Freie Deutsche Jugend
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17. Antifacamp - Weimar / Buchenwald, 23. Juli bis 30. Juli 2005

Wir beteiligen uns wieder am diesjährigen Antifacamp in Buchenwald und stellen hiermit u.a. Informationen des Vorbereitungskreises zur Verfügung.

Das Camp ist ein offenes Antifacamp. Das heißt im wesentlichen das sich antifaschistische Einzelpersonen, Gruppen und Organisationen gleichermassen an der Vorbereitung und Durchführung des Antifacamps beteiligen. Mehr dazu im Infoblatt über die Struktur und das Verhalten auf dem Workcamp!

- Organisatorisches zur Teilnahme und Anmeldung
- Informationsblatt über die Struktur und das Verhalten auf dem Camp
- [PDF

- Website vom Antifacamp mit weiteren Informationen
 

Archiv:

- Fotos vom 16. Antifacamp
- Aufruf zum 16. Antifacamp - [PDF]
- Flyer vom 16. Antifacamp als Bilddatei (jpg)
- Fotos vom 15. Antifa Workcamp
- Aufruf zum 15. Antifa Workcamp - [PDF]
- Veranstaltungsüberblick 15. Antifa Workcamp - [PDF]
-
Bericht vom 14. Antifa Workcamp
- Bericht vom 13. Antifa Workcamp
- Bericht vom 12. Antifa Workcamp

Organisatorisches zur Teilnahme und Anmeldung

Wann: 23. Juli bis 30. Juli 2005,
die Anreise und Teilnahme auch nach dem 23. Juli ist kein Problem
   
Anreise: ab 23. Juli, 10Uhr, Gerberstr.1, Weimar
   
Kosten: pro Tag 7€
   
Mitzubringen ist: Zelt, Isomatte, Schlafsack, Besteck, Trinkgefäß, Geschirr, Arbeitssachen und gute Laune
   
Anmeldung: über Antifacamp@yahoo.de oder vor Ort möglich

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Informationsblatt über die Struktur und das Verhalten auf dem Antifacamp

Das Camp findet seit 1990 statt. Das ist eine lange Zeit, in der wir an unserer Praxis herausfinden konnten was funktioniert und was nicht. Diese Informationen und grundsätzlichen Regeln haben wir für euch zusammengestellt um euch die Beteiligung am Camp zu erleichtern und auch um euch Rückhalt zu geben wenn ihr Probleme mit dem Camp, seiner politischen Tätigkeit oder auch einzelnen TeilnehmerInnen habt. Nun zum Wesentlichen!
Im Camp hat jeder und jede eine Stimme und Verantwortung. Es ist basisdemokratisch strukturiert und es gibt keinen "Führungsklüngel", sondern VerantwortungsträgerInnen, die sind wählbar und gegenüber allen rechenschaftspflichtig.

Wir haben ein oberstes Entscheidungsgremium. Das Plenum!

Das Plenum: Es findet täglich zur gleichen Zeit statt. Währenddessen laufen keine Veranstaltungen. Das heißt jede/r hat die Möglichkeit an ihm teilzunehmen. Ist aber keine Pflicht! Eröffnet wird das Plenum durch das Vorschlagen und Finden einer Person die, die Redeleitung übernimmt. Diese Redeleitung soll täglich rotieren! Danach werden von der Redeleitung Themen gesammelt, über die im Plenum diskutiert werden soll, die sogenannte Tagesordnung. Eine ebenfalls vom Plenum bestimmte ProtokollantIn schreibt die Beschlüsse des Plenums auf. Beim Eröffnungsplenum berichtet zuallererst eine VertreterIn des Vorbereitungskreises über die aktuelle Situation des Camps. Danach werden aus den TeilnehmerInnen heraus "VerantwortungsträgerInnen" gewählt. Diese haben funktionelle Aufgaben für das Camp zu erledigen. Genaueres dazu später. Diese Verantwortungsträger sind zwischen den Plena für die Aufgaben die ihnen das Plenum auferlegt hat zuständig, können aber auch eigenständige Entscheidungen treffen, wenn es die Situation erfordert. Diese "VerantwortungsträgerInnen" sind jedem vom Camp während des Plenums rechenschaftspflichtig. Somit sind "VerantwortungsträgerInnen" auch jederzeit abwählbar. Wer einen Redewunsch hat der meldet diesen bei der Redeleitung mit einem Handzeichen an. Geschlossen wird das Plenum durch die Redeleitung, wenn alle Tagesordnungspunkte ausreichend diskutiert wurden. Getroffene Beschlüsse werden innerhalb eines Plenums nicht mehr aufgegriffen.

"Verantwortungsträger" Die vergangene Praxis hat gezeigt, das für folgende Bereiche eine durchgängige Arbeit, Vorbereitung und Verantwortlichkeit notwendig ist.

SprecherInnerat, Pressegruppe, Transport, Veranstaltungen, Ansprechperson für Frauen,
Finanzen, Arbeitsprojekte, Wache, Küche

SprecherInnerat
Das sind 3 gewählte TeilnehmerInnen, die zwischen den Plena Kontakte zu offiziellen Stellen wie z.B. Gedenkstättenleitung und anderen Ämtern wahrnehmen, so sie denn nicht zu vermeiden sind. Der SprecherInnenrat kann auch aufgrund aktueller Ereignisse Entscheidungen treffen, die das Plenum noch nicht diskutiert hat. Er muss diese Entscheidungen allerdings auch verantworten können! Der SprecherInnenrat ist dem Plenum untergeordnet, ihm gegenüber rechenschaftspflichtig und ist einzeln oder gänzlich abwählbar.

Pressegruppe
Die Pressegruppe realisiert alle Pressekontakte des Camps, weil sie über die gesammelten Meinungen und Informationen diesbezüglich verfügt. Dort werden Presseerklärungen und Interviewwünsche entgegengenommen, Flugblätter gestaltet und nicht zuletzt die Campzeitung produziert. Die Pressegruppe nimmt in Zusammenarbeit mit anderen "VerantwortungsträgerInnen" ihre Aufgabe eigenständig wahr. Auch sie muss das Plenum täglich über das von ihr Gemachte und Gewünschte (bezieht sich beispielsweise auf Intewievwünsche zu übermorgen) unterrichten und auch sie ist abwählbar. Dort ist genügend Technix vorhanden um Texte zu schreiben, Flugblätter zu machen oder die Zeitung zu gestalten. Alle können dort ihre Texte schreiben!!! Das ist besonders erwünscht, dass z.B. Berichte über eine Demo von "allen CampteilnehmerInnen" geschrieben wird.

