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Am 8. Mai 1945
kapitulierte Hitlerdeutschland bedingungslos. Das größte Völkerschlachten
der Geschichte, für das einzig und allein Deutschland verantwortlich war,
war in Europa beendet; der deutsche Faschismus von den alliierten Mächten
besiegt. Zum zweiten Mal in einem Jahrhundert hatte Deutschland die
Verantwortung, die volle Schuld zu tragen, für Millionen tote, verletzte,
heimatlose, vergaste, verfolgte, gefolterte, hungrige und geschundene
Menschen einer Vielzahl von Völkern. Völker, die diese Schuld nicht
vergessen wollten. Völker, die sich nichts sehnlicher wünschten als einen
dauerhaften Frieden. Und Staaten, die ob ihres Sieges über den Faschismus
ermächtigt waren, ein Nachkriegsdeutschland zu erschaffen, dem die
Grundlagen für Krieg und Völkermord für immer entzogen waren. Es sollte ein
Deutschland entstehen, das sich für immer einreihte unter die friedlichen
Nationen. Dafür schlossen die alliierten Sieger im August 1945 das Potsdamer
Abkommen, worin die Entnazifizierung, Entmilitarisierung und
Demokratisierung Deutschlands festgelegt wurden.
Der Schoß ist fruchtbar noch...
Der deutsche Imperialismus war am Boden, aber nicht untergegangen. Nur in
einem Teil Deutschlands wagten die Menschen den Aufbau einer demokratischen
Republik. Bodenreform und volkseigene Betriebe entzogen das Gebiet der DDR
dem Einfluss des deutschen Imperialismus. Im anderen Teil Deutschlands
erholte sich der deutsche Imperialismus langsam, aber sicher. Zunächst
ökonomisch, dank Marshall-Plan und nicht bezahlten Reparationen. Aber auch
politisch, denn die BRD wurde von den Westmächten von Beginn an hofiert, als
Bündnispartner gegen den Sozialismus. Nicht mal zehn Jahre nach dem
Faschismus wurde die BRD als fast gleichberechtigtes Land eingebunden in die
Europäische Gemeinschaft und die NATO, "um die Russen draußen, die Deutschen
unten und die Amerikaner drin zu halten."1
Gleichberechtigt also auch die Gründer dieser BRD, die aufgebaut und
geleitet wurde von vielen ehemaligen Nazigrößen in Politik, Justiz,
Wirtschaft und Militär. In seinem Überwinterungsquartier BRD erholte sich
der deutsche Imperialismus, allen voran erstmal die Konzerne. Diese wurden
eben nicht zerschlagen, sondern sorgten mit dafür, dass die BRD zur
ökonomisch führenden Macht in Europa wurde - und damit letztlich auch zur
politisch führenden Macht. Dieses Land, der Nachfolger des faschistischen
deutschen Staates, entwickelte sich in nur 40 Jahren zum Tonangeber in
Europa! Trotzdem dieses Deutschland die Verantwortung trug für die zwei
größten Kriege der Geschichte, trotzdem seinen Machtbestrebungen zweimal
Millionen von Menschen zum Opfer fielen, konnte es als angesehener Partner
ungehindert dem erneuten Ausbau seiner einstigen "Größe" nachgehen!
1870 führte
Deutschland Krieg gegen Frankreich – nach der Annexion
Elsass-Lothringens.
1914 entfachte Deutschland den Ersten Weltkrieg – nach der Annexion von
Teilen Polens.
1939 überfiel Deutschland Polen – nach der Besetzung des Ruhrgebiets,
der Annexion Österreichs und der Tschechischen Republik).
1990 annektierte Deutschland die DDR. Der "zweite Anschluss Österreichs
ist vollzogen" (so der österreichische Wirtschaftsjournalist Grubelnik),
"den Beitritt Polens zur EU sollte man nicht als Integration, sondern
als Annexion bezeichnen."
