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16. Antifa-Camp - Weimar / Buchenwald,
24. Juli bis 31. Juli 2004
Wir beteiligen uns wieder am diesjährigen Antifa-Camp in Buchenwald und
stellen
hiermit u.a. Informationen des Vorbereitungskreises zur Verfügung.
Das Camp ist ein offenes Antifa-Camp. Das heißt im wesentlichen das sich antifaschistische Einzelpersonen, Gruppen und
Organisationen gleichermassen an der Vorbereitung und Durchführung des
Antifa-Camps beteiligen. Mehr dazu im Infoblatt über die
Struktur und das Verhalten auf dem Workcamp!
Aufruf zum 16. Antifa-Camp Weimar/Buchenwald
24.07. - 31.07. 2004
>Neue Verpackung und
kein antiquierter Inhalt<
Erstmals treten wir in 2004 unter dem Label „Antifa-Camp“ in Erscheinung.
Auf den Zusatz „Work“-Camp verzichten wir konzeptionell gewollt. Dies ist
nicht etwa einer klein-bürgerlichen Laune gewidmet, sondern Ergebnis eines
langwierigen Diskussionsprozesses. Wir sind mittlerweile der Meinung, dass
sich an einem authentischen Ort der faschistischen deutschen Barbarei, der
auch das Konzept der so genannten „Vernichtung durch Arbeit“ beinhaltete,
dieser vordergründige und oberflächliche Bezug einfach verbietet. Darüber
hinaus haben sich einige von uns mit dem kapitalistisch ausgerichteten
Arbeitsbegriff auseinandergesetzt. Dass mensch nicht unreflektiert - und sei
es auch im Rahmen gut gemeinter Ziele der antifaschistischen Bewegung - für
diesen Entfremdungsbestandteil Werbung läuft, haben wir jetzt gecheckt.
Für uns heißt linksradikale Bewegung, sich, andere und auch die eigene
politische Praxis ständig in Frage zu stellen. Das schließt das Einräumen
eigener Fehler und Analysedefizite ganz klar mit ein. Wer sich nicht bewegt,
bleibt nicht nur stehen, sondern vergreist politisch!
>Von deutschen Klassikern und Neonazis<
Nicht von ungefähr findet das Antifa-Camp alljährlich in Weimar statt. Die
Stadt im Thüringischen ist vor allem wegen ihren historischen Bezügen zu den
Klassikern deutscher Lyrik- und Theaterkultur Stichwort: Goethe und Schiller
international ein Begriff. Dass schöngeistige Tradition keine wirkliche
Immunisierung gegen deutschnationale Blut- und Bodenideologie darstellt,
musste der weltberühmte und progressive Architektur- und Kunststil des
Bauhauses schmerzhaft erfahren. Die reaktionären Vor- und Mitläufer
(Deutschnationale Volkspartei) der späteren Nationalsozialisten zwangen das
Bauhaus bereits 1925 zur Emigration nach Dessau. Lange vor der
Machtübertragung an die NSDAP in Berlin saßen die Nazis in Thüringen schon
fest im Sattel. Ab 1930 zunächst in einer Koalitionsregierung, stellte die
NSDAP nach den Landtagswahlen 1932 die Landesregierung mit dem später als
Kriegsverbrecher verurteilten und hingerichteten Fritz Sauckel an der
Spitze. Unter den Augen Goethes und Schillers und vor allem der Weimarer
EinwohnerInnen mussten politische GegnerInnen des Naziregimes,
Kriegsgefangene, Juden und andere Verfolgte des NS-Terrors ab 1937 den Weg
in das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg antreten. 60.000
Menschen überlebten dort die Barbarei der Nazis nicht. Um so perfider ist
es, dass die örtliche Neonaziszene Weimars in diesem Jahr fast im
Wochenrhythmus Aufmärsche und Kundgebungen angemeldet hat.
>Zivilgesellschaft, Opfermythos und Deutsch-Europa halt`s Maul!<
Wer nur ansatzweise dachte, dass Appelle an das zweifelhafte Konzept der
Zivilgesellschaft und diverse AusteigerInnenprogramme auch nur einen Neonazi
wirklich davon abhielten, MigrantInnen zu jagen, Obdachlose zu malträtieren
und Alternative zu terrorisieren, litt an hoffnungslosem Realitätsverlust.
Doch nicht nur diese primitiven Reflexe gegen alles Andersdenkende und
Andersaussehende sind das Problem in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit
der Gegenwart. Viele kleine Hohmänner bedienen, nicht nur im politischen
Raum, antisemitische Klischees. Auch Teile der Friedensbewegung und der
BürgerInnengesellschaft finden den antisemitisch orientierten
Antikapitalismus und die uneingeschränkte Palästina-Soli der Nazis gar nicht
so schlimm. Der beliebteste Beitrag zur „Geschichtsaufarbeitung“ der letzten
36 Monate in diesem Land kann simpel auf den Punkt gebracht werden: Ein
deutscher Opfermythos wurde und wird kultiviert und praktiziert. In einem
nie für möglich gehaltenen breiten gesellschaftlichen Konsens traut
Frau/Mann sich endlich, die vergessenen deutschen „Opfer“ des 2. Weltkrieges
zu beklagen. Überall, obeltkrieges zu beklagen. Überall, ob in Halbe,
Dresden, Halle oder Kleinpaschleben, rennt der Bürgermob - in inniger
Umarmung mit den Hackfressen von Rechtsaußen - durch die Strassen und
prangert wahlweise den „alliierten Bombenterror“ oder den „Massenmord der
Vertreibung“ an. Opfer werden zu Tätern und alles mündet in einer nicht
näher zu verifizierenden und damit letztlich geschichtsrevisionistischen
„menschlichen Tragödie“. Wir outen uns auch ganz klar als Fans des ollen
Karl Liebknecht und seiner epochalen Parole:
Der Hauptfeind steht im eigenen Land!
Viel zu lange hat die bundesrepublikanische Linke sich fleißig in
Projektionsritualen geübt und das „Böse“ in der Welt und den
personifizierten Beelzebub flugs nach Amiland exportiert. Wer auf simple
Schwarz-Weiß-Gemälde steht, sollte in die Galerie gehen, ist in der
Linksradikalen aber definitiv fehl am Platz. Wir prangern die aggressive
deutsche Außenpolitik inklusive ihres Hegemonialbestrebens und den asozialen
rotgrünen Sozialklau mindestens genau so an, wie folternde GI`s im Irak.