Transport
Der Transportverantwortliche koordiniert die täglichen Fahrten zu unseren Arbeitsprojekten und zu den Orten unserer sonstigen politischen Aktivitäten. Einkaufsfahrten, Abholungen vom Bahnhof, etc. Er soll erreichen das notwendige Fahrten so effektiv wie möglich gemacht werden. An Ihn sollen alle Transportwünsche herangetragen werden, denn er hat den Überblick. Auch wenn Ihr mit euren privaten Autos los fahren wollt sagt ihm Bescheid! Vielleicht könnt ihr ja was mitnehmen oder abholen! Auch solltet Ihr versuchen eigenständige Fahrgemeinschaften zu bilden.
Dringend möchten wir euch auf ein großes Problem hinweisen. In der Regel beginnen die Arbeitsprojekte in der Woche 9.00 Uhr und dauern bis 13.00 Uhr. Für die TeilnehmerInnen an den Arbeitsprojekten ist pünktlich 8.30 Uhr ist Abfahrt!
Also steht, wenn um 7.00 Uhr der Camplautsprecher ein Kinderhörspiel plärrt, auf. Dann habt ihr noch genügend Zeit euer Frühstück zu bekommen. Also, das erleichtert erfahrungsgemäß unser gesamtes politisches Agieren dieses Tages, wenn wir nicht wegen Terminverschiebungen bestimmte Projekte nur schlecht oder auch gar nicht durchführen können.

Veranstaltungen
Dieser Verantwortungsbereich umfasst die Vorbereitung und technische Durchführung aller geplanter und spontaner Veranstalt-
ungen. Zur richtigen Zeit die richtige Technik zu Verfügung haben, den Abholung und Unterbringung von Gästen und ReferentInnen zu veranlassen, der Pressegruppe die richtigen Termine zur Veröffentlichung geben.... das alles muss dieser Mensch gewährleisten. Aber allerdings nicht allein. Also wenn ihr mal von ihr angesprochen werdet, dann denkt daran was dieser Mensch alles um die Ohren hat. Dieser Mensch hat schließlich auch nur einmal Urlaub im Jahr! Ihr könnt ihr natürlich auch einfach so eure Hilfe anbieten.

Finanzen
Wie alle Verantwortungsbereiche wird dieser Bereich aus der Vorbereitungsgruppe heraus organisiert. Dort ist eine besondere Kompetenz von Nöten die nicht von Tag zu Tag wechseln kann. Daher verbleibt der Finanzverantwortliche des Vorbereitungskreises in seiner Funktion. Dort wurde er übrigens auch gewählt. Trotz dem ist er dem Plenum gegenüber rechenschaftspflichtig. Allerdings nur so weit wie er Auskunft über die Durchführbarkeit der mit unseren politischen Aktivitäten verbundenen finanziellen Aufwendungen geben muss! Im übrigen ist auch bei dieser Aufgabe Hilfe erwünscht.

Arbeitsprojekte
Bei jedem Arbeitsprojekt muss es jemanden geben die den Überblick über die gemachten Arbeiten hat. Welche Werkzeuge werden am nächsten Tag benötigt? Brauchen wir bei diesem Projekt zahlenmäßig mehr Hilfe? Wann soll der Kleinbus kommen um die Werkzeuge abzuholen? Das sind Probleme, die diese Verantwortlichen lösen müssen. Abschließend zum Camp müssen sie auch noch einen Bericht schreiben. Beim Plenum sollten Sie jeden Tag über den Stand der Dinge und eventuelle Ereignisse berichten. Auch Sie sind abwählbar. Das ist alles! Wir würden uns aber sehr freuen, wenn sich dieses Jahr einmal eine oder mehrere Arbeitsgruppen kollektiv organisieren würden, also in der Gruppe die Arbeit dieser Verantwortlichen planen und ausführen. Die jeweiligen ArbeitsprojektleiterInnen können auch über die inhaltliche Motivation Auskunft geben, warum und weshalb gerade dieses Arbeitsprojekt ins Konzept des Antifacamps passt.

Wache
Das Camp muss sich schützen! Im wesentlichen gegenüber Nazis, Bullen und Staatsschutz. Deshalb gibt es dafür auch einen Verantwortungsbereich. Dort ist Verbindlichkeit besonders angesagt. Wer Wache macht, der hat zum Antritt nüchtern zu sein und das auch bis zum Ende der Wache zu bleiben. Keine Angst. Pausen und Schlafzeiten sind gewährleistet. Wie kein anderer Bereich ist dieser von der Teilnahme der Antifacamper abhängig. Es ist notwendig, das jede/r einmal eine Wachschicht mitmacht. Also meldet euch bei dem Verantwortlichen!!! Wie genau das Sicherheitskonzept umgesetzt wird, wird an dieser Stelle nicht erwähnt

Küche
Das Essen für ca. 250-300 Leute zu kochen ist die eine Seite. Aber die Aufgabe beinhaltet auch Planung und enge Zusammenarbeit mit dem "Transport" und den "Finanzen". Es gibt TeilnehmerInnen der letzten Jahre, die über einen ausreichenden Erfahrungsschatz diesbezüglich verfügen. Also! Niemand der Aufgaben übernimmt wird allein gelassen. Das notwendige Equipment ist vorhanden. Jeden Tag werden überdies Leute gebraucht die auch mal früh aufstehen und Essen machen. Also geht auch mal so zwischendurch zur "KüchenverantwortlIchen" und sprecht sie/ihn an ob und wie ihr helfen könnt!

Ansprechperson für Frauen
Diese Aufgabe wird von einer Frau besetzt werden! Sie hat die Aufgabe eine ständig, auch nichtöffentlich ansprechbare Person zu sein der sich Frauen und Mädchen vorbehaltlos anvertrauen können. Damit soll die Hemmschwelle, die nicht ohne Grund bei Frauen und Mädchen existiert, abgebaut werden, offenen und verdeckten Sexismus im Camp anzusprechen. Natürlich entlastet euch das nicht davon bei sexistischen Verhaltensweisen selbst aktiv zu werden.

