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Gegen gefährliche,
einfache Antworten
helfen nur die richtigen, schweren Fragen!
Im Vorfeld lange erwartet, von manch einem gehasst, fand er dann statt,
der Kongress Spiel ohne Grenzen.
Wie
hinkommen? Mit Mitfahrzentrale! Mitten in der Nacht los? Muss sein!
Morgens 4 Uhr angekommen im tiefsten Westen und früh schon wieder raus, ab
zur Geschwister-Scholl-Uni. Jetzt wollte man's endlich wissen, was sagen die
Tatsachen? Gibt es die Arbeiterklasse und was hat sie noch zu melden, wo
steht der Feind und hat er Namen und Adresse?
Wie oft hat man den Kampfbegriff Imperialismus geschrieben, und gerade den
deutschen im Visier. Wie oft in den letzten Monaten verbissen den Liebknecht
zitiert und sich mit dem Fingerzeig auf den Hauptfeind im eigenen Land, mit
dieser Position so einsam gefühlt wie sicherlich Karl L. zu seiner Zeit.
Sollten wir nun auch hier mit Fakten und treffenden Argumenten, von Experten
wie z.B. Eggerdinger, Ebermann, Trampert belegt bekommen, dass wir meistens
so ziemlich richtig lagen und liegen, es würde gut tun und die Waffen
schmieden helfen gegen den richtigen Feind.
Es tat gut, weil es dann auch so war mit den Fakten und Argumenten. Genossen
lasst die Werke Band 1-40 getrost greifbar nahe im Regal stehen, die hundert
Jahre alten Waffen dürfen getrost weiterhin auf den Buckel des hundert Jahre
alten Feinds niedersausen. Lenin contra Imperialismus und nicht
Coca-Cola-Boykott contra neoliberale Globalisierung! Der Kapitalismus
stirbt! In den nächsten neun Jahren wird das Welt-BIP um weniger als ein
Prozent ansteigen, man wird nicht mal sicher sagen können, ob es gestiegen
oder gefallen oder nur falsch gerundet wurde. Da hilft dem verrotteten
Kapitalismus auch nicht, dass der oder die ihm nette neue Namen geben und
kurz mal die Welt neu erklären, so kurz, dass man am Ende, ungewollt oder
nicht, bei "schaffendem" und "raffendem" ankommt und meint, zeitweilige
Bündnisse mit dem Nachfolger des "3. Reiches" gegen "Adolf Busch" eingehen
zu müssen... (Man verzeihe dem Autor, dass er sich (R.) Kurz mal in
Hänseleien verliert. Schluss damit! Derlei wird von anderen unangenehmen
Zeitgenossen weitaus besser erledigt und vor allem mit enorm mehr BPS -
Beschimpfungen pro Satz)
Zurück zum Kongress, der ein Kongress der schweren Fragen war. Schwere
Fragen, die gnadenlos die vielen zu einfachen Antworten aufs Korn nahmen. Da
mögen sich die Antwortengeber aufregen, wie sie wollen. "Weltweit
vagabundierendes Leihkapital" jibbet immer noch nich! Jedenfalls nicht, so
lange 82% aller weltweit aufgelegten Wertpapiere national gehandelt werden,
der ausländische Anteil der an der New Yorker Börse gehandelten bunten
Zettel 4,3% beträgt, sich hinter jeder Aktie weiterhin am Ende der durch
Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft geschaffene Wert verbirgt. Egal wie
hoch die Zahl ist, die auf dem künftigen Anspruchstitel auf künftigen
Profit, denn nichts anderes verbirgt sich hinter den Wertpapieren, steht.