Deutsch-Europa ist für uns kein Friedensengel, sondern eine ausbeutende und
verachtenswerte Konstante im kapitalistischen Koordinatensystem.
>Oral History, Wunschfilmbox und Action<
Das diesjährige Antifa-Camp hat wieder jede Menge zu bieten. Neben den
praktischen Arbeitsprojekten auf und an der Gedenkstätte Buchenwald, u.a. im
ehemaligen Steinbruch, den Gustloff-Werken (ehemaliger Rüstungsbetrieb in
Buchenwald) und dem so genannten Pferdestall (Genickschussanlage, in der
Tausende Häftlinge ermordet wurden), gibt`s selbstredend zahlreiche
Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugengespräch mit einem
ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers gehört genau so zum Programm,
wie ein Vortrag zu neonazistischen Strukturen in Thüringen. Für Kurzweil und
Party sorgen zum Beispiel das Eröffnungs- und Abschlusskonzert oder das
tägliche Campkino mit Wunschfilmbox.
>Wir machen wirklich Ärger<
Abseits vom Camp-Programm erschließen sich für Leute - mit ereignisbezogenem
respektive handlungsorientiertem Ansatz - gerade in Weimar zahlreiche
Möglichkeiten, Antifaschismus praktisch werden zu lassen. Mit einem
Spritzerchen Kreativität und Elan sind viele öffentliche Aktionen und Events
denkbar. Weimar drängt sich, mit einer gut ausgebauten Neonaziszene, als
Aktionsterrain regelrecht auf.
>Organisatorisches<
Das Camp beginnt am 24. Juli und endet am 31. Juli 2004. Natürlich können
Leute, die nicht über den gesamten Zeitraum bleiben können, auch tageweise
vorbeischauen. Der Unkostenbeitrag beträgt € 7,00 pro Tag/Teilnehmer
(Geländemiete, Miete für sanitäre Einrichtungen, Verpflegung etc.). Zelte
und die entsprechenden Campingutensilien bitte nicht vergessen. Die Anreise
ist ab 24. Juli, täglich ab 10.00Uhr, in der Gerberstraße 01 in Weimar
(besetztes Haus im Stadtzentrum) möglich. Von dort wird es einen
Shuttle-Dienst zum eigentlichen Campgelände geben.
Wer konkretere Infos und den genauen Programmablauf haben möchte, kann sich
vertrauensvoll an die anbei genannten Kontaktmöglichkeiten wenden.
16. Antifa-Camp
Weimar/Buchenwald
24.07. - 31.07.2004
Infos, Technix und Anmeldung im Überblick
Anreise: ab 24.07.04
Täglich ab 10 Uhr / Weimar / Gerberstrasse 1
Kosten: 7 Euro pro Tag und Teilnehmer (umfasst Vollverpflegung, Dusche, WC
und Miete)
mitzubringen: Zelt, Besteck, Tasse und Teller
Angebote zur Freizeitgestaltung:
Arbeitsprojekte, Demo, Veranstaltungen, Workshops, Lesungen, Konzerte,
eigene Ideen und natürlich eine Riesenportion Sommer!
Kontakt und Anmeldung:
c/o Infoladen
Schlachthofstrasse 25
06844 Dessau
phone: 0340 - 266 02 -10 / fax: -12
mail to: Antifacamp@yahoo.de
site: www.antifacamp.de.vu
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download des Aufrufes als PDF
Organisatorisches zur
Teilnahme und Anmeldung
| Wann: |
24.Juli bis 31.Juli,
die Anreise und Teilnahme auch nach dem 24. Juli ist kein Problem |
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| Anreise: |
ab 24.Juli, 10Uhr,
Gerberstr.1, Weimar |
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| Kosten: |
pro Tag 7€ |
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| Mitzubringen
ist: |
Zelt, Isomatte,
Schlafsack, Besteck, Trinkgefäß, Geschirr, Arbeitssachen und gute Laune |
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| Anmeldung: |
über
Antifacamp@yahoo.de oder vor Ort
möglich |
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Informationsblatt über
die Struktur und das Verhalten auf dem Antifacamp
Das Camp findet seit 1990 statt. Das ist eine lange Zeit, in der wir an
unserer Praxis herausfinden konnten was funktioniert und was nicht. Diese
Informationen und grundsätzlichen Regeln haben wir für euch zusammengestellt
um euch die Beteiligung am Camp zu erleichtern und auch um euch Rückhalt zu
geben wenn ihr Probleme mit dem Camp, seiner politischen Tätigkeit oder auch
einzelnen TeilnehmerInnen habt. Nun zum Wesentlichen!
Im Camp hat jeder und jede eine Stimme und Verantwortung. Es ist
basisdemokratisch strukturiert und es gibt keinen "Führungsklüngel", sondern
VerantwortungsträgerInnen, die sind wählbar und gegenüber allen rechenschaftspflichtig.
Wir haben ein oberstes Entscheidungsgremium. Das Plenum!
Das Plenum: Es findet täglich zur gleichen Zeit statt. Währenddessen
laufen keine Veranstaltungen. Das heißt jede/r hat die Möglichkeit an ihm
teilzunehmen. Ist aber keine Pflicht! Eröffnet wird das Plenum durch das
Vorschlagen und Finden einer Person die, die Redeleitung übernimmt. Diese
Redeleitung soll täglich rotieren! Danach werden von der Redeleitung Themen
gesammelt, über die im Plenum diskutiert werden soll, die sogenannte
Tagesordnung. Eine ebenfalls vom Plenum bestimmte ProtokollantIn schreibt
die Beschlüsse des Plenums auf. Beim Eröffnungsplenum berichtet zuallererst
eine VertreterIn des Vorbereitungskreises über die aktuelle Situation des
Camps. Danach werden aus den TeilnehmerInnen heraus "VerantwortungsträgerInnen"
gewählt. Diese haben funktionelle Aufgaben für das Camp zu erledigen.
Genaueres dazu später. Diese Verantwortungsträger sind zwischen den Plena
für die Aufgaben die ihnen das Plenum auferlegt hat zuständig, können aber
auch eigenständige Entscheidungen treffen, wenn es die Situation erfordert.