(Solidarnosc-Vertreter, Deutsche Welle, 24.03.03). |
1990 war die Zeit reif, nach langen Vorausplanungen, nach
steter Zermürbung des anderen deutschen Staates, diese Größe auch
territorial zu untermauern. Lange hatte die Wut über die dem deutschen
Imperialismus verloren gegangenen Gebiete gegärt, 1989 witterten die
großdeutschen Revanchisten Morgenluft in der Zeit der Veränderungen. Die BRD
annektierte den souveränen Staat DDR. Damit war sie größer geworden,
mächtiger. Es gab nun wieder ein Deutschland, so "normal" wie seit 1945
nicht mehr. Keine Antihitler-Koalition hielt dieses Land mehr im Zaum, das
Potsdamer Abkommen war für die BRD endgültig nichtig geworden. Mit der
Annexion der DDR war der deutsche Imperialismus zum dritten Mal im 20.
Jahrhundert erst richtig losgelassen.
...aus dem das kroch.
Es folgte Schlag auf Schlag. Aus dem ökonomischen Riesen ist auch ein
politisches Schwergewicht geworden, an dem nicht nur europaweit keiner mehr
vorbeikommt. Weltführende Konzerne, wie Siemens, Daimler, Krupp, Allianz und
Deutsche Bank, regieren dieses Land - und sie regieren auch in den Staaten
Osteuropas mit. Vertreten durch die schwarz-gelb-rot-grünen Regierungen
sitzen sie an den diplomatischen Verhandlungstischen in EU oder UNO.
Vertreten durch ihre Generale sitzen sie bei NATO oder in der zukünftigen
EU-Armee. Ihre Interessen, das ist der Profit, das sind ihre
Herrschaftsansprüche in der Welt.
Es gibt kein sozialistisches Lager mehr, das die imperialistischen Staaten
im Zaum halten kann. Die Zeit der brüchigen Bündnisse der Imperialisten
gegen einen gemeinsamen Feind ist vorbei, die Zeit des erneuten Aufbruchs
der Widersprüche zwischen den Imperialisten gekommen.
Die
Kapitalisten wollen keinen Krieg.
Sie müssen ihn wollen.
(Bertolt Brecht) |
Seit 1990 streiten sie
wieder ganz offen gegeneinander im Kampf um die abermalige Neuaufteilung der
Welt. Der Konkurrenzkampf hat sich dabei immer weiter verschärft. Um ihre
Einflusssphären gegen andere Imperialisten zu sichern, führen sie Kriege,
bei denen manchmal ein nicht kleiner Profit für die Kapitalmächtigen in der
Heimat abfällt.
Nachdem die BRD mit der Annexion der DDR die Nachkriegsordnung aufgehoben
hatte, mussten die USA im zweiten Golfkrieg 1991 unter Beweis stellen, dass
sie die einzige Weltmacht sind. Jugoslawien wurde 1999 bombardiert, um
Deutschland nicht allein das Feld zu überlassen. Deutschland hatte zu diesem
Krieg gedrängt. Erst wurde das Land von der deutschen Geheimdiplomatie
zerrissen, mit der unilateralen Anerkennung Sloweniens und Kroatiens 1991
Jugoslawien als souveräner Staat durch die BRD zerschlagen - gegen alle
Einsprüche anderer europäischer Staaten. Dann wurde es auch mit deutschen
Bombern angegriffen. Zum dritten Mal in einem Jahrhundert ein deutscher
Angriffskrieg auf Jugoslawien! Ohne UN-Mandat und gegen jedes Völkerrecht
von deutschem Boden aus geführt! Im Falle Jugoslawiens ging es um die
Besetzung des Balkans durch deutsche Truppen, um die Erweiterung des
"eigenen Hinterhofs", um die Sicherung des eigenen Einflusses gegenüber
anderen imperialistischen Räubern durch Errichtung eines deutschen
Protektorats. Gegen einen Angriff auf Afghanistan konnte die BRD nichts tun,
