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Zwei Seiten der deutschen Medaille
- AM 1. MAI 2004: Nein zum deutschen
Imperialismus!
- Deutsch-Europa liquidieren!
Der 1. Mai ist der traditionelle Kampftag
der Arbeiterklasse. Es ist jener Tag, an dem Linke in aller Welt auf die
Straße gehen für ihre Rechte - ihre Vision einer besseren Zukunft, die
unbestritten abseits des jetzigen Systems liegt. Entgegen dem Blöken der
rot-grünen Regierung und jeglicher parlamentarischer Opposition in der
BRD hat sich der Kapitalismus als nicht reformierbar erwiesen. Die
verzweifelten Versuche der Herrschenden, den schönen Schein von der
Freiheit in diesem Land aufrecht zu erhalten, indem sie Hartz&Co. als
Reform verkaufen, sind der simulierte Fortschritt, der die Unterdrückung
zementiert und die Menschen mitreißt.
In Wahrheit ist diese Politik ein Anschlag
auf die letzten Rechte der Menschen und die materielle Lebensgrundlage
der Arbeiterschaft. Das halluzinierte Ziel ist die "gerechte" Verteilung
der letzten Beute. Es ist das Prinzip von Zuckerbrot und Peitsche, um
den sozialen Burgfrieden zu wahren, die Bevölkerung zu disziplinieren
und mit der Hoffnung auf einer bessere Zukunft - einen besseren
Kapitalismus, das "Modell Deutschland" - zu vertrösten. Es ist das
Gefügigmachen des Humankapitals zum Wohle und im Dienste der
Monopolbourgeoisie. Es ist der deutsche Beutezug durch Europa..
Der Europäische Aktionstag am 3. April
stand unter dem Motto "Unser Europa - frei, gleich und gerecht". Ein
schöner Schein und eine Durchhalteparole - mehr nicht. Wir sind gleich
im Angesicht unserer Verwertbarkeit. Wir sind frei im Entschluss, dies
nicht länger mitzutragen. Wir werden gerecht behandelt, wenn wir uns
dennoch fügen. Die Gerechtigkeit, die wir meinen, ist eine völlig
andere. Deutsche Freiheit und deutsche Gleichheit halten uns am Boden
und - auf unserem Rücken - die BRD ganz oben.
Nun holt dieser Staat zum nächsten
Beutezug aus. Die BRD sieht sich an der Spitze Europas. Die Ziele
deutscher Großeuropapolitik werden durch einen Blick in den Entwurf der
EU-Verfassung deutlich, deren Umsetzung die BRD mit Nachdruck fordert.
Dort wird eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik gefordert - den
Vorsitz über dieses Ressort erhält die BRD. Ein europäisches "Amt für
Rüstung, Forschung und militärische Fähigkeiten" soll eingerichtet
werden - die Leitung fordert die BRD. Eine gemeinsame
Interventionsstreitkraft soll die Interessen Europas weltweit
verteidigen - unter dem Kommando der BRD. Schlimmer noch: die BRD erhält
in absehbarer Zeit die Kontrolle über das Arsenal an Nuklearwaffen
Frankreichs und Großbritanniens. Die EU-Verfassung ist damit ein
deutsches Militärdiktat im demokratischen Gewand.
In den letzten Monaten gingen Arbeiter aus
zahlreichen europäischen Staaten auf die Straße, um gegen dieses
Deutsch-Europa zu demonstrieren. Einzig in Deutschland stellen sich
Arbeiter und Gewerkschaften hinter das Europa-Gefasel und stützen somit
die deutsche Hegemonie auf euronationalem Parkett. Das "Modell
Deutschland" wird zum Projekt derer, die eintreten sollten für die
Interessen der Arbeiterschaft. Das Gerede vom "sozialen Europa"
überdeckt nur den Charakter der BRD als Staat mit aktiven
militaristischer Ambitionen. Nach der Annexion der Deutschen
Demokratischen Republik, der ökonomischen Heimholung Österreichs und
Polens sowie dem Angriffskrieg gegen Jugoslawien soll damit ganz Europa
zum Schlachtfeld gemacht werden. Die BRD dehnt ihren Machtbereich in
alte Grenzen aus und erhält die militärische Kontrolle über eine
Nuklearmacht, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen bzw. zu
verteidigen gegen den Feind im Äußeren - wo immer der auch sitzen mag.