Diese "VerantwortungsträgerInnen" sind jedem vom Camp während
des Plenums rechenschaftspflichtig. Somit sind "VerantwortungsträgerInnen"
auch jederzeit abwählbar. Wer einen Redewunsch hat der meldet diesen bei der
Redeleitung mit einem Handzeichen an. Geschlossen wird das Plenum durch die
Redeleitung, wenn alle Tagesordnungspunkte ausreichend diskutiert wurden.
Getroffene Beschlüsse werden innerhalb eines Plenums nicht
mehr aufgegriffen.
"Verantwortungsträger" Die vergangene Praxis hat gezeigt, das für
folgende Bereiche eine durchgängige Arbeit, Vorbereitung und
Verantwortlichkeit notwendig ist.
SprecherInnerat, Pressegruppe, Transport, Veranstaltungen, Ansprechperson
für Frauen,
Finanzen, Arbeitsprojekte, Wache, Küche
SprecherInnerat
Das sind 3 gewählte TeilnehmerInnen, die zwischen den Plena Kontakte zu
offiziellen Stellen wie z.B. Gedenkstättenleitung und anderen Ämtern
wahrnehmen, so sie denn nicht zu vermeiden sind. Der SprecherInnenrat kann
auch aufgrund aktueller Ereignisse Entscheidungen treffen, die das Plenum
noch nicht diskutiert hat. Er muss diese Entscheidungen allerdings auch
verantworten können! Der SprecherInnenrat ist dem Plenum untergeordnet, ihm
gegenüber rechenschaftspflichtig und ist einzeln oder gänzlich abwählbar.
Pressegruppe
Die Pressegruppe realisiert alle Pressekontakte des Camps, weil sie über die
gesammelten Meinungen und Informationen diesbezüglich verfügt. Dort werden
Presseerklärungen und Interviewwünsche entgegengenommen, Flugblätter
gestaltet und nicht zuletzt die Campzeitung produziert. Die Pressegruppe
nimmt in Zusammenarbeit mit anderen "VerantwortungsträgerInnen" ihre Aufgabe
eigenständig wahr. Auch sie muss das Plenum täglich über das von ihr
Gemachte und Gewünschte (bezieht sich beispielsweise auf Intewievwünsche zu
übermorgen) unterrichten und auch sie ist abwählbar. Dort ist genügend
Technix vorhanden um Texte zu schreiben, Flugblätter zu machen oder die
Zeitung zu gestalten. Alle können dort ihre Texte schreiben!!!
Das ist besonders erwünscht, dass z.B. Berichte über eine Demo von "allen
CampteilnehmerInnen" geschrieben wird.
Transport
Der Transportverantwortliche koordiniert die täglichen Fahrten zu unseren
Arbeitsprojekten und zu den Orten unserer sonstigen politischen Aktivitäten.
Einkaufsfahrten, Abholungen vom Bahnhof, etc. Er soll erreichen das
notwendige Fahrten so effektiv wie möglich gemacht werden. An Ihn sollen
alle Transportwünsche herangetragen werden, denn er hat den Überblick. Auch
wenn Ihr mit euren privaten Autos los fahren wollt sagt ihm Bescheid!
Vielleicht könnt ihr ja was mitnehmen oder abholen! Auch solltet Ihr
versuchen eigenständige Fahrgemeinschaften zu bilden.
Dringend möchten wir euch auf ein großes Problem hinweisen. In der Regel
beginnen die Arbeitsprojekte in der Woche 9.00 Uhr und dauern bis 13.00 Uhr.
Für die TeilnehmerInnen an den Arbeitsprojekten ist pünktlich 8.30 Uhr
ist Abfahrt!
Also steht, wenn um 7.00 Uhr der Camplautsprecher ein Kinderhörspiel plärrt,
auf. Dann habt ihr noch genügend Zeit euer Frühstück zu bekommen. Also, das
erleichtert erfahrungsgemäß unser gesamtes politisches Agieren dieses Tages,
wenn wir nicht wegen Terminverschiebungen bestimmte Projekte nur schlecht
oder auch gar nicht durchführen können.
Veranstaltungen
Dieser Verantwortungsbereich umfasst die Vorbereitung und technische
Durchführung aller geplanter und spontaner Veranstalt-
ungen. Zur richtigen Zeit die richtige Technik zu Verfügung haben, den
Abholung und Unterbringung von Gästen und ReferentInnen zu veranlassen, der
Pressegruppe die richtigen Termine zur Veröffentlichung geben.... das alles
muss dieser Mensch gewährleisten. Aber allerdings nicht allein. Also wenn
ihr mal von ihr angesprochen werdet, dann denkt daran was dieser Mensch
alles um die Ohren hat. Dieser Mensch hat schließlich auch nur einmal Urlaub
im Jahr! Ihr könnt ihr natürlich auch einfach so eure Hilfe anbieten.
Finanzen
Wie alle Verantwortungsbereiche wird dieser Bereich aus der
Vorbereitungsgruppe heraus organisiert. Dort ist eine besondere Kompetenz
von Nöten die nicht von Tag zu Tag wechseln kann. Daher verbleibt der
Finanzverantwortliche des Vorbereitungskreises in seiner Funktion. Dort
wurde er übrigens auch gewählt. Trotz dem ist er dem Plenum gegenüber
rechenschaftspflichtig. Allerdings nur so weit wie er Auskunft über die
Durchführbarkeit der mit unseren politischen Aktivitäten verbundenen
finanziellen Aufwendungen geben muss! Im übrigen ist auch bei dieser Aufgabe
Hilfe erwünscht.
Arbeitsprojekte
Bei jedem Arbeitsprojekt muss es jemanden geben die den Überblick über die
gemachten Arbeiten hat. Welche Werkzeuge werden am nächsten Tag benötigt?
Brauchen wir bei diesem Projekt zahlenmäßig mehr Hilfe? Wann soll der
Kleinbus kommen um die Werkzeuge abzuholen? Das sind Probleme, die diese
Verantwortlichen lösen müssen. Abschließend zum Camp müssen sie auch noch
einen Bericht schreiben. Beim Plenum sollten Sie jeden Tag über den Stand
der Dinge und eventuelle Ereignisse berichten. Auch Sie sind abwählbar. Das
ist alles! Wir würden uns aber sehr freuen, wenn sich dieses Jahr einmal
eine oder mehrere Arbeitsgruppen kollektiv organisieren würden, also in der
Gruppe die Arbeit dieser Verantwortlichen planen und ausführen. Die
jeweiligen ArbeitsprojektleiterInnen können auch über die inhaltliche
Motivation Auskunft geben, warum und weshalb gerade dieses Arbeitsprojekt
ins Konzept des Antifacamps passt.