und wollte es auch nicht: Sie war und ist maßgeblich beteiligt am
ökonomischen, politischen und kulturellen "Wiederaufbau" des Landes oder,
wie es Kriegsminister Struck selbst sagte: "Die Sicherheit der
Bundesrepublik Deutschland wird eben auch am Hindukusch verteidigt."2
"Deutschland hat Ernst gemacht mit seiner Souveränität, das Land
'emanzipiert' sich von Amerika."3
Der Nahe Osten, der Irak, ist nichts anderes als ein weiteres Schlachtfeld
zwischen-imperialistischer Widersprüche. Die Neuaufteilung der Welt unter
den imperialistischen Mächten wird wie immer auf kriegerischem Weg auf dem
Rücken anderer Völker ausgetragen. Der Nahe Osten, der Irak, wird von
imperialistischen Mächten als Einflussgebiet begehrt. Weil es dort mit die
größten Ölreserven der Welt gibt (was, je nach Abhängigkeit vom Ölimport,
die einen interessiert, die anderen nicht). Weil es gilt, geostrategische
Vorrangstellungen zu erhalten, weil kein anderer Imperialist haben soll, was
man selbst haben möchte.
Der imperialistische Gigant USA wird herausgefordert von stärker gewordenen
Konkurrenten, insbesondere von der BRD, die ökonomisch den zweiten Platz in
der Weltrangliste einnimmt. Mussten wir nach den Hinweisen auf einen
verschärften Konkurrenzkampf zwischen USA und BRD letztes Jahr noch mühsam
suchen, so schreien es heute die Spatzen von den Dächern. Nach der
schmierigen Auseinandersetzung um die US-amerikanischen Stahl-Schutzzölle
oder dem Aufschrei hierzulande über die US-amerikanische Aufforderung den
Bündnispflichten auch im Rüstungsbereich nachzukommen, treten die
Widersprüche beim Thema "Irakkrieg" offen zutage. Offensichtlich: der
"Pazifismus" der Herrschenden in unserem Land. Laut wurde der "deutsche
Sonderweg" der amerikanischen "Kriegslüsternheit" entgegengesetzt.
Deutschland scharte Kräfte wie Frankreich und Russland um sich, um seinem
"Friedenskurs" mehr Gewicht zu verleihen. Somit forciert dieses Deutschland,
das genauso wie die anderen Staaten vom Kapital regiert wird, eine Achse
jener Mächte, deren Einfluss im Irak sich zur Zeit in stetigem Aufwind
befindet - eine Achse allerdings, die je nach weltpolitischer Wetterlage
schnell wieder zerbröckeln kann. Die Kapitalmächtigen dieser Staaten
verlieren nur, wenn nach dem dritten Golfkrieg US-Truppen oder eine
USA-freundliche Regierung herrschen. Und wenn vielleicht Syrien oder der
Iran als nächstes Ziel auserkoren werden.
Viel beschworen in der BRD auch das Völkerrecht in den Wochen vor dem Krieg,
gegen das die USA handeln würden. Ein Völkerrecht also, das je nach Belieben
oder ja nachdem, wen man treffen will, beschworen werden kann. Oder
interessierte diese gleiche Regierung etwa der Bruch des Völkerrechts durch
den von ihr veranlassten Angriffskrieg auf Jugoslawien? Interessiert diese
Regierung das Völkerrecht, dessen "Überprüfung und Fortentwicklung" (Ulrich
Klose, SPD) von namhaften Vertretern gefordert werden, nämlich die Aufnahme
des "Rechts zum militärischen Präventiv-schlag"4
(Rupert Scholz, CDU)? Da werden mögliche Strategien für sich selbst in
Anspruch genommen, die man bei anderen verteufelt. Wie es gerade die
Interessenslage empfiehlt.