Soweit zu den Aufgaben die von uns allen im Camp übernommen werden müssen.

Einige allgemeine Verhaltensweisen erwartet das Camp allerdings von seinen Teilnehmern, aus gutem Grund, wie ihr gleich lesen werdet.

Gewalt wird auf dem Camp nicht geduldet! Wer seine Probleme gegenüber CampteilnehmerInnen mit Gewalt durchsetzen will, ist bei uns nicht nur an der falschen Adresse, sondern fliegt sofort vom Camp!
Sexistisches Verhalten wird von uns in keiner Weise toleriert! Uns ist klar das auch wir nicht frei sind von Sexismus, deshalb ist es unsere besondere Pflicht uns damit auch unter uns Auseinanderzusetzen. Sexismus betrifft beide Geschlechter! Uns ist allerdings klar, und das sind auch unsere Erfahrungen, dass das eigentliche Problem im wesentlichen junge Frauen betrifft.

Deshalb praktizieren wir folgendes:

  • Unser Camp und auch seine Aktionen sind auch Frauen-Aktionen und deshalb müssen sich Frauen auch bei allem sicher fühlen können.

  • Jede/r Teilnehmer, der sexistisches Verhalten sieht, soll sich eindeutig parteiisch und solidarisch gegenüber der Frau verhalten.

  • Jeder Mann der Frauen und Mädchen angreift, belästigt oder sonst wie einschränkt, fliegt sofort vom Camp bzw. von allen gemeinsamen Aktionen, und reist auf der Stelle ab!

  • Es wird nur, nach einem Gespräch mit der "Ansprechperson für Frauen", der von der betroffenen Frau geforderte Umgang praktiziert!

Also - Herzlich willkommen und auf ein erfolgreiches ANTIFA CAMP!

Tod dem Faschismus!!!

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ARCHIV


Aufruf zum 16. Antifa-Camp - Download als PDF (440kB)Aufruf zum 16. Antifa-Camp Weimar/Buchenwald
24.07. - 31.07. 2004

>Neue Verpackung und kein antiquierter Inhalt<
Erstmals treten wir in 2004 unter dem Label „Antifa-Camp“ in Erscheinung.
Auf den Zusatz „Work“-Camp verzichten wir konzeptionell gewollt. Dies ist nicht etwa einer klein-bürgerlichen Laune gewidmet, sondern Ergebnis eines langwierigen Diskussionsprozesses. Wir sind mittlerweile der Meinung, dass sich an einem authentischen Ort der faschistischen deutschen Barbarei, der auch das Konzept der so genannten „Vernichtung durch Arbeit“ beinhaltete, dieser vordergründige und oberflächliche Bezug einfach verbietet. Darüber hinaus haben sich einige von uns mit dem kapitalistisch ausgerichteten Arbeitsbegriff auseinandergesetzt. Dass mensch nicht unreflektiert - und sei es auch im Rahmen gut gemeinter Ziele der antifaschistischen Bewegung - für diesen Entfremdungsbestandteil Werbung läuft, haben wir jetzt gecheckt.
Für uns heißt linksradikale Bewegung, sich, andere und auch die eigene politische Praxis ständig in Frage zu stellen. Das schließt das Einräumen eigener Fehler und Analysedefizite ganz klar mit ein. Wer sich nicht bewegt, bleibt nicht nur stehen, sondern vergreist politisch!

>Von deutschen Klassikern und Neonazis<
Nicht von ungefähr findet das Antifa-Camp alljährlich in Weimar statt. Die Stadt im Thüringischen ist vor allem wegen ihren historischen Bezügen zu den Klassikern deutscher Lyrik- und Theaterkultur Stichwort: Goethe und Schiller international ein Begriff. Dass schöngeistige Tradition keine wirkliche Immunisierung gegen deutschnationale Blut- und Bodenideologie darstellt, musste der weltberühmte und progressive Architektur- und Kunststil des Bauhauses schmerzhaft erfahren. Die reaktionären Vor- und Mitläufer (Deutschnationale Volkspartei) der späteren Nationalsozialisten zwangen das Bauhaus bereits 1925 zur Emigration nach Dessau. Lange vor der Machtübertragung an die NSDAP in Berlin saßen die Nazis in Thüringen schon fest im Sattel. Ab 1930 zunächst in einer Koalitionsregierung, stellte die NSDAP nach den Landtagswahlen 1932 die Landesregierung mit dem später als Kriegsverbrecher verurteilten und hingerichteten Fritz Sauckel an der Spitze. Unter den Augen Goethes und Schillers und vor allem der Weimarer EinwohnerInnen mussten politische GegnerInnen des Naziregimes, Kriegsgefangene, Juden und andere Verfolgte des NS-Terrors ab 1937 den Weg in das Konzentrationslager Buchenwald auf dem Ettersberg antreten. 60.000 Menschen überlebten dort die Barbarei der Nazis nicht. Um so perfider ist es, dass die örtliche Neonaziszene Weimars in diesem Jahr fast im Wochenrhythmus Aufmärsche und Kundgebungen angemeldet hat.