Wache
Das Camp muss sich schützen! Im wesentlichen gegenüber Nazis, Bullen und
Staatsschutz. Deshalb gibt es dafür auch einen Verantwortungsbereich. Dort
ist Verbindlichkeit besonders angesagt. Wer Wache macht, der hat zum Antritt
nüchtern zu sein und das auch bis zum Ende der Wache zu bleiben. Keine
Angst. Pausen und Schlafzeiten sind gewährleistet. Wie kein anderer Bereich
ist dieser von der Teilnahme der Antifacamper abhängig. Es ist notwendig, das
jede/r einmal eine Wachschicht mitmacht. Also meldet euch bei dem
Verantwortlichen!!! Wie genau das Sicherheitskonzept umgesetzt wird, wird an
dieser Stelle nicht erwähnt
Küche
Das Essen für ca. 250-300 Leute zu kochen ist die eine Seite. Aber die
Aufgabe beinhaltet auch Planung und enge Zusammenarbeit mit dem "Transport"
und den "Finanzen". Es gibt TeilnehmerInnen der letzten Jahre, die über
einen ausreichenden Erfahrungsschatz diesbezüglich verfügen. Also! Niemand
der Aufgaben übernimmt wird allein gelassen. Das notwendige Equipment ist
vorhanden. Jeden Tag werden überdies Leute gebraucht die auch mal früh
aufstehen und Essen machen. Also geht auch mal so zwischendurch zur "KüchenverantwortlIchen"
und sprecht sie/ihn an ob und wie ihr helfen könnt!
Ansprechperson für Frauen
Diese Aufgabe wird von einer Frau besetzt werden! Sie hat die Aufgabe eine
ständig, auch nichtöffentlich ansprechbare Person zu sein der sich Frauen
und Mädchen vorbehaltlos anvertrauen können. Damit soll die Hemmschwelle,
die nicht ohne Grund bei Frauen und Mädchen existiert, abgebaut werden,
offenen und verdeckten Sexismus im Camp anzusprechen. Natürlich entlastet
euch das nicht davon bei sexistischen Verhaltensweisen selbst aktiv zu
werden.
Soweit zu den Aufgaben die von uns allen im Camp übernommen werden müssen.
Einige allgemeine Verhaltensweisen erwartet das Camp allerdings von
seinen Teilnehmern, aus gutem Grund, wie ihr gleich lesen werdet.
Gewalt wird auf dem Camp nicht geduldet! Wer seine Probleme gegenüber
CampteilnehmerInnen mit Gewalt durchsetzen will, ist bei uns nicht nur an
der falschen Adresse, sondern fliegt sofort vom Camp!
Sexistisches Verhalten wird von uns in keiner Weise toleriert! Uns ist klar
das auch wir nicht frei sind von Sexismus, deshalb ist es unsere besondere
Pflicht uns damit auch unter uns Auseinanderzusetzen. Sexismus betrifft
beide Geschlechter! Uns ist allerdings klar, und das sind auch unsere
Erfahrungen, dass das eigentliche Problem im wesentlichen junge Frauen
betrifft.
Deshalb praktizieren wir folgendes:
-
Unser Camp und auch seine
Aktionen sind auch Frauen-Aktionen und deshalb müssen sich Frauen auch bei
allem sicher fühlen können.
-
Jede/r Teilnehmer, der
sexistisches Verhalten sieht, soll sich eindeutig parteiisch und solidarisch
gegenüber der Frau verhalten.
-
Jeder Mann der Frauen und
Mädchen angreift, belästigt oder sonst wie einschränkt, fliegt sofort vom
Camp bzw. von allen gemeinsamen Aktionen, und reist auf der Stelle ab!
-
Es wird nur, nach einem
Gespräch mit der "Ansprechperson für Frauen", der von der betroffenen Frau
geforderte Umgang praktiziert!
| Also - Herzlich
willkommen und auf ein erfolgreiches ANTIFA CAMP! |
|
Tod dem
Faschismus!!! |
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Infoblattes als PDF
ARCHIV
Aufruf zum 15.
Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald
26.07. - 02.08. 2003
>Antifa heißt Workcamp - und das schon 13 Jahre<
Zum ersten Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald 1990 waren es gerade einmal
eine handvoll Leute mit DDR-Sozialisation, die sich zusammenfanden, um auf
dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald ein Workcamp
durchzuführen.
Seit dem hat sich das Camp nicht nur quantitativ weiterentwickelt, in den
letzten Jahren konnten jeweils mehrere hundert TeilnehmerInnen gezählt
werden, sondern darüber hinaus erlangten historische Forschungsprojekte und
selbstredend zahlreiche Veranstaltungen mit geschichtlichem und
aktuell-politischen Bezug, Demos und Events im öffentlichen Raum Weimars,
eine immer größere Bedeutung .
> Von der Stadt der Klassiker zum Ettersberg <
Nicht von ungefähr findet das Antifa-Workcamp alljährlich in Weimar statt.
Die Stadt im Thüringischem ist vor allem wegen ihren historischen Bezügen zu
den Klassikern deutscher Lyrik- und Theaterkultur - Stichwort: Goethe und
Schiller - international ein Begriff. Das schöngeistige Tradition keine
wirkliche Immunisierung gegen deutschnationale Blut- und Bodenideologie
darstellt, musste der weltberühmte und progressive Architektur- und
Kunststil Bauhaus schmerzhaft erfahren. Die reaktionären Vor- und Mitläufer
(Deutschnationale Volkspartei) der späteren Nationalsozialisten zwangen das
Bauhaus bereits 1925 zur Emigration nach Dessau. Lange vor der
Machtübertragung an die NSDAP in Berlin saßen die Nazis in Thüringen schon
fest im Sattel. Ab 1930 zunächst in einer Koalitionsregierung, stellt die
NSDAP nach den Landtagswahlen 1932 die Landesregierung mit dem später als
Kriegsverbrecher verurteilten und hingerichteten Fritz Sauckel an der
Spitze.
