wer verstehen will, warum die BRD heute wieder
einen Krieg führt, kommt um die Auseinandersetzung mit der aktuellen Geschichte
nicht herum. Sie ist der Schlüssel zum Verständnis deutscher Großmachtpolitik
und gibt Antwort auf die Frage, wie die Kriegsgegner in Ost und West gegen das
größere Deutschland handeln können.
Aus der Einladung zu einem Seminar im Dezember in Jena. Wer ebenfalls
Interesse an so einem Seminar hat, kann sich beim
Bundesvorstand melden. Wir vermitteln
gerne den Referenten und helfen bei der Organisierung.
Auszug aus Fanfare Nr.23, Seite 10-11
Der deutsche Krieg auf dem Balkan geht weiter!
Gerade einmal ein halbes Jahr war die neue
SPD/Grünen-Regierung im Amt, da führte sie den dritten deutschen Angriffskrieg
in Europa in diesem Jahrhundert. Nach der Beendigung der Bombardierung
Jugoslawiens und dem Einzug der 40000 Mann starken KFOR-Truppen, prophezeiten
die bürgerlichen Medien den Frieden in Europa. Doch das Gegenteil war der Fall.
Seit dem sind, mit wohlwollendem Augenzwinkern der Bundeswehr, durch den Terror
der UCK-Banden 200.000 Serben und 80.000 Roma und Sinti (Spiegel) aus dem
Protektorat Kosovo vertrieben und mindestens 350 Serben von UCK-Anhängern
ermordet worden (junge Welt 16./17.10.1999). Die beste Zusammenarbeit zwischen
der UCK und der KFOR besteht dann auch im deutschen Sektor. Kein Wunder: Die UCK
ist ein deutsches Ziehkind. In der ersten Woche der Besetzung ließ die
Bundeswehr 139 maskierte UCK-Terroristen laufen, die sich in ihren
blutbesudelten Folterkellern in Prizren eingerichtet hatten, mit der Begründung,
es wären zu viele, um sie festzunehmen. Die Jugoslawen albanischer Abstammung
begrüßen die Bundeswehrsoldaten als die einzigen wirklichen Freunde in den
KFOR-Truppen. Die UCK-Hierarchen preisen den historischen Pakt mit Hitlers
Wehrmacht und umarmen die deutschen Soldaten. Abends wird von der deutschen
Armee über ihren Sender Andernach in Prizren Lilli Marleen gespielt - nach der
Tradition vom Zweiten Weltkrieg.
Die BRD zerschlägt Jugoslawien!
Seit August ist die Deutsche Mark offiziell bestimmende Währung im
Protektorat Kosovo. Das bedeutet, dass das Gebiet Kosovo von Serbien politisch
abgetrennt wird. Da überrascht es auch nicht, wenn das Kosovo "Deutsch-Südwest"
(Die Zeit, 12.08.1999) genannt wird. Gleichzeitig wird die jugoslawische
Regierung destabilisiert. Das Bundesaußenministerium lädt zu einem Treffen mit
Vertretern von 30 Städten Jugoslawiens, in denen deutschfreundliche Parteien
regieren, ein. Nur diese Städte sollen materielle Hilfe erhalten, wie zum
Beispiel Heizöl für den Winter (FAZ, 04.10. 1999). Im August 1999 wurde der
sogenannte "Stabilitätspakt für Südosteuropa" beschlossen. Dieser
Stabilitätspakt ist eine deutsche Erfindung, die Außenminister Fischer noch vor
der Bombardierung Jugoslawiens gefordert hatte. Dieser "Stabilitätspakt"
bedeutet für die Länder des Balkans die völlige Beseitigung ihrer staatlichen
Souveränität. Ihre Nationalbanken werden dem Diktat der Imperialisten
unterstellt. So schrieb das Handelsblatt am 05.08.1999: "Der Notenbank wird
verwehrt, den Staatshaushalt zu finanzieren. (...) Der schnellste Weg für die
Länder der Balkanregion, sich eine stabile Währung zuzulegen, wäre die sofortige
Übernahme des Euros oder einer Teilnehmerwährung (z.B. die D-Mark)." Diese
Länder finden sich wieder in der Situation der DDR vom Juli 1990, als die BRD
mittels einer "Währungsunion" der DDR ihre eigene Nationalwährung nahm. Wird der
Stabilitätspakt umgesetzt, werden aus den betroffenen Balkanstaaten Protektorate
der Imperialisten - unter diesen imperialistischen Räubern wird die BRD eine
führende Stellung einnehmen. Sie hat heute schon mit Bodo Hombach den Posten des
Koordinators für den Stabilitätspakt inne. Tom Königs ist Leiter der
UNO-Verwaltung über das gesamte Protektorat Kosovo und der Vier-Sterne-General
Klaus Reinhardt ist im Besitz des militärischen Oberkommandos. Mit der Politik
der KFOR, der Einführung der D-Mark, der Destabilisierung der jugoslawischen
Regierung und dem Stabilitäts-Pakt: In jedem einzelnen Schritt wird die
UNO-Resolution zu Jugoslawien gebrochen, in der die Souveränität und die Einheit
Jugoslawiens verankert ist. Und wieder ist die Regierung der BRD die treibende
Kraft. Auf diese Art und Weise will sie sich ganz Osteuropa unterwerfen, um
eines Tages wieder vor den Toren Moskaus zu stehen.