>Zivilgesellschaft, Opfermythos und Deutsch-Europa halt`s Maul!<
Wer nur ansatzweise dachte, dass Appelle an das zweifelhafte Konzept der Zivilgesellschaft und diverse AusteigerInnenprogramme auch nur einen Neonazi wirklich davon abhielten, MigrantInnen zu jagen, Obdachlose zu malträtieren und Alternative zu terrorisieren, litt an hoffnungslosem Realitätsverlust. Doch nicht nur diese primitiven Reflexe gegen alles Andersdenkende und Andersaussehende sind das Problem in der bundesrepublikanischen Wirklichkeit der Gegenwart. Viele kleine Hohmänner bedienen, nicht nur im politischen Raum, antisemitische Klischees. Auch Teile der Friedensbewegung und der BürgerInnengesellschaft finden den antisemitisch orientierten Antikapitalismus und die uneingeschränkte Palästina-Soli der Nazis gar nicht so schlimm. Der beliebteste Beitrag zur „Geschichtsaufarbeitung“ der letzten 36 Monate in diesem Land kann simpel auf den Punkt gebracht werden: Ein deutscher Opfermythos wurde und wird kultiviert und praktiziert. In einem nie für möglich gehaltenen breiten gesellschaftlichen Konsens traut Frau/Mann sich endlich, die vergessenen deutschen „Opfer“ des 2. Weltkrieges zu beklagen. Überall, obeltkrieges zu beklagen. Überall, ob in Halbe, Dresden, Halle oder Kleinpaschleben, rennt der Bürgermob - in inniger Umarmung mit den Hackfressen von Rechtsaußen - durch die Strassen und prangert wahlweise den „alliierten Bombenterror“ oder den „Massenmord der Vertreibung“ an. Opfer werden zu Tätern und alles mündet in einer nicht näher zu verifizierenden und damit letztlich geschichtsrevisionistischen „menschlichen Tragödie“. Wir outen uns auch ganz klar als Fans des ollen Karl Liebknecht und seiner epochalen Parole:
Der Hauptfeind steht im eigenen Land!
Viel zu lange hat die bundesrepublikanische Linke sich fleißig in Projektionsritualen geübt und das „Böse“ in der Welt und den personifizierten Beelzebub flugs nach Amiland exportiert. Wer auf simple Schwarz-Weiß-Gemälde steht, sollte in die Galerie gehen, ist in der Linksradikalen aber definitiv fehl am Platz. Wir prangern die aggressive deutsche Außenpolitik inklusive ihres Hegemonialbestrebens und den asozialen rotgrünen Sozialklau mindestens genau so an, wie folternde GI`s im Irak. Deutsch-Europa ist für uns kein Friedensengel, sondern eine ausbeutende und verachtenswerte Konstante im kapitalistischen Koordinatensystem.

>Oral History, Wunschfilmbox und Action<
Das diesjährige Antifa-Camp hat wieder jede Menge zu bieten. Neben den praktischen Arbeitsprojekten auf und an der Gedenkstätte Buchenwald, u.a. im ehemaligen Steinbruch, den Gustloff-Werken (ehemaliger Rüstungsbetrieb in Buchenwald) und dem so genannten Pferdestall (Genickschussanlage, in der Tausende Häftlinge ermordet wurden), gibt`s selbstredend zahlreiche Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers gehört genau so zum Programm, wie ein Vortrag zu neonazistischen Strukturen in Thüringen. Für Kurzweil und Party sorgen zum Beispiel das Eröffnungs- und Abschlusskonzert oder das tägliche Campkino mit Wunschfilmbox.

>Wir machen wirklich Ärger<
Abseits vom Camp-Programm erschließen sich für Leute - mit ereignisbezogenem respektive handlungsorientiertem Ansatz - gerade in Weimar zahlreiche Möglichkeiten, Antifaschismus praktisch werden zu lassen. Mit einem Spritzerchen Kreativität und Elan sind viele öffentliche Aktionen und Events denkbar. Weimar drängt sich, mit einer gut ausgebauten Neonaziszene, als Aktionsterrain regelrecht auf.

>Organisatorisches<
Das Camp beginnt am 24. Juli und endet am 31. Juli 2004. Natürlich können Leute, die nicht über den gesamten Zeitraum bleiben können, auch tageweise vorbeischauen. Der Unkostenbeitrag beträgt € 7,00 pro Tag/Teilnehmer (Geländemiete, Miete für sanitäre Einrichtungen, Verpflegung etc.). Zelte und die entsprechenden Campingutensilien bitte nicht vergessen. Die Anreise ist ab 24. Juli, täglich ab 10.00Uhr, in der Gerberstraße 01 in Weimar (besetztes Haus im Stadtzentrum) möglich. Von dort wird es einen Shuttle-Dienst zum eigentlichen Campgelände geben.

Wer konkretere Infos und den genauen Programmablauf haben möchte, kann sich vertrauensvoll an die anbei genannten Kontaktmöglichkeiten wenden.

16. Antifa-Camp
Weimar/Buchenwald
24.07. - 31.07.2004
Infos, Technix und Anmeldung im Überblick
Anreise: ab 24.07.04
Täglich ab 10 Uhr / Weimar / Gerberstrasse 1
Kosten: 7 Euro pro Tag und Teilnehmer (umfasst Vollverpflegung, Dusche, WC und Miete)
mitzubringen: Zelt, Besteck, Tasse und Teller

Angebote zur Freizeitgestaltung:
Arbeitsprojekte, Demo, Veranstaltungen, Workshops, Lesungen, Konzerte, eigene Ideen und natürlich eine Riesenportion Sommer!

Kontakt und Anmeldung:
c/o Infoladen
Schlachthofstrasse 25
06844 Dessau
phone: 0340 - 266 02 -10 / fax: -12
mail to: Antifacamp@yahoo.de
site: www.antifacamp.de.vu

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Aufruf zum 15. Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald
26.07. - 02.08. 2003

>Antifa heißt Workcamp - und das schon 13 Jahre<

Bild vergrößernZum ersten Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald 1990 waren es gerade einmal eine handvoll Leute mit DDR-Sozialisation, die sich zusammenfanden, um auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald ein Workcamp durchzuführen.
Seit dem hat sich das Camp nicht nur quantitativ weiterentwickelt, in den letzten Jahren konnten jeweils mehrere hundert TeilnehmerInnen gezählt werden, sondern darüber hinaus erlangten historische Forschungsprojekte und selbstredend zahlreiche Veranstaltungen mit geschichtlichem und aktuell-politischen Bezug, Demos und Events im öffentlichen Raum Weimars, eine immer größere Bedeutung .

> Von der Stadt der Klassiker zum Ettersberg <
Nicht von ungefähr findet das Antifa-Workcamp alljährlich in Weimar statt. Die Stadt im Thüringischem ist vor allem wegen ihren historischen Bezügen zu den Klassikern deutscher Lyrik- und Theaterkultur - Stichwort: Goethe und Schiller - international ein Begriff. Das schöngeistige Tradition keine wirkliche Immunisierung gegen deutschnationale Blut- und Bodenideologie darstellt, musste der weltberühmte und progressive Architektur- und Kunststil Bauhaus schmerzhaft erfahren. Die reaktionären Vor- und Mitläufer (Deutschnationale Volkspartei) der späteren Nationalsozialisten zwangen das Bauhaus bereits 1925 zur Emigration nach Dessau. Lange vor der Machtübertragung an die NSDAP in Berlin saßen die Nazis in Thüringen schon fest im Sattel. Ab 1930 zunächst in einer Koalitionsregierung, stellt die NSDAP nach den Landtagswahlen 1932 die Landesregierung mit dem später als Kriegsverbrecher verurteilten und hingerichteten Fritz Sauckel an der Spitze.
Unter den Augen Goethe und Schillers und vor allem der Weimarer EinwohnerInnen, mussten politische GegnerInnen des Naziregimes, Kriegsgefangene, Juden und andere Verfolgte des NS-Terrors ab 1937 den Weg in das Konzentrationslager Buchenwald auf den Ettersberg antreten.
60.000 Menschen überlebten dort die Barbarei der Nazis nicht.