Unter den Augen Goethe und Schillers und vor allem der Weimarer
EinwohnerInnen, mussten politische GegnerInnen des Naziregimes,
Kriegsgefangene, Juden und andere Verfolgte des NS-Terrors ab 1937 den Weg
in das Konzentrationslager Buchenwald auf den Ettersberg antreten.
60.000 Menschen überlebten dort die Barbarei der Nazis nicht.
>Geschichtsrevisionismus und andere Grausamkeiten<
Seit dem Ende der DDR wurde die Gedenkstätte des ehemaligen
Konzentrationslagers Buchenwald das Lieblingsprojekt von rechten
Geschichtsrevisionisten alle Couleur. Nach der, hier zugegebenermaßen etwas
verkürzt dargestellten, Gleichung: "Rot=Braun, Stalin=Hitler,
Konzentrationslager=Gulag" haben die geschichtlichen Säuberungs- und
Verdrehungsakrobaten die Gedenkstätte zu ihrem wahren El Dorado auserkoren.
Am Beispiel des sowjetischen Internierungslager, dass 1945 wie viele
ähnliche Lager auch, auf Beschluss der Potsdamer Konferenz auf dem
Ettersberg eingerichtet wurde, kulminiert diese Stoßrichtung am
offensichtlichsten. Trotz dem wissenschaftlichen Nachweis, dass in dem
Internierungslager zu 80 % schuldige Deutsche saßen, also zivile
Funktionsträger der Nazis, hohe Wehrmachtsangehörige, Mitglieder der SS, des
SD und der GESTAPO, werden die ewiggestrigen Kompanien von CDU bis zum
Trachtenverein "Opfer des Stalinismus" nicht müde, die "unschuldigen Opfer"
zu beklagen. Dies ist nicht nur eine Relativierung der singulären
nationalsozialistischen Verbrechen, sondern reiht sich nahtlos in Bemühungen
ein, einen deutschen Opfermythos zu kultivieren.
>Oral History , Antisemitismus von Links und Wunschfilmbox<
Das diesjährige Antifa-Workcamp hat wieder jede Menge zu bieten. Neben den
praktischen Arbeitsprojekten auf und an der Gedenkstätte Buchenwald, u. A.
im ehemaligen Steinbruch, den Gustloff-Werken (ehemaliger Rüstungsbetrieb in
Buchenwald) und dem so genannten Pferdestall (Genickschussanlage, in der
Tausende Häftlinge ermordet wurden), gibt`s selbstredend zahlreiche
Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugengespräch mit einem
ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers gehört genau so zum Programm,
wie die Beschäftigung mit der Thematik "Antisemitismus von Links" oder ein
Vortrag zu neonazistischen Strukturen in Thüringen. Ein Projekt wird darüber
hinaus zum nachweislich ersten Konzentrationslager im III. Reich, Nohra bei
Weimar, forschen. Für Kurzweil und Party sorgen zum Beispiel das Eröffnungs-
und Abschlusskonzert oder das tägliche Campkino mit Wunschfilmbox.
>Wir machen wirklich (e) Arbeit<
Abseits vom Camp-Programm erschließen sich für Leute die keinen Bock auf
Arbeitsprojekte haben, gerade in Weimar zahlreiche Möglichkeiten,
Antifaschismus praktisch werden zu lassen. Mit einem Spritzerchen
Kreativität und Elan sind viele öffentliche Aktionen und Events denkbar. Das
exorbitant hohe Touristenaufgebot und die hiesige Naziszene sind für etwaige
Action genau der richtige Rahmen.
>Organisatorisches<
Das Camp beginnt am 26. Juli und endet am 02. August 2003. Natürlich können
Leute, die nicht über den gesamten Zeitraum können, auch tageweise
vorbeischauen. Der Unkostenbeitrag beträgt € 7,00 pro Tag/TeilnehmerIn
(Geländemiete, Miete für sanitäre Einrichtungen, Verpflegung etc.). Zelte
und die entsprechenden Campingutensilien bitte nicht vergessen. Die Anreise
ist ab 26. Juli, täglich ab 10.00 Uhr, in der Gerberstraße 01 in Weimar
(besetztes Haus im Stadtzentrum) möglich. Von dort wird es einen
Shuttle-Dienst zum eigentlichen Campgelände geben.
Wer konkretere Infos und den genauen Programmablauf haben möchte, kann sich
vertrauensvoll an oben genannte Kontaktmöglichkeiten wenden.
Mit antifaschistischen Grüßen
Vorbereitungskreis Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald 2003
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download des Aufrufes als PDF
Veranstaltungsüberblick
Es finden während der Zeit des 15. Workcamps
folgende Veranstaltungen statt:
-
Gedenkstättenführungen,
-
Zeitzeugengespräch,
-
Veranstaltung zum
christlichen Widerstand in Buchenwald (von Heiner Fink)
-
Veranstaltung zu
Hartz-Gesetzen (über staatlich orientierte Leiharbeit zur
Zwangsarbeit für Jugendliche)
-
Lieder der Revolution
-
Veranstaltung zu rechten
Strukturen in Thüringen
-
Infoveranstaltung zur
Bundeswehrreform
-
Vortrag von Sinti und Roma
mit Swing-Band
-
Lesung zum spanischen
Bürgerkrieg (von Victor Grossmann)
-
Vortrag zum KZ Nohra
-
Veranstaltung zu Frauen im
Widerstand
-
Veranstaltung zum
Antisemitismus von Links
-
Quiz : "Wer wird
Revolutionär?"
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download der
Veranstaltungsübersicht als PDF
Bericht einer
Teilnehmerin am 14. Antifa Workcamp
Wie mache ich das nur?
Wie erkläre ich dir, dass du dir im nächsten Juli eine Woche frei nehmen
sollst, um zu arbeiten?
Nein! Nicht irgendwelche Arbeit. Du wirst helfen aufzubauen oder abzureißen,
je nachdem. Es wird teilweise hart und anstrengend werden und du wirst
schwitzen und deine Knochen spüren, Steine schleppen, Bäume fällen, Wege
freilegen, Unkraut jäten und die Maurerkelle schwingen. Das zumindest haben
wir in diesem Juli gemacht im Steinbruch, am Bahndamm, in den zerbombten
Gustloff-Werken oder am Pferdestall. Kommen dir die Namen bekannt vor? Hast
du sie schon mal im Zusammenhang mit dem KZ Buchenwald gehört? Dann bist du
vollkommen richtig. Hast du sie noch nicht gehört, dann erst recht. Dort wo
du nächstes Jahr auch sein wirst: beim Antifa-Workcamp in Weimar!