Wie konnte es dazu kommen?
1989/1990 hat sich die BRD die DDR einverleibt. Damit ergab sich eine
gefährliche Schieflage in Europa. Dieser Prozess wurde von den Nachbarstaaten
nicht mit Freuden begrüßt, sondern hat bei ihnen größte Bedenken hervorgerufen.
Am 3. November 1989 äußerte der damalige französische Ministerpräsident
Mitterand, dass die Wiedervereinigung auf keinen Fall in der nächsten Zeit
kommen dürfe. Entsprechend äußerte er einen Tag nach dem Fall der Berliner
Mauer, dass die Deutschen mit einem Weltkrieg spielten, ohne sich dessen bewusst
zu sein. Und die damalige Premierministerin Thatcher schlug Mitterand am 8.
Dezember 1989 vor, ein englisch-französisches Bündnis als Gegengewicht gegen die
"wahnsinnig" gewordenen Deutschen zu zimmern. Mitterand und seine Berater hegten
die Hoffnung, den deutschen Moloch durch die Beschleunigung des europäischen
Integrationsprozesses zähmen zu können (konkret, 11/99).
Die Annexion der DDR setzte Europa in Brand!
Im sogenannten 2+4-Vertrag von 1990, in dem die Alliierten die Bedingungen
für die Einverleibung der DDR festlegten, musste die Regierung der BRD
versichern, dass sie international keinen Alleingang unternehmen würde und dass
von deutschem Boden nur Frieden ausgehen werde. Noch kein Jahr war vergangen, da
brach die BRD-Regierung diesen Vertrag. Gegen den Widerstand von England,
Frankreich und den USA ging die BRD den deutschen Sonderweg und sprach Slowenien
und Kroatien die Unabhängigkeit aus. Damit bahnte sie den Weg zur gewaltsamen
Abtrennung vom jugoslawischen Staat. Das war der Beginn der offenen Zerschlagung
Jugoslawiens und führte zu einem Kriegsbrand, der Bosnien gleich mit entflammte.
Und der Angriffskrieg gegen die Bundesrepublik Jugoslawien war auch ein
deutscher Angriffskrieg. Er ist von der BRD, unter einer sozialdemokratischen
Regierung, vorbereitet und begonnen worden. Wolfgang Schäuble stellte nach der
Bombardierung in einer Fernsehsendung klar: Nicht die Amerikaner haben uns,
sondern wir haben die Amerikaner zum Krieg gegen Jugoslawien getrieben. Diese
Tatsache führte zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen dem größer gewordenen
Deutschland und den USA, die sich bis heute hinter der öffentlichen Bühne
fortsetzen. Während der Bombardierung Jugoslawiens zeigten sich gravierende
Unterschiede - sogar entgegengesetzte Haltungen - auf dem Gebiet der BRD und dem
der DDR in bezug auf den Krieg. Umfragen haben gezeigt, dass auf dem Gebiet der
BRD die Mehrheit der Menschen für den Krieg war, während sich auf dem Gebiet der
DDR die Mehrheit gegen den Krieg aussprach.
Die Wahlen im Osten haben gezeigt, dass dort von Jahr zu Jahr weniger
Menschen Westparteien wählen. Das zeigt: Sollte es nach neun Jahren den Versuch
gegeben haben, die beiden Gebiete zu vereinen, so ist der kläglich gescheitert
und in Blut und Tränen ersoffen. Es wäre dem Frieden in Europa ein sehr großer
Dienst erwiesen, würde man den westdeutschen Kriegstreibern das Gebiet der DDR
entreißen, um sie so zu schwächen und das erneute Aufflammen des Krieges in
Europa zu stoppen. Dazu reicht ein Wahlkreuz nicht aus. Gefordert ist, auf dem
Gebiet der BRD den Kampf für das demokratische Recht auf Lostrennung für das
Gebiet der ehemaligen DDR zu organisieren.
"Denn der Menschheit drohen Kriege, gegen welche die vergangenen wie
armselige Versuche sind. Und sie werden kommen, ohne jeden Zweifel, wenn denen,
die sie in aller Öffentlichkeit vorbereiten, nicht die Hände zerschlagen
werden." (Bertolt Brecht, 1952)
Wir fordern: Deutsche Besatzungstruppen raus aus dem Balkan! Bedingungslose
Reparationszahlungen an die BR Jugoslawien!
IMPRESSUM
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