Viel beschworen in der BRD auch die Rolle der UN. Vor dem Angriff auf den
Irak wurde der Sicherheitsrat genutzt, um den USA und Großbritannien
deutsche "friedliche" Interessen zu vermitteln. So hatte es den Anschein. In
einem vertraulichen Bericht des deutschen UN-Botschafters Gunter Pleuger
wurde jedoch als Ziel angegeben, "Washington im Sicherheitsrat zu isolieren,
letzte Versuche für einen Konsens mit den USA zu verhindern und es zu einem
Alleingang gegen den Irak zu zwingen." So könne man hoffen, dass die USA
sich "angesichts der nicht alleine zu bewältigenden Dimensionen des
Wiederaufbaus ... reumütig wieder dem Rat zuwenden."5.
Die UN also für deutsche Interessen instrumentalisiert, zur Isolierung des
Hauptkonkurrenten vor dem Krieg, zur Ausschaltung des Hauptkonkurrenten bei
der Implementierung der Nachkriegsordnung im Irak: "Wenn man Stabilität in
der Region will, wenn man die Region dauerhaft befrieden will, dann wird man
die Vereinten Nationen brauchen", "das muss in die Köpfe aller Beteiligten
hinein."6 Inzwischen sehen sich
auch die USA und Großbritannien genötigt, dem deutschen Druck teilweise
nachzukommen und sprechen der UN eine "vitale Rolle" im Nachkriegsirak zu.
Dieses deutsche Ziel erreicht, geht die BRD nun einen Schritt weiter.
Kriegsminister Struck nötigt den USA quasi eine Beteiligung der Bundeswehr
auf: "Die Amerikaner würden sich freuen, wenn Deutschland auch militärisch
präsent wäre."7 Ob die deutschen
Soldaten allerdings im Rahmen eines UN-Einsatzes den Irak besetzen, ist noch
nicht geklärt: "über die Farbe von Helmen zu reden ... [sei] zum jetzigen
Zeitpunkt ... verfrüht", so "Friedenskanzler" Schröder.8
Auch schmieden deutsche Rechtsaußen-Denkfabriken eigene Pläne für eine
"Neuordnung im Irak nach europäischen Prinzipien", unter Berücksichtigung
der "ethnischen Spaltung" und "konfessionellen Teilung".9
Ganz den Prinzipien deutscher Herrschaftspolitik in Europa folgend: so
genannte "ethnische Minderheiten" fördern, Staaten zerschlagen. Oder: Teile
und herrsche...
Sie reden vom Frieden...
Die Friedensheuchelei der deutschen Regierung, die uns in den letzten
Monaten begleitete, ist nichts anderes, als eine Option der eigenen
Interessenwahrung. Hier wird ein imperialistischer Frieden gegen einen
imperialistischen Krieg gesetzt, und zwar den des Hauptkonkurrenten USA -
und dies sind keine Alternativen. Denn der imperialistische Frieden heißt in
diesem Fall nur, dass eben ein von anderen Imperialisten geführter Krieg
nicht das gewünschte Ergebnis der eigenen Herrschaftsansprüche, der eigenen
Profite bringt. Der imperialistische Frieden ist heute der Frieden unserer
Herrschenden, die die "friedlichen" Zeiten nutzen, um ihre Macht über den
europäischen Kontinent auszudehnen. Osteuropa wird ökonomisch und politisch
durchdrungen. Die "historische" EU-Osterweiterung sieht der deutsche
Imperialismus als "friedlichen" Weg dazu, was er von 1939 bis 1945 auf
kriegerischem nicht vollbracht hat: "Vielleicht versteht man in besonderer
Weise, dass wir, die Deutschen, uns sehr, sehr darüber freuen, dass nach der
Überwindung der Teilung Deutschlands jetzt auch die Teilung Europas - und
zwar endgültig - überwunden ist."10
Der so genannte Hinterhof des deutschen Imperialismus, die Länder
Osteuropas, sind längst nicht in alleiniger deutscher Hand und seine sichere
Beute. Dies zeigte sich jüngst erst daran, dass der US-Imperialismus seine
Armeestützpunkte aus der BRD nach Polen zu verlegen plant. Im Kampf um die
Vorherrschaft in der Welt wird jedes Mittel genutzt. Und der bisher vom
deutschen Imperialismus eingeschlagene Weg der "friedlichen" Durchdringung
Osteuropas neigt sich offensichtlich dem Ende zu. Die imperialistischen
Großmächte stehen sich immer klarer militärisch entgegen. Wird nach dem Irak
heute bald ein weiteres Land, z.B. Polen, dasjenige sein, auf dessen Rücken
diese Widersprüche in einem barbarischen Krieg ausgekämpft werden? Der
imperialistische Frieden ist heute der Frieden unserer Herrschenden, morgen
ist es ihr Krieg gegen andere Völker.