Nein, keine Angst - mit diesen Arbeiten wirst du dich, wie wir auch,
höchstens 4 Stunden am Tag abplagen müssen und es wird auch andere
Betätigungsmöglichkeiten für dich geben. So gab es z.B. eine Gruppe, die im
Archiv der Gedenkstätte recherchiert hat. In diesem Jahr beschäftigten sie
sich mit dem "Speziallager 2", dem sogenannten "stalinistischen
Zwangslager", auf das sich die neue Gedenkstättenleitung so sehr gestürzt
hat, um nachzuweisen, dass eben beide "Extreme" - ob braun oder rot -
verbrecherisch seien. Tja, und diese Gruppe schaute eben mal genauer nach,
wer denn da alles so "interniert" und was diese "Opfer" für Dreck am Stecken
hatten. Neugierig? Es wird dazu bald eine Broschüre geben. Schau sie dir an!
Die nächste Broschüre wartet auf deine Mitarbeit! Und es gibt noch massig
viel Themen. So wollen wir nächstes Jahr neue Grundmauern von Gebäuden im
Steinbruch freilegen. Bis jetzt gibt es nur ein paar Fotos. Was waren das
für Gebäude? Welche Aufgabe hatten sie? Gibt es Unterlagen? Die
Gustloff-Werke, wo Waffen und Munition hergestellt wurden, sind total
zugewachsen. Dort warten auch noch eine Menge Recherchen und
Freilegearbeiten auf uns.
Ja, und dann die Arbeiten am und im Camp selbst: in der Küche helfen, Wache
schieben, Camp-Zeitung schreiben, Leute oder Lebensmittel transportieren,
organisieren, koordinieren und was nicht alles noch ... Es gab nachmittags
und abends Veranstaltungen mit Zeitzeugen, wie z.B. Kurt Goldstein, oder zu
äußerst aktuellen Themen, wie den Schily-Paketen oder der Bundeswehr- und
BRD-Totalverweigerung Ringo Ehlerts, aber auch zu dem von der neuen
Gedenkstättenleitung gepflegten Geschichtsrevisionismus.
Das muss auch alles geplant und/oder besucht werden. Abends musst du dann
noch am Lagerfeuer oder in der provisorischen Kneipe sitzen, mit jedem Bier
die Campkasse unterstützen und dich mit interessanten Leuten, jungen und
junggebliebenen Antifaschisten unterhalten.
Habe ich schon erwähnt, dass das natürlich alles freiwillig ist?! Du musst
nicht! Wirst es aber gern tun, weil du nur dann merken kannst, wie das
gemeinsame Arbeiten, Diskutieren und Durst löschen zusammenschweißt, so dass
du 2004 wieder unbedingt dabei sein willst!
PS:
-
Durch die Arbeit der
Antifa-Workcamps der letzten Jahre wurde die Gedenkstättenleitung einfach
vor unumkehrbare Tatsachen gestellt: Jetzt gibt es Wege und Schilder an
Stellen, die man vor kurzem noch gern in der Versenkung der Geschichte
gesehen hätte, unter Unkraut und Vergessen.
-
Die Stadt Weimar legt dem
Vorbereitungskreis von Jahr zu Jahr mehr Steine in den Weg. Jedes Jahr
wird gebangt, ob es überhaupt wieder eine Platz zum Campen geben wird.
-
Den Menschen in Weimar
ist es zum größten Teil egal, was wir tun. Unsere Aufgabe ist es zu
zeigen, dass es eben nicht egal sein darf!
-
Wir zeigen Flagge und
zwar eine Farbe, die man nur noch selten sieht: ROT, statt Braun oder dem
Grau der Gleichgültigkeit.
Alles Gründe, weshalb es so
wichtig ist, dorthin zu kommen!
Ich hoffe ich konnte dich überzeugen.
Anita
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Bericht eines
Teilnehmers am 13. Antifa Workcamp
Wie schon in den vergangen Jahren beteiligte
sich die FDJ auch dieses Jahr wieder am Antifa-Workcamp Buchenwald. Als
Gäste und Freunde konnten wir auch zwei junge Genossen des Bundes Polnischer
Kommunisten „Proletariat“ begrüßen.
Dieses Jahr begann das Camp am Samstag, dem 21. Juli und endete am
darauffolgenden Samstag. Wie immer arbeiteten die Campteilnehmer vormittags
auf der Gedenkstätte und an den Nachmittagen fanden dann viele gute
Veranstaltungen und Diskussionen statt.
In diesem Jahr war die FDJ leider nicht so zahlreich dabei wie im letzten
Jahr, weil die meisten Genossen im August zu den 15. Weltfestspielen der
Jugend und Studenten nach Algerien reisten. Trotzdem bot die FDJ drei
Veranstaltungen an und war mit einem Büchertisch vertreten.
Wie immer gab es am Tag der Anreise ein Eröffnungsplenum, das die Regeln,
die Verantwortlichen, die geplanten Tätigkeiten und Veranstaltungen während
der Woche festlegte. Die allabendlichen Plenen zerrten während der Woche an
vielen Nerven.
Am Sonntag Morgen gab es zwei von Campteilnehmern organisierte Führungen
über die Gedenkstätte. Auf dem Rundgang hörten und sahen wir folgendes: Nach
der Selbstbefreiung war das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald als
Internierungslager für Amts- und Ordensträger des Dritten Reiches genutzt
worden. Insgesamt waren im Internierungslager bis 1950 28.500 Menschen
inhaftiert. Die internierten Faschisten waren, genau wie der Rest der
Bevölkerung auch, Hunger und Krankheiten ausgesetzt. 7.000 starben im
Internierungslager – nachweislich wurde niemand ermordet. Zum Gedenken an
die toten Faschisten wurden in den 90ern 880 Edelstahl-Stelen im Wert von
zig tausend Mark aufgestellt – die Faschisten werden in der BRD zu armen
Opfern gemacht, die Häftlinge der Konzentrationslager verhöhnt!
Am Abend traten die Roten Trillerpfeifen, die Agitprop-Truppe der FDJ, auf.