>Geschichtsrevisionismus und andere Grausamkeiten<
Seit dem Ende der DDR wurde die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald das Lieblingsprojekt von rechten Geschichtsrevisionisten alle Couleur. Nach der, hier zugegebenermaßen etwas verkürzt dargestellten, Gleichung: "Rot=Braun, Stalin=Hitler, Konzentrationslager=Gulag" haben die geschichtlichen Säuberungs- und Verdrehungsakrobaten die Gedenkstätte zu ihrem wahren El Dorado auserkoren.
Am Beispiel des sowjetischen Internierungslager, dass 1945 wie viele ähnliche Lager auch, auf Beschluss der Potsdamer Konferenz auf dem Ettersberg eingerichtet wurde, kulminiert diese Stoßrichtung am offensichtlichsten. Trotz dem wissenschaftlichen Nachweis, dass in dem Internierungslager zu 80 % schuldige Deutsche saßen, also zivile Funktionsträger der Nazis, hohe Wehrmachtsangehörige, Mitglieder der SS, des SD und der GESTAPO, werden die ewiggestrigen Kompanien von CDU bis zum Trachtenverein "Opfer des Stalinismus" nicht müde, die "unschuldigen Opfer" zu beklagen. Dies ist nicht nur eine Relativierung der singulären nationalsozialistischen Verbrechen, sondern reiht sich nahtlos in Bemühungen ein, einen deutschen Opfermythos zu kultivieren.

>Oral History , Antisemitismus von Links und Wunschfilmbox<
Das diesjährige Antifa-Workcamp hat wieder jede Menge zu bieten. Neben den praktischen Arbeitsprojekten auf und an der Gedenkstätte Buchenwald, u. A. im ehemaligen Steinbruch, den Gustloff-Werken (ehemaliger Rüstungsbetrieb in Buchenwald) und dem so genannten Pferdestall (Genickschussanlage, in der Tausende Häftlinge ermordet wurden), gibt`s selbstredend zahlreiche Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers gehört genau so zum Programm, wie die Beschäftigung mit der Thematik "Antisemitismus von Links" oder ein Vortrag zu neonazistischen Strukturen in Thüringen. Ein Projekt wird darüber hinaus zum nachweislich ersten Konzentrationslager im III. Reich, Nohra bei Weimar, forschen. Für Kurzweil und Party sorgen zum Beispiel das Eröffnungs- und Abschlusskonzert oder das tägliche Campkino mit Wunschfilmbox.

>Wir machen wirklich (e) Arbeit<
Abseits vom Camp-Programm erschließen sich für Leute die keinen Bock auf Arbeitsprojekte haben, gerade in Weimar zahlreiche Möglichkeiten, Antifaschismus praktisch werden zu lassen. Mit einem Spritzerchen Kreativität und Elan sind viele öffentliche Aktionen und Events denkbar. Das exorbitant hohe Touristenaufgebot und die hiesige Naziszene sind für etwaige Action genau der richtige Rahmen.

>Organisatorisches<
Das Camp beginnt am 26. Juli und endet am 02. August 2003. Natürlich können Leute, die nicht über den gesamten Zeitraum können, auch tageweise vorbeischauen. Der Unkostenbeitrag beträgt € 7,00 pro Tag/TeilnehmerIn (Geländemiete, Miete für sanitäre Einrichtungen, Verpflegung etc.). Zelte und die entsprechenden Campingutensilien bitte nicht vergessen. Die Anreise ist ab 26. Juli, täglich ab 10.00 Uhr, in der Gerberstraße 01 in Weimar (besetztes Haus im Stadtzentrum) möglich. Von dort wird es einen Shuttle-Dienst zum eigentlichen Campgelände geben.
Wer konkretere Infos und den genauen Programmablauf haben möchte, kann sich vertrauensvoll an oben genannte Kontaktmöglichkeiten wenden.

Mit antifaschistischen Grüßen
Vorbereitungskreis Antifa-Workcamp Weimar/Buchenwald 2003

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Veranstaltungsüberblick

Es finden während der Zeit des 15. Workcamps folgende Veranstaltungen statt:

  • Gedenkstättenführungen,

  • Zeitzeugengespräch,

  • Veranstaltung zum christlichen Widerstand in Buchenwald (von Heiner Fink)

  • Veranstaltung zu Hartz-Gesetzen (über staatlich orientierte Leiharbeit zur
    Zwangsarbeit für Jugendliche)

  • Lieder der Revolution

  • Veranstaltung zu rechten Strukturen in Thüringen

  • Infoveranstaltung zur Bundeswehrreform

  • Vortrag von Sinti und Roma mit Swing-Band

  • Lesung zum spanischen Bürgerkrieg (von Victor Grossmann)

  • Vortrag zum KZ Nohra

  • Veranstaltung zu Frauen im Widerstand

  • Veranstaltung zum Antisemitismus von Links

  • Quiz : "Wer wird Revolutionär?"

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Bericht einer Teilnehmerin am 14. Antifa Workcamp

Wie mache ich das nur?

Wie erkläre ich dir, dass du dir im nächsten Juli eine Woche frei nehmen sollst, um zu arbeiten?

Nein! Nicht irgendwelche Arbeit. Du wirst helfen aufzubauen oder abzureißen, je nachdem. Es wird teilweise hart und anstrengend werden und du wirst schwitzen und deine Knochen spüren, Steine schleppen, Bäume fällen, Wege freilegen, Unkraut jäten und die Maurerkelle schwingen. Das zumindest haben wir in diesem Juli gemacht im Steinbruch, am Bahndamm, in den zerbombten Gustloff-Werken oder am Pferdestall. Kommen dir die Namen bekannt vor? Hast du sie schon mal im Zusammenhang mit dem KZ Buchenwald gehört? Dann bist du vollkommen richtig. Hast du sie noch nicht gehört, dann erst recht. Dort wo du nächstes Jahr auch sein wirst: beim Antifa-Workcamp in Weimar!