...und rüsten zum Krieg.
Zum imperialistischen Frieden gehören Kriege, eigene Kriege, wenn sie dem
Kapital in den Kram passen. Nicht erst seit 1990 beobachten wir die Auf- und
Umrüstung in diesem Land, die Verabschiedung neuer Strategiepapiere wie der
"Verteidigungspolitischen Richtlinien" von 1992, in denen die "Sicherung von
Märkten und Rohstoffen" als vitales Interesse der BRD angemahnt wird. Wie
kann man sich in anderen Ländern Märkte und Rohstoffe auf friedlichem Wege
sichern? Wenn die anderen Völker eingekauft werden, nur dann. Ansonsten
bedeutet diese Formulierung nichts anderes als die Androhung von Kriegen.
Neue deutsche Kriege, an deren Anforderungen die Bundeswehr und das
Kriegsmaterial angepasst werden müssen. So ist denn auch die
"Strukturreform" der Bundeswehr nichts weiter als eine Umrüstung - hier wird
nichts verkleinert, nur optimiert und spezialisiert - und der
Verteidigungshaushalt erreicht derweil schwindelerregende Höhen: Für die
Jahre bis 2006 werden jeweils 24,4 Mia. Euro veranschlagt. "International
sind etwa 9000 deutsche Soldatinnen und Soldaten in multinationalen
Einsätzen engagiert. Damit ist Deutschland nach den USA der zweit-größte
Truppensteller weltweit", behauptete die Regierung Schröder am 27. Februar
2003.11 Seit 1998 waren es
insgesamt 100.000. 100.000 deutsche Soldaten, die deutsche Interessen in
fremden Ländern schützen, auch in Ländern, die die deutsche Wehrmacht mit
Mord und Verderben überzog! Umfassende Auslandseinsätze werden auch in den
im Mai 2003 erscheinenden neuen "Verteidigungspolitischen Richtlinien" des
Kriegsministeriums festgeschrieben. Darin heißt es u.a.: "Die Bundeswehr
bekämpft weltweit operierende Terrororganisationen und trägt dazu bei, ihnen
sichere Rückzugsgebiete zu entziehen und Seeverbindungswege zu sichern.
Künftige Einsätze lassen sich wegen des umfassenden Ansatzes zeitgemäßer
Sicherheits- und Verteidigungspolitik und ihrer Erfordernisse weder
hinsichtlich ihrer Intensität noch geografisch eingrenzen. Der politische
Zweck bestimmt Ziel, Ort, Dauer und Art eines Einsatzes." Auch der Einsatz
der Bundeswehr im Inneren soll ermöglicht werden: "...wenn nur sie über die
erforderlichen Fähigkeiten verfügen oder wenn zum Schutz der Bürger und
kritischer Infrastruktur ein erheblicher Personaleinsatz erforderlich wird."12
Den anderen Völkern drohen deutsche "Präventivschläge" - und das ist genau
dieselbe Formulierung wie die der Kriegspropaganda der Hitlerfaschisten im
2. Weltkrieg. Und an diesem Punkt ist die Friedenspropaganda der Regierung
dann auch zu Ende. "Wir müssen bereit sein, die Konsequenzen zu ziehen aus
der Tatsache, dass die Verteidigung an den Grenzen unseres Landes zu einer
unwahrscheinlichen Option geworden ist."13
Verteidigung unwahrscheinlich - das kann man auch umformulieren: Angriff
wahrscheinlich, an welchen Grenzen auch immer!