"In keinem Nationalstaat zu lokalisierende transnationale Konzerne" kann man
lange suchen, solange deutsche Direktinvestoren peinlich darauf achten, dass
ihre Investitionen zu 84% an Unternehmen gehen, die klar vom deutschem
Kapital kontrolliert werden. Nix da mit Adresse unbekannt, weil verzogen,
der Geldsack steht im Stammland und wartet auf Enteignung. "Globaler
Welthandel von überall zu überall" bleibt weiterhin nicht auffindbar, das
war er nicht mal 1913, als die Kontinente Afrika und Lateinamerika erheblich
stärker mit den Handelsströmen vernetzt waren als heute. In den Jahren
zwischen 1950 und 1990 ist der Anteil Lateinamerikas am Weltexport von 12,4%
auf 3,9% gefallen, der Afrikas von 5,2% auf 1,9%. Alles global oder was?
Wenn er, der Kapitalismus mal noch ne Globalisierung hinbekommen würde,
schlecht zu machen vom Totenbett aus...
Was es aber gibt und immer mehr ans Tageslicht kommt, sind die Widersprüche
zwischen den Imperialisten, Widersprüche die in Kriegen enden müssen.
(Gerade die Widersprüche zwischen einem schwankenden Giganten USA, der
behalten will, was er hat, und einem aufstrebenden aggressiven
Großdeutschland, das wieder haben will, was es hatte.) Auch hierzu aus dem
Vortrag Eggerdingers was zum um die Ohren schlagen: 1971-1981 fiel der
Anteil an US-Kapital an akkumulierten Auslandsinvestitionen von 52% auf 27%,
dagegen stieg der Anteil an deutschem Kapital von 4,4% auf 9%.1947 hielt die
USA einen Anteil am Welthandel von 27%, Ende der 80er Jahre sank dieser auf
11% und damit auf die Größe des Anteils der BRD. Das Empire (of Einbildung)
wackelt?
Nicht dass Waren und Aktien ihren Besitzer wechseln über die Grenzen der
Staaten, lässt Kampfbomber starten und Bundeswehrsoldaten ins Ausland
reisen, sondern die Konkurrenz zwischen Konkurrenten, die nach Maximalprofit
streben müssen und sich dabei ständig und immer mehr in die Quere kommen.
Immer weniger ist die Auswahl kommender Kriegsherde mit möglichen
ökonomischen Gewinnchancen für die Kriegsherren zu erklären. Da will der
eine einen Fetzen Land, weil der vielleicht irgendwann für irgendwas taugt,
Triebkraft ist nur vor dem anderen da zu sein. Dem anderen nicht das zu
überlassen, was man selber nicht mal ausbeuten kann. Gestritten wird sich
heute um eine Welt, in der nach 200 Jahren Kapitalismus und industrieller
Revolution immer noch die Hälfte aller Arbeitskräfte landwirtschaftlich
tätig ist. Was für eine Bankrotterklärung, was für ein Beleg der totalen
Verwesung der derzeitigen Gesellschaftsordnung.
Schild, Speer und starker Arm bleibt der Nationalstaat, denn der Staat ist
es, der Tausende junge Männer in Uniformen zwängt oder Berufsverbote gegen
Kommunisten verhängt, den letzten Cent aus des Bettlers Tasche zerrt, um ihn
in Kanonenstahl zu gießen. Es läuft eigentlich wieder mal auf die alte Frage
hinaus: Sozialismus oder Barbarei? Diese wurde vom 23.-25. Mai in den
Hörsälen der Geschwister-Scholl-Uni auf die Basis aktuellen Daten gestellt:
Man könnte auch so sagen:
Entweder wir packen das mal langsam, mit den roten Fahnen vor Daimler, Krupp
und Deutscher Bank oder wir sehen uns im Massengrab wieder!
Tja, solch freche Lippe kann man sich leisten, wenn man Besucher des
Kongresses Spiel ohne Grenzen war. Gerne hätte ich dort die Vertreter der
"Antiglobalisierungsbewegung" und des Bündnisses "Wir und unser
Imperialismus (auf Zeit)" getroffen und das alles mal mit ihnen diskutiert.
In netter Atmosphäre versteht sich, so bei einem Bier und einem Obatzdn -
leider waren diese Genossen nicht gerade zahlreich vertreten. Woran das wohl
liegen mag...
Ringo
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www.spiel-ohne-grenzen.org
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