Man hatte viel Spaß beim Singen von kämpferischen Arbeiterliedern. Sie
trugen uns ihr Programm für Algerien vor, aber als dieses sich dem Ende
zuneigte und es hieß, daß sie Schluß machen wollten, weil sie sich auf den
Heimweg machen müßten, wurden sie vom Publikum überstimmt und so wurde der
Abend zu einem schön ausklingendem Singeabend. Danach traten die Rotris wie
bei fast jedem Auftritt ihre Heimreise viel später an als geplant.
Am nächsten Tag erlebten die Teilnehmer ein böses Erwachen, als sie um 7.30
Uhr durch den Lautsprecher aus ihren Träumen gerissen wurden, was sie in den
nächsten Tagen noch öfter erleiden sollten.
Dann ging es um 8.30 Uhr zum ersten Mal zu den Arbeitsprojekten an der
Gedenkstätte. Die Arbeitsgruppen waren dieses Jahr der Steinbruch, die
Postenkette, der Pferdestall, die Gustloffwerke, der Bahndamm und zwei
Arbeitsgruppen im Archiv (DDR-Ausstellung, Internierungslager).
Im Steinbruch wurde die Bruchkante weiter freigelegt und Fundamente von
Unkraut befreit. Im Steinbruch hatten die unterernährten Häftlinge arbeiten
müssen, was für die meisten das Todesurteil bedeutete. Im Laufschritt mußten
sie Karren voll Steinen und Schutt aus dem Steinbruch befördern. Die
Schergen der SS nahmen ihnen häufig die Mützen ihrer Uniformen weg und
warfen sie über die Postenkette. Da die Häftlinge beim Verlust der Mützen
furchtbare Strafen erwarten mußten, rannten sie den Mützen hinterher, hinter
die Postenkette und wurden erschossen. In den Akten der Häftlinge wurde dann
„auf der Flucht erschossen“ vermerkt. Die Postenkette war zum ersten Mal ein
Arbeitsprojekt. Dort wurden Bäume gefällt und ein Teil eines Weges
freigelegt. Am Pferdestall, in dem über 8.000 Rotarmisten durch Genickschuss
ermordet worden waren, wurden die in den 60er Jahren von der Gedenkstätte
neu hochgezogenen Grundmauern (ca. 70cm) teilweise abgetragen, Schäden
beseitigt und neu vermauert. Bei den Gustloffwerken, dort mußten die
Häftlinge des Konzentrationslagers in der Rüstungsproduktion arbeiten,
wurden ein Rundweg angelegt und Fundamente freigelegt. Aus den
Gustloffwerken hatten die Häftlinge in Einzelteile zerlegte Waffen ins Lager
geschmuggelt und sich so auf die Selbstbefreiung vorbereitet. Die
Rüstungsproduktion war auch ein Ort des Widerstandes, denn hier wurde von
den Häftlingen Sabotage betrieben, um nicht das Mordwerkzeug für die
Wehrmacht herzustellen. Der Bahndamm wurde erneut vom Unkraut befreit. In
der Arbeitsgruppe Internierungslager wurden Namen heraus- geschrieben und
versucht, mehr über die Insassen zu erfahren. Eine andere Gruppe im Archiv
sichtete Bilder und Texte der alten DDR-Ausstellung.
Am Montag Nachmittag waren zwei ehemalige Häftlinge, Ottomar Rotmann und
Klaus Trosdorf, bei uns und erzählten von der Zeit in Buchenwald und der
Selbstbefreiung. Sie berichteten unter anderem darüber, daß sich Buchenwald
durch die illegalen Lagerstrukturen der Häftlinge und die Solidarität
zwischen den Gefangenen auszeichnete. Karl Trosdorf war außerdem in der DDR
von 1968 bis 1989 Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Am Abend
fanden dann noch ein Vortrag einer Zeitzeugin aus der Weimarer Bevölkerung
und eine Veranstaltung über die Firma Topf und Söhne statt, die u.a. das
Krematorium in Buchenwald mit Verbrennungsöfen ausgestattet hatte.
Am Dienstag hörten wir einen Vortrag mit dem Thema „Kritik der Ideologie des
Antifaschismus“, in dem die Referenten klarstellten, dass Antifaschismus
mehr sein muß, als nur den Glatzen auf die Pelle zu rücken. Vielmehr müssen
Antifaschisten auch für die Verteidigung bürgerlich-demokratischer Rechte
kämpfen, sich auch in den Gewerkschaften organisieren und in ihnen kämpfen.
Außerdem konnte man noch an einer guten Veranstaltung zu den Weltfestspielen
teilnehmen. Die FDJ zeigte einen Diavortrag über die 14. Weltfestspiele auf
Cuba, berichtete über die Geschichte der Weltfestspielbewegung und darüber,
was die FDJ auf den 15. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Algerien
erreichen wollte.
Danach fanden noch zwei interessante Vorträge über die aktuelle Situation
von politischen Gefangenen in Deutschland und der Türkei statt. Am Freitag
war dann der letzte Arbeitstag, viele der Campteilnehmer fuhren heim und so
waren wir abends nur noch etwa sechzig Linke. An diesem Abend gab es noch
eine Veranstaltung von der FDJ mit dem Thema „Bundeswehr und 3. Weltkrieg“.
Wir hörten unter anderem, daß derzeit 56.000 neue Lazarettbetten für den
Kriegsfall geschaffen werden, daß sich die Bundeswehr mehr und mehr auf ihre
„Kernaufgabe“, das Führen von Kriegen, konzentriert und logistische Aufgaben
in die private Wirtschaft ausgegliedert werden – was eine Militarisierung
der Gesellschaft bedeutet. So sollen die Kollegen der Post AG zukünftig die
Verwaltung und Verteilung von 150.000 Militäruniformen übernehmen.
Am Samstag nahmen die verbliebenen Campteilnehmer noch an einer Demo in
Gotha gegen einen NPD-Aufmarsch teil. In brütender Hitze wurde also
demonstriert, die Polizei schützte wie üblich mit allen Mitteln die
Faschisten, provozierte die Antifaschisten und nahm einige fest. Die
restlichen 36 Teilnehmer, die am Abend noch da waren, redeten und
diskutierten am Lagerfeuer oder in einer stillen Ecke. Am nächsten Morgen
verabschiedeten sich alle und traten die Heimreise an.