Good Old Europe?
Deutschland rüstet sich für den nächsten großen Krieg. Wenn aber dieser
Krieg um die Neuaufteilung der Welt geführt wird, um Herrschaftsansprüche
und Einflussgebiete der imperialistischen Mächte, dann wird er sich gegen
den Hauptkonkurrenten der BRD richten, gegen die USA, und möglicherweise
gegen andere Großmächte, mit denen der deutsche Imperialismus heute noch gut
Freund ist. Die BRD macht den USA die Führungsrolle streitig. Und weil - das
rettet im Moment noch unser aller Leben - das "Problem amerikanischer Macht"14
derzeit nicht mit militärischen Mitteln gelöst werden kann, fordert
Deutschland bei den EU-"Partnern" ein mächtiges Europa ein. Europa, von der
BRD dominiert, soll einer Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, eine
Europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik folgen. Die Umsetzung auf
politischer Ebene erfolgt mit der Ernennung eines europäischen
Außenministers und mit der geplanten Verabschiedung einer europäischen
Verfassung, am besten dem deutsch-französischen Vorschlag folgend.
Das
Konzept eines Kerneuropas ist keine neue Erfindung. Es wurde schon 1994
von dem damaligen Innenminister Schäuble propagiert und verlangte, dass
die Staaten Osteuropas sich den Bedingungen Westeuropas anpassen müssen,
sonst "könnte Deutschland aufgefordert werden oder aus eigenen
Sicherheitszwängen versucht sein, die Stabilisierung des östlichen
Europa alleine und in der traditionellen Weise zu bewerkstelligen."
(in: "Überlegungen zur europäischen Politik", 01.09.1994) |
Doch gleichzeitig werden auch kriegerische Stimmen laut,
die ein militärisches "Kerneuropa", eine "Emanzipation der Europäer von der
NATO", eine europäische "Armee zur Abwehr von US-Hegemoniean-sprüchen"15
fordern. Im Kanzleramt gehen die Strategieplanungen noch weiter: Sie sehen
einen "militärischen Zusammenschluss des deutsch-französischen 'Kerneuropa'
vor, der als 'Europäische Verteidigungsunion' mit gegenseitiger
Bündnispflicht außerhalb der EU-Verträge gegründet werden und weitgehend
unabhängig von der NATO operieren soll."16
Scheinbare Widersprüche lassen sich nun leichter verstehen. Europa hatte
sich nämlich in der Kriegsfrage gar nicht einig gezeigt: Gerade innerhalb
der neuen EU-Mitgliedsstaaten in Osteuropa entbrannte der Kampf aufs Neue
darum, wie sie sich mal mehr, mal weniger an die Seite der USA oder an die
Seite der BRD stellen. Einig zeigte sich in der Kriegsfrage "Kerneuropa",
old Europe, Frankreich und Deutschland, die beiden mächtigsten Staaten auf
dem Kontinent. Warum dieser Schulterschluss mit Frankreich? Weil es über
Atomwaffen verfügt? USA und NATO raus aus Europa, das ist erstmal die
Forderung des deutschen Imperialismus.
Die
deutschen Kapitalisten haben zwei Möglichkeiten in einem Krieg.