Nein, keine Angst - mit diesen Arbeiten wirst du dich, wie wir auch, höchstens 4 Stunden am Tag abplagen müssen und es wird auch andere Betätigungsmöglichkeiten für dich geben. So gab es z.B. eine Gruppe, die im Archiv der Gedenkstätte recherchiert hat. In diesem Jahr beschäftigten sie sich mit dem "Speziallager 2", dem sogenannten "stalinistischen Zwangslager", auf das sich die neue Gedenkstättenleitung so sehr gestürzt hat, um nachzuweisen, dass eben beide "Extreme" - ob braun oder rot - verbrecherisch seien. Tja, und diese Gruppe schaute eben mal genauer nach, wer denn da alles so "interniert" und was diese "Opfer" für Dreck am Stecken hatten. Neugierig? Es wird dazu bald eine Broschüre geben. Schau sie dir an! Die nächste Broschüre wartet auf deine Mitarbeit! Und es gibt noch massig viel Themen. So wollen wir nächstes Jahr neue Grundmauern von Gebäuden im Steinbruch freilegen. Bis jetzt gibt es nur ein paar Fotos. Was waren das für Gebäude? Welche Aufgabe hatten sie? Gibt es Unterlagen? Die Gustloff-Werke, wo Waffen und Munition hergestellt wurden, sind total zugewachsen. Dort warten auch noch eine Menge Recherchen und Freilegearbeiten auf uns.

Ja, und dann die Arbeiten am und im Camp selbst: in der Küche helfen, Wache schieben, Camp-Zeitung schreiben, Leute oder Lebensmittel transportieren, organisieren, koordinieren und was nicht alles noch ... Es gab nachmittags und abends Veranstaltungen mit Zeitzeugen, wie z.B. Kurt Goldstein, oder zu äußerst aktuellen Themen, wie den Schily-Paketen oder der Bundeswehr- und BRD-Totalverweigerung Ringo Ehlerts, aber auch zu dem von der neuen Gedenkstättenleitung gepflegten Geschichtsrevisionismus.

Das muss auch alles geplant und/oder besucht werden. Abends musst du dann noch am Lagerfeuer oder in der provisorischen Kneipe sitzen, mit jedem Bier die Campkasse unterstützen und dich mit interessanten Leuten, jungen und junggebliebenen Antifaschisten unterhalten.

Habe ich schon erwähnt, dass das natürlich alles freiwillig ist?! Du musst nicht! Wirst es aber gern tun, weil du nur dann merken kannst, wie das gemeinsame Arbeiten, Diskutieren und Durst löschen zusammenschweißt, so dass du 2004 wieder unbedingt dabei sein willst!

PS:

  • Durch die Arbeit der Antifa-Workcamps der letzten Jahre wurde die Gedenkstättenleitung einfach vor unumkehrbare Tatsachen gestellt: Jetzt gibt es Wege und Schilder an Stellen, die man vor kurzem noch gern in der Versenkung der Geschichte gesehen hätte, unter Unkraut und Vergessen.

  • Die Stadt Weimar legt dem Vorbereitungskreis von Jahr zu Jahr mehr Steine in den Weg. Jedes Jahr wird gebangt, ob es überhaupt wieder eine Platz zum Campen geben wird.

  • Den Menschen in Weimar ist es zum größten Teil egal, was wir tun. Unsere Aufgabe ist es zu zeigen, dass es eben nicht egal sein darf!

  • Wir zeigen Flagge und zwar eine Farbe, die man nur noch selten sieht: ROT, statt Braun oder dem Grau der Gleichgültigkeit.

Alles Gründe, weshalb es so wichtig ist, dorthin zu kommen!
Ich hoffe ich konnte dich überzeugen.
Anita

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Bericht eines Teilnehmers am 13. Antifa Workcamp

Wie schon in den vergangen Jahren beteiligte sich die FDJ auch dieses Jahr wieder am Antifa-Workcamp Buchenwald. Als Gäste und Freunde konnten wir auch zwei junge Genossen des Bundes Polnischer Kommunisten „Proletariat“ begrüßen.

Dieses Jahr begann das Camp am Samstag, dem 21. Juli und endete am darauffolgenden Samstag. Wie immer arbeiteten die Campteilnehmer vormittags auf der Gedenkstätte und an den Nachmittagen fanden dann viele gute Veranstaltungen und Diskussionen statt.

In diesem Jahr war die FDJ leider nicht so zahlreich dabei wie im letzten Jahr, weil die meisten Genossen im August zu den 15. Weltfestspielen der Jugend und Studenten nach Algerien reisten. Trotzdem bot die FDJ drei Veranstaltungen an und war mit einem Büchertisch vertreten.

Wie immer gab es am Tag der Anreise ein Eröffnungsplenum, das die Regeln, die Verantwortlichen, die geplanten Tätigkeiten und Veranstaltungen während der Woche festlegte. Die allabendlichen Plenen zerrten während der Woche an vielen Nerven.

Am Sonntag Morgen gab es zwei von Campteilnehmern organisierte Führungen über die Gedenkstätte. Auf dem Rundgang hörten und sahen wir folgendes: Nach der Selbstbefreiung war das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald als Internierungslager für Amts- und Ordensträger des Dritten Reiches genutzt worden. Insgesamt waren im Internierungslager bis 1950 28.500 Menschen inhaftiert. Die internierten Faschisten waren, genau wie der Rest der Bevölkerung auch, Hunger und Krankheiten ausgesetzt. 7.000 starben im Internierungslager – nachweislich wurde niemand ermordet. Zum Gedenken an die toten Faschisten wurden in den 90ern 880 Edelstahl-Stelen im Wert von zig tausend Mark aufgestellt – die Faschisten werden in der BRD zu armen Opfern gemacht, die Häftlinge der Konzentrationslager verhöhnt!