Was die BRD damit bezweckt, wird offen
ausgesprochen in den "Verteidigungspolitischen Richtlinien". Ziel ist
nicht die Landesverteidigung, denn "Erbfeind Frankreich" und Polen
gehören wieder zu Deutsch-Europa, sondern die Sicherung des Zugangs zu
Rohstoffquellen, die Verteidigung der "Werte" dieser "freiheitlichen
Ordnung" und damit des "Modells BRD" gegen ihre vermeintlichen oder
tatsächlichen Kritiker. Fast 60 Jahre nach Ende der Nazibarbarei steht
das wiedervereinheitlichte Deutschland an der Spitze einer neuen
Supermacht. Damit endet nicht nur die postnazistische Nachkriegsära - es
ist der Anbruch des neuen Verderbens. Das Modell Deutschland steht für
Krieg, die Ausdehnung gen Osten ist nur der Anfang, ein nur zu gut
bekannter Anfang. Alle Zeichen stehen auf Sturm - nur dass dem
deutschen Vormarsch dieses Mal vielleicht kein Stalingrad entgegen
steht.
Es ist unser Kampf, dagegen vereint
anzutreten. Die Politik der BRD-Regierung ist nicht sozial, sie ist eine
Kampfansage gegen die Arbeiter. Die Politik der BRD im Namen Europas ist
nicht friedlich, sie ist die offene Kriegserklärung an die Arbeiter
aller Länder - die offenste und vielleicht aggressivste Manifestation
des deutschen Imperialismus nach 1945. Wir müssen Großdeutschland heute
entschieden zurückschlagen, weil es morgen vielleicht schon zu spät sein
wird.
- AM 1. MAI 2004: Nein zu
Neofaschismus!
- Nazis gemeinsam bekämpfen!
Auch rechte Kräfte wollen den heutigen Tag
an verschiedenen Orten nutzen, um den "Tag der Deutschen Arbeit" zu
proklamieren. Die Szene der "freien Nationalisten" um den Hamburger
Immobilien-Millionär Christian Worch wird in Leipzig unter dem Motto
"Deutsch bleibt das Land - Für Volksgemeinschaft und Sozialstaat"
aufmarschieren. Plumper und dümmer könnte eine reaktionäre Phrase kaum
daherkommen. Die von den Neonazis propagierte Lösung der Sozialen Frage
ist nicht die Überwindung oder Aufhebung des Bestehenden, sondern dessen
Vollendung - im Faschismus. Das Proletariat aber kennt keine
Nationalität, wohl aber die Geschichte. So ist jede Sozialdemagogie zu
verwerfen, wie es unsere Pflicht ist, Faschisten anzugreifen.
Längst ist es in diesem Staat Tradition
geworden, neonazistische Tendenzen nicht nur zu dulden, sondern aktiv zu
befördern. Die im Potsdamer Abkommen geforderte völlige Entnazifizierung
fand in der BRD niemals statt. Im Gegenteil konnten ehemalige
Nazifunktionäre ihre Posten weiter ausüben und bauten damit den
westdeutschen Staat mit auf. Durch eine ausbleibende Enteignung und die
nur im geringen Umfang durchgeführte Bestrafung von Kriegsgewinnlern und
anderen NS-Verbrechern geschah dies zudem mit dem aus deportierten Juden
und Zwangsarbeitern gepressten Kapital. Auschwitz kann damit als das
Gründungsverbrechen der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet werden.