1. Sie verraten Deutschland und liefern es an die USA aus. (Petain)
2. Sie betrügen die USA und setzen sich an die Spitze.
(Bertolt Brecht) |
Über europäische Streitkräfte unter deutscher Führung ist
dies mit der Übernahme der Verantwortung in Mazedonien im April 2003 und in
Bosnien 2004 erreicht. "Wenn es Westeuropa gelingt, diese Region [Balkan] in
ihrem Vorhof zu stabilisieren, ist auch der zweite, sehr viel größere
Schritt denkbar: Russland im europäischen Sinn zu verwestlichen. Nur auf
diesem Weg kann das erforderliche Gegengewicht zu Amerika hergestellt
werden."17 "Verwestlichung im
europäischen Sinn", das hieß 1941 Überfall und Vernichtungskrieg.
Nieder mit der Berliner Republik!
Wo unsere Herrschenden dieses Land für Kriege rüsten, wo sie eigene Kriege
führen, wo der nächste große Krieg nur noch eine Frage der Zeit ist, da
nutzen sie das Geschehen. Der Krieg nach außen wird vorbereitet durch den
Krieg nach innen. Krieg, das heißt weiterer Abbau bürgerlich-demokratischer
Rechte. Verschärfte Überwachung, festgelegt durch den "großen
Lauschangriff", Rasterfahndung und die Schily-Pakete. Datenerfassung aller
"Linken". Enttabuisierung der Folter. Verschärfung des § 129 StGB. Krieg,
das heißt auch: weitere Zulassung faschistischer Organisationen und Parteien
- Ablehnung des NPD-Verbots durchs Verfassungsgericht. Krieg nach innen, das
heißt vor allem auch Feldzug gegen die Arbeiter und Arbeitslosen
hierzulande. Im Antikriegs-Hype fast untergegangen sind die Angriffe der
Herrschenden auf uns durch die (teilweise noch geplante) Umsetzung der
Hartz-Konzepte: Kürzungen der Leistungen, Arbeitsdienst, Ich AG und
Mini-Jobs, Datenerfassung aller Arbeiter. Nach der Deformierung des
Arbeitsmarktes soll auch gleich noch das Gesundheitswesen drankommen.
Sollten sich unsere Interessensvertretungen, die Gewerkschaften, diesem
größten Angriff der Kapitalmächtigen auf die Arbeiter entgegen stellen, dann
droht Schröder schon jetzt mit dem Angriff auf sie selbst!
Vorbereitung auf deutsche Kriege bedeutet auch die Militarisierung der
Gesellschaft voranzutreiben, nicht zuletzt durch Kriegspropaganda. Dafür
wird das Medien-Bombardement mit dem Irakkrieg genutzt, wo deutsche Generale
a. D. ganz nüchtern mörderische Kriegsstrategien erläutern dürfen. Dafür
schickt man aber auch die eigene Truppe auf Werbetouren durch die Republik,
ob zur Veranstaltung eines Volksfests oder zur Einweisung von Schulkindern
in Strategiespiele auf der Leipziger Buchmesse. Gewöhnung an das Militär,
Gewöhnung an den Krieg, nichts anderes ist der Zweck des Propagandafeldzugs.
Sie sollen wieder zum "normalen" Bestandteil des Lebens werden. Dabei den
deutschen Imperialismus trotzdem als friedliebend zu verkaufen, das ist die
Aufgabe einer deutschen Regierung, die sich im weltpolitischen System als
Gegenpol zu den USA aufschwingt. Psychologische Kriegsvorbereitung nennt man
das, zumal es diese Regierung ja sogar geschafft hat, große Teile der
fortschrittlichen Kräfte und des deutschen Volkes an sich und an dieses
System zu binden. Hier wird auf der Straße zusammen mit der Regierung und
den Kapitalmächtigen gegen die USA marschiert - so wie zum Beispiel 1914
gegen den "zaristischen Imperialismus". Wann ist der Aufmarschplatz nicht
mehr die Straße, sondern das Feld?