Am Abend traten die Roten Trillerpfeifen, die Agitprop-Truppe der FDJ, auf. Man hatte viel Spaß beim Singen von kämpferischen Arbeiterliedern. Sie trugen uns ihr Programm für Algerien vor, aber als dieses sich dem Ende zuneigte und es hieß, daß sie Schluß machen wollten, weil sie sich auf den Heimweg machen müßten, wurden sie vom Publikum überstimmt und so wurde der Abend zu einem schön ausklingendem Singeabend. Danach traten die Rotris wie bei fast jedem Auftritt ihre Heimreise viel später an als geplant.

Am nächsten Tag erlebten die Teilnehmer ein böses Erwachen, als sie um 7.30 Uhr durch den Lautsprecher aus ihren Träumen gerissen wurden, was sie in den nächsten Tagen noch öfter erleiden sollten.

Dann ging es um 8.30 Uhr zum ersten Mal zu den Arbeitsprojekten an der Gedenkstätte. Die Arbeitsgruppen waren dieses Jahr der Steinbruch, die Postenkette, der Pferdestall, die Gustloffwerke, der Bahndamm und zwei Arbeitsgruppen im Archiv (DDR-Ausstellung, Internierungslager).

Im Steinbruch wurde die Bruchkante weiter freigelegt und Fundamente von Unkraut befreit. Im Steinbruch hatten die unterernährten Häftlinge arbeiten müssen, was für die meisten das Todesurteil bedeutete. Im Laufschritt mußten sie Karren voll Steinen und Schutt aus dem Steinbruch befördern. Die Schergen der SS nahmen ihnen häufig die Mützen ihrer Uniformen weg und warfen sie über die Postenkette. Da die Häftlinge beim Verlust der Mützen furchtbare Strafen erwarten mußten, rannten sie den Mützen hinterher, hinter die Postenkette und wurden erschossen. In den Akten der Häftlinge wurde dann „auf der Flucht erschossen“ vermerkt. Die Postenkette war zum ersten Mal ein Arbeitsprojekt. Dort wurden Bäume gefällt und ein Teil eines Weges freigelegt. Am Pferdestall, in dem über 8.000 Rotarmisten durch Genickschuss ermordet worden waren, wurden die in den 60er Jahren von der Gedenkstätte neu hochgezogenen Grundmauern (ca. 70cm) teilweise abgetragen, Schäden beseitigt und neu vermauert. Bei den Gustloffwerken, dort mußten die Häftlinge des Konzentrationslagers in der Rüstungsproduktion arbeiten, wurden ein Rundweg angelegt und Fundamente freigelegt. Aus den Gustloffwerken hatten die Häftlinge in Einzelteile zerlegte Waffen ins Lager geschmuggelt und sich so auf die Selbstbefreiung vorbereitet. Die Rüstungsproduktion war auch ein Ort des Widerstandes, denn hier wurde von den Häftlingen Sabotage betrieben, um nicht das Mordwerkzeug für die Wehrmacht herzustellen. Der Bahndamm wurde erneut vom Unkraut befreit. In der Arbeitsgruppe Internierungslager wurden Namen heraus- geschrieben und versucht, mehr über die Insassen zu erfahren. Eine andere Gruppe im Archiv sichtete Bilder und Texte der alten DDR-Ausstellung.

Am Montag Nachmittag waren zwei ehemalige Häftlinge, Ottomar Rotmann und Klaus Trosdorf, bei uns und erzählten von der Zeit in Buchenwald und der Selbstbefreiung. Sie berichteten unter anderem darüber, daß sich Buchenwald durch die illegalen Lagerstrukturen der Häftlinge und die Solidarität zwischen den Gefangenen auszeichnete. Karl Trosdorf war außerdem in der DDR von 1968 bis 1989 Leiter der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald. Am Abend fanden dann noch ein Vortrag einer Zeitzeugin aus der Weimarer Bevölkerung und eine Veranstaltung über die Firma Topf und Söhne statt, die u.a. das Krematorium in Buchenwald mit Verbrennungsöfen ausgestattet hatte.

Am Dienstag hörten wir einen Vortrag mit dem Thema „Kritik der Ideologie des Antifaschismus“, in dem die Referenten klarstellten, dass Antifaschismus mehr sein muß, als nur den Glatzen auf die Pelle zu rücken. Vielmehr müssen Antifaschisten auch für die Verteidigung bürgerlich-demokratischer Rechte kämpfen, sich auch in den Gewerkschaften organisieren und in ihnen kämpfen.

Außerdem konnte man noch an einer guten Veranstaltung zu den Weltfestspielen teilnehmen. Die FDJ zeigte einen Diavortrag über die 14. Weltfestspiele auf Cuba, berichtete über die Geschichte der Weltfestspielbewegung und darüber, was die FDJ auf den 15. Weltfestspielen der Jugend und Studenten in Algerien erreichen wollte.

Danach fanden noch zwei interessante Vorträge über die aktuelle Situation von politischen Gefangenen in Deutschland und der Türkei statt. Am Freitag war dann der letzte Arbeitstag, viele der Campteilnehmer fuhren heim und so waren wir abends nur noch etwa sechzig Linke. An diesem Abend gab es noch eine Veranstaltung von der FDJ mit dem Thema „Bundeswehr und 3. Weltkrieg“. Wir hörten unter anderem, daß derzeit 56.000 neue Lazarettbetten für den Kriegsfall geschaffen werden, daß sich die Bundeswehr mehr und mehr auf ihre „Kernaufgabe“, das Führen von Kriegen, konzentriert und logistische Aufgaben in die private Wirtschaft ausgegliedert werden – was eine Militarisierung der Gesellschaft bedeutet. So sollen die Kollegen der Post AG zukünftig die Verwaltung und Verteilung von 150.000 Militäruniformen übernehmen.

Am Samstag nahmen die verbliebenen Campteilnehmer noch an einer Demo in Gotha gegen einen NPD-Aufmarsch teil. In brütender Hitze wurde also demonstriert, die Polizei schützte wie üblich mit allen Mitteln die Faschisten, provozierte die Antifaschisten und nahm einige fest. Die restlichen 36 Teilnehmer, die am Abend noch da waren, redeten und diskutierten am Lagerfeuer oder in einer stillen Ecke. Am nächsten Morgen verabschiedeten sich alle und traten die Heimreise an.