Von Anbeginn an konnten revanchistische
Organisationen auf dem Territorium der BRD frei agieren. Der "Bund der
Vertriebenen", ein Sammelbecken der Nachkommen der "Fünften Kolonne"
Hitlers in den ehemaligen Ostgebieten, will, unterstützt durch die
Bundesregierung, von Polen eine Entschädigung für die so genannten
"Vertriebenen" einklagen. Wir hoffen auf die Gegenrechnung für deutsche
Kriegsverbrechen. Faschistische Parteien werden durch Steuergelder
unterstützt, zum Teil sogar staatlich gesteuert, wie es das Beispiel des
gescheiterten NPD-Verbotes demonstrierte. Wir fordern die Zerschlagung
sämtlicher faschistischer Organisationen in der BRD. Der Staat agiert
letztlich selbst rassistisch durch ein restriktives Asylgesetz, welches
Migranten in "gute" und "schlechte" sortiert und in Abschiebelager
pfercht. Wir wollen offene Grenzen und den Fall der "Festung Europa".
Seit der Annexion der DDR sind über 250
Menschen durch Neonazis ermordet worden. Schätzungen zu Folge sind bei
Abschiebungen fünf Mal so viele Menschen umgekommen. Rassismus ist
Alltag und wird staatlich instrumentalisiert und subventioniert.
Faschismus wird nicht als Problem erkannt, sondern verschwiegen und
geduldet. Antifaschistische Arbeit wird dagegen kriminalisiert. Die
angebliche antifaschistische Grundordnung der BRD führt sich selbst ad
absurdum, wenn Parlamentarier rassistische und antisemitische Hetze
betreiben können und die Medien sie dann zu Opfern stilisieren.
Längst erzeugen Nazimorde, Nazipropaganda
und Naziaufmärsche keinen Aufschrei mehr. Es existieren keine
gesellschaftlichen Tabus, denn die BRD hat den völkischen Trieb ihrer
Bevölkerung wieder entfesselt und nutzt die nationalistische
Grundstimmung für ihre Zwecke, sei es zur Installierung von repressiven
Sicherheitsgesetzen, zur Verschärfung der Asylgesetzgebung, der
Rechtfertigung von Reformen "zum Wohle Deutschlands" oder der
Legitimierung einer aggressiven Außenpolitik.
Es hat daher mehr als symbolische
Bedeutung, wenn wir Neonazis nicht nur auf der Straße, sondern allen
gesellschaftlichen Ebenen entgegentreten. Wie die BRD ihren
Großmachtstatus nach außen verteidigt, so sichert sie sich ein jubelndes
Volk durch populistische Parolen und das Wegsehen bei schlimmsten
Pogromen. Es ist daher kein Kampf gegen Marginalisierte, sondern das
Antreten gegen die Tendenz zur Barbarei, welche diesem System immanent
ist.
Den antifaschistischen Kampf zu bestreiten
ist auch eine historische Notwendigkeit. Es ist Zeit, nicht mehr die
Forderung nach der Erfüllung des Antifaschismus durch den
bundesdeutschen Staat zu erheben, sondern den gemeinsamen Kampf dagegen
aufzunehmen. Das "Modell Deutschland" gründet sich auf seiner
faschistischen und imperialistischen Geschichte, deren Wiederaufleben
heute ein Element unseres Alltages geworden ist. Wo immer Nazis
aufmarschieren gilt es, sich ihnen entgegen zu stellen und all jene
Kräfte zurückzuschlagen, welche das Problem leugnen, akzeptieren oder
gar befördern. Dabei hilft uns kein Arthur Harris.
Es geht nicht um ein stures Kräftemessen
zwischen Linken, Rechten und Polizei, sondern den direkten Eingriff
wider die gesellschaftlichen Realität - damit auch den Kampf gegen den
deutschen Imperialismus und seine prügelnde Vorhut auf der Straße. Dies
können wir nur gemeinsam betreiben, weil es morgen vielleicht schon zu
spät sein wird.
Modell Deutschland - Nie wieder!
Krieg den deutschen Zuständen!
Allerdings! |