Dieses Deutschland ist nicht friedlicher geworden im Laufe seiner
Geschichte. Die BRD ist ein imperialistischer Staat, dessen Politiker,
Beamte und Militärs die Herrschaftsansprüche der deutschen Konzerne nach
innen wie nach außen durchsetzen. Es gibt für uns keinen gemeinsamen Weg mit
dem deutschen Imperialismus, außer den Weg ins Massengrab, und auch den
gehen wir für die Imperialisten! Nichts gemein haben wir mit den deutschen
Kriegstreibern, mit der deutschen Regierung der politischen Unterdrückung,
der sozialen Knechtung!
Anfang der 1950er richtete sich die Friedensbewegung gegen die eigenen
Herrschenden, gegen die Remilitarisierung der BRD und den Generalvertrag.
Deswegen wurden maßgeblich daran beteiligte Kräfte in der BRD verboten, FDJ
und KPD. Sie waren ihren eigenen Herrschenden mächtig auf die Füße
getreten... Und nur dies kann unsere Aufgabe sein: Der Kampf gegen den
deutschen Imperialismus, unseren Hauptfeind, die Überwindung dieses Systems.
Erst wenn wir unseren Herrschenden nicht mehr willkommen sind, sind wir die
Friedensmacht.
Kein Frieden mit unseren Herrschenden - denn sie reden vom Frieden und
rüsten zum Krieg!
Die
Oberen sagen: Friede und Krieg
Sind aus verschiedenem Stoff.
Aber ihr Friede und ihr Krieg
Sind wie Wind und Sturm.
Der Krieg wächst aus ihrem
Frieden
Wie der Sohn aus der Mutter
Er trägt
Ihre schrecklichen Züge.
Ihr Krieg tötet
Was ihr Friede
Übriggelassen hat.
(Bertolt Brecht, aus
"Deutsche Kriegsfibel") |
Zentralrat der Freien Deutschen Jugend
Mai
2003
Quellenangaben:
1
So der ehemalige NATO-Generalsekretär Lord Ismay; im Original: "to keep the
Russians out Germans down, and the Americans in."
2 Pressekonferenz am 05.12.2002,
nachzulesen unter:
http://www.bmvg.de/sicherheit/print/021205_struck_projekte.php.
3 Frankfurter Allgemeine Zeitung,
04.04.03.
4 Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung, 23.03.03.
5 Frankfurter Allgemeine
Sonntagszeitung, 16.03.03.
6 Gerhard Schröder, Artikel des
Bundespresseamts vom 10.04.03 und Regierungserklärung vom 03.04.03, beides
nachzulesen unter:
www.bundesregierung.de.
7 Frankfurter Allgemeine Zeitung,
14.04.03.
8 Artikel des Bundespresseamtes vom
11.04.03, unter:
www.bundesregierung.de.
9 So das "Centrum für angewandte
Politikforschung" in München und die "Bertelsmann-Stiftung".
Siehe unter: www.cap.uni-muenchen.de und
www.bertelsmann-stiftung.de.
10 Gerhard Schröder anlässlich der
Unterzeichnungszeremonie am 16.04.03, siehe unter:
www.bundesregierung.de.
11 Siehe:
www.bundesregierung.de/Nachrichten.
12 Auszüge dokumentiert in Die
Welt, 25.04.03.
13 Peter Struck, in Europäische
Sicherheit, Januar 2003. Siehe:
www.bmvg.de/archiv/reden/minister/print/030106_europaeische_sicherheit.php.
14 Peter Schmidt, Stiftung
Wissenschaft und Politik, 19.03.03. Siehe unter:
www.swp-berlin.org.
15 Financial Times Deutschland,
21.03.03.
16 Siehe unter:
www.german-foreign-policy.com,
Nachricht vom 19.04.03.
17 Jochen Thies, "Das Ringen um
eine neue Weltordnung", in Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 25/2002.
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