Für die Leute, die nicht dabei gewesen sind: Das Camp war alles in allem
super gut und ihr solltet im nächsten Jahr auch mal dabei sein – wenn nicht,
verpasst ihr was!!! Bis dahin!!!!
David
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Bericht eines Teilnehmers am 12. Antifa Workcamp
"Denkt an Buchenwald!"
 Vom
22. bis zum 29. Juli trafen sich in Weimar wieder etwa 200 antifaschistische
Jugendliche um dem antifaschistischen Widerstand im Lager, der
antifaschistischen Solidarität und den Opfern des Konzentrationslagers
Buchenwald zu gedenken und die Mahnung vor dem deutschen Faschismus
wachzuhalten. Wir als FDJ beteiligten uns wieder an der Organisation und
Durchführung des von R.o.t.k.ä.p.c.h.e.n. initiierten Workcamps. In
zahlreichen Arbeitsprojekten legten die Teilnehmer, unter Ihnen 20 FDJler,
des 12. Antifa-Workcamps Weimar/Buchenwald Hand an, um den Verfall der
KZ-Gedenkstätte aufzuhalten und die Stätten der Qual, der Folter und des
Todes zehntausender KZ-Häftlinge als Mahnung zu erhalten. In, an und um die
Gedenkstätte Buchenwald wirkten die Teilnehmer an Ausgrabungen in den
Gustloff-Werken II, Pflege- und Ausgrabungsarbeiten im Steinbruch,
Pflegearbeiten am Damm der Buchenwaldbahn, Maurerarbeiten am ,,Pferdestall"
- der Genickschussanlage im KZ-Buchenwald und an Archivprojekten zum
Internierungslager und zu Frauen und Lesben im KZ. Ich arbeitete im Projekt
Internierungslager mit. Ich möchte das Projekt kurz anreißen: Die
Anti-Hitler-Koalition verständigte sich noch vor dem Ende des zweiten
Weltkrieges darauf: ,,die nazistische Partei, die nazistischen Gesetze,
Organisation und Einrichtung zu liquidieren, alle nazistischen und
militärischen Einflüsse in den öffentlichen Einrichtungen sowie dem
kulturellen und wirtschaftlichen Leben des deutschen Volkes zu beseitigen
und gemeinsam solche anderen Maßnahmen in Deutschland zu ergreifen, wie sie
sich für den künftigen Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt als
notwendig erweisen können." Nach dem Ende des Krieges, auf der Potsdamer
Konferenz (17.7.-2.8.1945) bekräftigten die UdSSR, die USA und
Großbritannien ihre Position. Sie verständigten sich auf einen Katalog von
Entnazifizierungsmaßnahmen im weitesten Sinne. Dazu gehörte die
Verpflichtung zur Ahndung von Nazi- und Kriegsverbrechen. Zusätzlich wurde
vereinbart: "Nazistische Führer, einflussreiche Nazianhänger und das
leitende Personal der nazistischen Einrichtungen und Organisationen sowie
alle anderen Personen, die für die Besetzung und ihre Ziele gefährlich sind,
sind zu verhaften und zu internieren." Nach eigenen Angaben der
Gedenkstättenleitung waren im Internierungslager Buchenwald, 80% der
Internierten öffentliche Funktionsträger des III. Reiches. Sicher waren auch
ein paar Unschuldige interniert, denunziert von solchen Leuten, welche auch
davor Missliebige ins KZ brachten oder heute Asylsuchende wie hier vor Ort
in Ostsachsen beim BGS denunzieren. Diese Tatsache wird gern benutzt, um die
Geschichte umzuschreiben und die Täter zu Opfern hochzustilisieren. Welche
Herren jetzt wieder die Fäden in der Hand haben, konnten wir auf dem
Ettersberg u.a. auch an 800 in den Ettersberg gerammten Edelstahlstelen für
,,die Opfer stalinistischer Gewaltherrschaft" sehen, welche an die
menschenverachtenden Profitmaximierer erinnern, welche in der Zeit von
1945-1950 im Internierungslager starben. Wer sich für die
Rechercheergebnisse im Archiv der Gedenkstätte und aktuelle politische
Vorgaben in Originaldokumenten interessiert, der sei auf den Inforeader in
Auswertung der diesjährigen AG Internierungslager verwiesen (nähere Infos
weiter unten). Nach den Arbeiten fanden Veranstaltungen u.a. mit Heiner
Fink, Stefan Jerzy Zweig, Hanne Hiob, Jürgen Lemke, Gaby Klees, Reinhard
Lembke, the Voice, polnischen Antifaschisten, dem Kabarett ,,Die
Stadtverpfeifer" und der FDJ-Agit-Prop-Gruppe ,,Rote Trillerpfeifen" statt.
Die Möglichkeit, Soldaten der Bundeswehr bei einem öffentlichen Gelöbnis
über ihre Bestimmung aufzuklären, ließen sich die Campteilnehmer ebenso
nicht nehmen wie die tägliche Campzeitung, Lagerfeuer, Quetschenmukke,
Gitarrenklänge, Diskussionen und das Knüpfen von Freundschaften und
Kontakten.
Wessen Tradition sich das
wieder einmal größer gemachte Deutschland verpflichtet fühlt, und die
Umsetzung dessen in der Gedenkstätte Buchenwald ließ in mir bei dessen
Betrachtung und Erleben als erstes Wut, Hass und Ekel aufkommen. Durch die
gemeinsame Arbeit vor Ort, die Beschäftigung mit praktischer Geschichte,
durch Sehen, Fühlen und Denken vermischten sich die Emotionen bald immer
stärker mit neuen Erkenntnissen und Argumenten über die Absichten der
,,Macher" dieser Geschichtspolitik. Den wärmenden, flammenden Schwur von
Buchenwald im Herzen ging es auch dieses Jahr wieder nach Hause, in die
Schule, zu Freunden, zur nächsten Aktion gegen die Annektionspolitik des
deutschen Imperialismus ...
Gunnar
Literaturtips, u.a.:
-
Arbeiterklasse gegen
Faschismus von Georgi Dimitroff (erhältlich über
mail@FDJ.de)
-
Buchenwald - Ein
Konzentrationslager, Carlebach, Schmidt, Schneider,
ISBN 3-89144-271-8
-
Inforeader
Internierungslager, AG Internierungslager 12. Antifa Workcamp
(erhältlich über
Sachsen@FDJ.de, bitte mit Betreff: 1. Reader Internierungslager)
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