Für die Leute, die nicht dabei gewesen sind: Das Camp war alles in allem super gut und ihr solltet im nächsten Jahr auch mal dabei sein – wenn nicht, verpasst ihr was!!! Bis dahin!!!!

David

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Bericht eines Teilnehmers am 12. Antifa Workcamp

"Denkt an Buchenwald!"

Buchenwald Gruppe mit Kind - 40kByteVom 22. bis zum 29. Juli trafen sich in Weimar wieder etwa 200 antifaschistische Jugendliche um dem antifaschistischen Widerstand im Lager, der antifaschistischen Solidarität und den Opfern des Konzentrationslagers Buchenwald zu gedenken und die Mahnung vor dem deutschen Faschismus wachzuhalten. Wir als FDJ beteiligten uns wieder an der Organisation und Durchführung des von R.o.t.k.ä.p.c.h.e.n. initiierten Workcamps. In zahlreichen Arbeitsprojekten legten die Teilnehmer, unter Ihnen 20 FDJler, des 12. Antifa-Workcamps Weimar/Buchenwald Hand an, um den Verfall der KZ-Gedenkstätte aufzuhalten und die Stätten der Qual, der Folter und des Todes zehntausender KZ-Häftlinge als Mahnung zu erhalten. In, an und um die Gedenkstätte Buchenwald wirkten die Teilnehmer an Ausgrabungen in den Gustloff-Werken II, Pflege- und Ausgrabungsarbeiten im Steinbruch, Pflegearbeiten am Damm der Buchenwaldbahn, Maurerarbeiten am ,,Pferdestall" - der Genickschussanlage im KZ-Buchenwald und an Archivprojekten zum Internierungslager und zu Frauen und Lesben im KZ. Ich arbeitete im Projekt Internierungslager mit. Ich möchte das Projekt kurz anreißen: Die Anti-Hitler-Koalition verständigte sich noch vor dem Ende des zweiten Weltkrieges darauf: ,,die nazistische Partei, die nazistischen Gesetze, Organisation und Einrichtung zu liquidieren, alle nazistischen und militärischen Einflüsse in den öffentlichen Einrichtungen sowie dem kulturellen und wirtschaftlichen Leben des deutschen Volkes zu beseitigen und gemeinsam solche anderen Maßnahmen in Deutschland zu ergreifen, wie sie sich für den künftigen Frieden und die Sicherheit der ganzen Welt als notwendig erweisen können." Nach dem Ende des Krieges, auf der Potsdamer Konferenz (17.7.-2.8.1945) bekräftigten die UdSSR, die USA und Großbritannien ihre Position. Sie verständigten sich auf einen Katalog von Entnazifizierungsmaßnahmen im weitesten Sinne. Dazu gehörte die Verpflichtung zur Ahndung von Nazi- und Kriegsverbrechen. Zusätzlich wurde vereinbart: "Nazistische Führer, einflussreiche Nazianhänger und das leitende Personal der nazistischen Einrichtungen und Organisationen sowie alle anderen Personen, die für die Besetzung und ihre Ziele gefährlich sind, sind zu verhaften und zu internieren." Nach eigenen Angaben der Gedenkstättenleitung waren im Internierungslager Buchenwald, 80% der Internierten öffentliche Funktionsträger des III. Reiches. Sicher waren auch ein paar Unschuldige interniert, denunziert von solchen Leuten, welche auch davor Missliebige ins KZ brachten oder heute Asylsuchende wie hier vor Ort in Ostsachsen beim BGS denunzieren. Diese Tatsache wird gern benutzt, um die Geschichte umzuschreiben und die Täter zu Opfern hochzustilisieren. Welche Herren jetzt wieder die Fäden in der Hand haben, konnten wir auf dem Ettersberg u.a. auch an 800 in den Ettersberg gerammten Edelstahlstelen für ,,die Opfer stalinistischer Gewaltherrschaft" sehen, welche an die menschenverachtenden Profitmaximierer erinnern, welche in der Zeit von 1945-1950 im Internierungslager starben. Wer sich für die Rechercheergebnisse im Archiv der Gedenkstätte und aktuelle politische Vorgaben in Originaldokumenten interessiert, der sei auf den Inforeader in Auswertung der diesjährigen AG Internierungslager verwiesen (nähere Infos weiter unten). Nach den Arbeiten fanden Veranstaltungen u.a. mit Heiner Fink, Stefan Jerzy Zweig, Hanne Hiob, Jürgen Lemke, Gaby Klees, Reinhard Lembke, the Voice, polnischen Antifaschisten, dem Kabarett ,,Die Stadtverpfeifer" und der FDJ-Agit-Prop-Gruppe ,,Rote Trillerpfeifen" statt. Die Möglichkeit, Soldaten der Bundeswehr bei einem öffentlichen Gelöbnis über ihre Bestimmung aufzuklären, ließen sich die Campteilnehmer ebenso nicht nehmen wie die tägliche Campzeitung, Lagerfeuer, Quetschenmukke, Gitarrenklänge, Diskussionen und das Knüpfen von Freundschaften und Kontakten.

Wessen Tradition sich das wieder einmal größer gemachte Deutschland verpflichtet fühlt, und die Umsetzung dessen in der Gedenkstätte Buchenwald ließ in mir bei dessen Betrachtung und Erleben als erstes Wut, Hass und Ekel aufkommen. Durch die gemeinsame Arbeit vor Ort, die Beschäftigung mit praktischer Geschichte, durch Sehen, Fühlen und Denken vermischten sich die Emotionen bald immer stärker mit neuen Erkenntnissen und Argumenten über die Absichten der ,,Macher" dieser Geschichtspolitik. Den wärmenden, flammenden Schwur von Buchenwald im Herzen ging es auch dieses Jahr wieder nach Hause, in die Schule, zu Freunden, zur nächsten Aktion gegen die Annektionspolitik des deutschen Imperialismus ...

Gunnar

Literaturtips, u.a.:

  • Arbeiterklasse gegen Faschismus von Georgi Dimitroff (erhältlich über mail@FDJ.de)

  • Buchenwald - Ein Konzentrationslager, Carlebach, Schmidt, Schneider,
    ISBN 3-89144-271-8

  • Inforeader Internierungslager, AG Internierungslager 12. Antifa Workcamp
    (erhältlich über Sachsen@FDJ.de, bitte mit Betreff: 1. Reader Internierungslager)

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